Blick in den Innenhof des Museums für historische Maybach Fahrzeuge in Neumarkt in der Oberpfalz.

Maybach – eine Legende lebt.

Ein Paradies für Maybach Liebhaber, betrieben von Enthusiasten: In ihrem Museum in Neumarkt in der Oberpfalz zeigen Anna und Helmut Hofmann wahre Schmuckstücke der Automobilgeschichte. Ein Besuch.

  • Maybach – eine Legende lebt.

  • In Eigeninitiative und mit viel Engagement.

    Blaue Jeans, ein weißes Hemd und dazu eine Krawatte mit goldenen Maybach Logos – die Leidenschaft von Dr. Helmut Hofmann für die Marke Maybach ist auf den ersten Blick zu erkennen. Er und seine Frau Anna sind die Besitzer und Kuratoren des Museums für historische Maybach Fahrzeuge in Neumarkt in der Oberpfalz. Zehn Prozent der weltweit noch existierenden Maybach Fahrzeuge sind hier versammelt. Insgesamt entstanden zwischen 1920 und 1941 rund 1.800 dieser majestätischen Automobile.

    Anna und Dr. Helmut Hofmann sind die Besitzer und Kuratoren des Museums für historische Maybach Fahrzeuge.

    Heute geben uns die Hofmanns eine exklusive Führung durch das Museum, das sie in Eigeninitiative aufgebaut haben und mit viel Engagement selbst leiten.

    „Ein Maybach ist wie ein Familienangehöriger.“

    Woher die Liebe zur Marke Maybach kommt, fragen wir das Paar, als wir durch den modern gestalteten Innenhof in Richtung Museumsfoyer schlendern. Helmut Hofmann, in seinem beruflichen Leben Kieferorthopäde, muss für die Antwort nicht lange überlegen: „Eigentlich begann alles mit einem Freund von mir. Der kannte eine ältere Dame, die einen Maybach besaß, den er ihr unbedingt abkaufen wollte. Er war sich unsicher, ob er sie würde überzeugen können. Ein Maybach sei wie ein Familienangehöriger, sagte er mir, den gebe man nicht mehr her.“

    Prunkstück: ein Maybach SW 38 Pullman-Cabriolet von 1937.

    „Er erhielt das Auto am Ende aber doch. Als ich seinen roten Maybach zum ersten Mal sah – es war ein wunderschönes Cabriolet mit einer Karosserie von Gläser – war es auch um mich geschehen.“

    Der Gang durch das Maybach Museum gleicht einer Zeitreise.

    „Unsere Besucher sollen sich wohlfühlen.“

    „Meinen ersten Maybach fand ich in Kanada. Er war der Grundstein unserer Sammlung, denn mit der Zeit kamen immer mehr Fahrzeuge hinzu“, erzählt Helmut Hofmann, seine Frau Anna ergänzt: „Irgendwann entstand dann die Idee, die Fahrzeuge der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Im März 2009 war es so weit: Das Museum für historische Maybach Fahrzeuge öffnete auf einem ehemaligen Fabrikgelände seine schicken Stahltore mit dem unverwechselbaren Maybach Emblem. In der hellen Museumshalle verschmelzen historische Bausubstanz und moderne Architektur stilvoll miteinander und treffen auf das opulente Fahrzeugdesign der 1920er und 1930er Jahre. „Uns war es wichtig, dass man sich hier wohlfühlt, sodass man sich gerne Zeit nimmt, die Fahrzeuge zu betrachten“, erklären die Besitzer. Der Plan geht auf: Hinter jeder Ecke bietet sich ein neuer Betrachtungswinkel auf die ausgestellten Fahrzeuge, wartet ein weiteres Maybach Modell darauf, entdeckt zu werden. Zwischen 18 und 20 Exponate gibt es zu bestaunen, je nachdem, ob gerade Fahrzeuge in Wartung oder Restaurierung sind. Jedes Einzelne ist ein extrem seltenes Stück.

    Der Maybach DS 8 „Zeppelin“, Baujahr 1930.

    Von Bischöfen, Grafen und Prinzessinnen.

    Im Eingangsbereich der Ausstellungshalle erspähen wir einen der Stars der Sammlung: einen weißen Maybach DS 8 „Zeppelin“ von 1930. Zwölf Zylinder, acht Liter Hubraum – die Maximalgeschwindigkeit lag bei 150 bis 170 km/h. Ein Spitzenwert zur damaligen Zeit – und heute noch sind es beeindruckende Zahlen. Im Maybach Museum gibt es aber weit mehr zu erfahren als schiere Fakten. Zu jedem Modell ist eine detaillierte Geschichte über Vorbesitzer und Einsatzorte zu lesen.

    Recherchiert und geschrieben wurden die Texte allesamt von Anna Hofmann, die sich selbst als die „Arbeiterin“ des Kuratorenduos bezeichnet – ihr Mann sei der Sammler. „Ein Schild mit Baujahr und Motor ist einfach zu wenig“, erklärt Anna Hofmann ihre Motivation. „Man möchte doch die Geschichte kennenlernen, vor allem bei diesen tollen historischen Autos. Einige unserer Exponate haben sogar Namen: Wir haben einen Bischof, einen Prinzen, einen Grafen und sogar eine Prinzessin in unserer Sammlung.“

    Bewegende Automobilgeschichten.

    Wir gehen weiter und stoßen auf einen weiteren Maybach DS 8 „Zeppelin“, dieses Mal aus dem Baujahr 1939. Er unterscheidet sich deutlich von den anderen Exponaten. Ein Strahler taucht das Fahrzeug in gelbes Licht, im Hintergrund das Foto einer zerbombten Stadt. Die schwarze Karosserie ist mit Rost und unzähligen Beulen übersät – ein fast gespenstischer Anblick. Ganz offensichtlich hat dieser „Zeppelin“ ein besonders hartes Autoleben hinter sich. Die Beschreibung auf dem Schild bestätigt die Vermutung. Die Luxuslimousine wurde von der Roten Armee nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Bus umfunktioniert. Bis 1991 war das Fahrzeug in der Ukraine im Einsatz, defekte Teile wurden kurzerhand durch russische ersetzt. „Es ist immer noch ein Maybach, aber er hat sicherlich am meisten von allen arbeiten müssen. Leider hatte das Fahrzeug in seiner langen Nutzungszeit auch zahlreiche Blechschäden und das Rahmenstück mit der Fahrgestellnummer wurde irgendwann entfernt. Daher wissen wir fast nichts über den Erstbesitzer“, sagt Helmut Hofmann. Über einen auf Maybach spezialisierten Händler gelangte der „Zeppelin“ letztendlich in die Sammlung der Hofmanns.

    Gezeichnet von der Zeit: ein Maybach DS 8 „Zeppelin“ von 1939.
    Frontansicht eines Maybach SW 38 Sport-Cabriolet, Baujahr 1938.

    Maybach fahren: Ein Fest für die Sinne.

    Damit die Fahrzeuge keine Standschäden erleiden, werden sie regelmäßig von den Hofmanns bewegt. Wie sich das anfühle, so eine Fahrt in einem Maybach? Helmut Hofmann kommt ins Schwärmen: „Wenn man in einen Maybach einsteigt, betritt man eine ganz andere Welt. Da hat man keinen Termin. Man hat in der Regel frei und genießt es. Der Pulsschlag und der Blutdruck sinken – ein sehr angenehmes Gefühl. Man fährt ja meistens mit der Familie, hat einen Picknickkorb dabei, hält irgendwo an, macht eine Pause und genießt das Leben. Maybach fahren ist Genuss pur.“ Seine Frau lacht und fügt schmunzelnd hinzu: „Man erlebt jede Menge unterwegs. Einmal machten wir an einem Hotel halt und wollten dort übernachten, doch es gab leider keinen freien Garagenplatz mehr, und so ein Auto lässt man nicht einfach so auf einem Parkplatz stehen. Da haben wir einfach im Maybach übernachtet. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, standen schon einige Leute um das Auto herum und machten Fotos.“

    Kann ein Fahrzeug Kunst sein?

    Helmut Hofmann führt uns zielstrebig zu einem Maybach SW 38 Pullman-Cabriolet, Baujahr 1937. Wir dürfen auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Die massive Wagentür fällt ins Schloss und man fühlt sich schlagartig in eine andere Zeit versetzt. Die stromlinienförmige Karosserie scheint sich im Innenraum nahtlos fortzusetzen. Hier wartet ein wahres Fest für die Augen: Wunderschöne Instrumente in Chromringen umrahmen das große Lenkrad. Dazu gesellen sich Türverkleidungen aus rotem Leder, spiegelnde Lackoberflächen und Echtholzeinlagen und formen ein harmonisches Ganzes – das ist kein Auto, sondern ein Kunstwerk. Auch die Augen von Helmut Hofmann leuchten, als er neben uns Platz nimmt. „Der Unternehmensgründer Wilhelm Maybach wusste, wie man ein Automobil der höchsten Klasse baut. Motor, Getriebe, Achsen und Karosserie gehen eine Einheit ein. Er hat damit einen wesentlichen Beitrag zur Automobilentwicklung geleistet.“

    Das Cockpit eines Maybach SW 38 Pullman-Cabriolet von 1937.

    Was Maybach wohl zur heutigen Mercedes-Maybach S-Klasse sagen würde, fragen wir den Sammler und Museumsbetreiber am Ende unseres gemeinsamen Rundgangs. Auch darauf hat der Maybach Enthusiast eine Antwort parat: „Na, er würde sicherlich sagen: Das habt ihr gut gemacht, Jungs!“

    Bildergalerie.

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