Back
Back
Einer der Mercedes-Benz S 124 des Teams „The Madcaps“ am Meer.

Mit dem S 124 vom Allgäu in den Orient.

Sechs Freunde, drei Mercedes-Benz S 124 und ein großes Abenteuer: Das Team „The Madcaps“ erlebt auf der Allgäu-Orient-Rallye den Trip seines Lebens. Ein Gastbeitrag.

Fotos & Text: The Madcaps

10.000 Kilometer Strecke.

10.000 Kilometer. So viel Strecke liegt vor uns, als in Oberstaufen der Startschuss zu unserem großen Abenteuer fällt, der Allgäu-Orient-Rallye. Unser Ziel: Daylan in der Türkei. Unser Team: sechs Freunde aus Bayern, zwei Frauen, vier Männer. Unser ganzer Stolz: drei Mercedes-Benz S 124. Wir haben Haifischmäuler auf die Kotflügel gemalt, damit uns niemand verwechseln kann. Uns erwartet ein knapp dreiwöchiger Trip.

Mit Haifischmaul unverwechselbar gemacht: ein Mercedes-Benz S 124 des Teams „The Madcaps“ unterwegs auf der Allgäu-Orient-Rallye.

An dessen Ende werden wir den vierten Platz von 70 Teams belegt haben, ganz ohne GPS – es ist auf dieser Rallye ebenso verboten wie teure oder nagelneue Fahrzeuge. Wir werden Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei und Georgien durchquert, neue Menschen und Kulturen kennengelernt und wunderschöne Erinnerungen gesammelt haben.

Abenteuer Istanbul.

Erinnerungen wie die an Istanbul, den ersten Treffpunkt mit den anderen Teams. Frühmorgens starten wir die Motoren und fahren, eskortiert von der türkischen Polizei, auf die Hagia Sophia zu. Als wir die Bosporus-Brücke passieren – die Mädels sitzen auf den Dächern unserer Fahrzeuge, den Wind in den Haaren – , ruft der Muezzin zum Gebet, und das vor dieser unglaublichen Kulisse. Wir sind mitten in Istanbul, gerade noch in Europa, gleich darauf in Asien – einer der atemberaubendsten Momente der Rallye.

„The Madcaps“ mit ihrem Mercedes-Benz S 124 auf der Bosporus-Brücke.
Blick auf den Ishak-Pascha-Palast im Osten der Türkei.

Der schönste Schlafplatz der Welt.

Die Türkei beeindruckt uns auch mit ihrer Natur. Nach einem eintägigen Abstecher in Georgiens Hauptstadt Tiflis fahren wir in den äußersten Osten der Türkei. Wir schlagen unsere Zelte auf einem Gipfel auf und blicken auf den 5.137 Meter hohen, als heilig geltenden Vulkan Ararat und auf kleine Moscheen, die geschützt inmitten von Felsen stehen, im Zentrum der wunderschöne Ishak-Pascha-Palast. So einen Schlafplatz entdeckt man nicht oft im Leben. Da kann keine Luxussuite der Welt mithalten.

Fremde, die zu Freunden werden.

Mindestens so unvergesslich wie die Landschaften sind die Fremden, die unterwegs selbst ohne gemeinsame Sprache zu Freunden werden. Wie der junge Mann, der sich eines frühen Morgens am Schwarzen Meer zu uns gesellt, als wir gerade frühstücken. Er singt türkische Volkslieder für uns, wir tanzen und freuen uns über den frisch gefangenen Fisch, den er uns schenkt. Wenig später bringt uns der Kapitän eines Fischerboots köstlichen Lachs, und so sitzen wir gemeinsam am Strand und genießen ein zweites Frühstück.

„The Madcaps“ mit einem ihrer neuen Freunde am Schwarzen Meer.

Später besuchen wir den Kapitän und werden von seiner Frau mit Essen und Chai verwöhnt – und fühlen uns wie zu Hause.

Ein Mercedes-Benz S 124 auf der Allgäu-Orient-Rallye im Becken des Salzsees in Şereflikoçhisar.

Irgendwo im Nirgendwo.

In Göreme in Kappadokien, das mit seinen von kleinen Höhlen übersäten Felsen beeindruckt, lernen wir eine Gruppe junger Leute kennen. Nachts führen sie uns in der Innenstadt auf einen Berg, von dem aus wir auf die ganze Stadt blicken können. Als die Sonne aufgeht, fahren wir den Berg herunter und wieder hoch, bis der aufwirbelnde Staub unsere Fahrzeuge fast vollends verschluckt.

Immer wenn wir auf dieser Reise denken, das Beste schon erlebt zu haben, kommt der nächste Ort, das nächste Ereignis, das uns eines Besseren belehrt. Wie am Salzsee in Şereflikoçhisar. Inmitten hoher Spitzer preschen wir mit einem unserer S 124 ins Salzseebecken und driften, bis das Wasser schäumt. Dazu der Blick auf den See und die warmen abendlichen Sonnenstrahlen – so soll das Leben sein.

Mut zur Lücke.

Irgendwann beschließen wir, dass es Zeit ist für eine Veränderung. Wir finden eine Werkstatt und einen Mechaniker, der eines unserer Autos von seinem Dach befreit. So wird aus einem unserer drei Mercedes-Benz S 124 ein wunderbar luftiges Cabrio, in das sich auch das Filmteam von Mercedes-Benz verliebt, das uns am darauffolgenden Tag besucht. Diese Werkstatt bleibt übrigens nicht die einzige, die wir auf unserem Trip ansteuern.

Das Team mit seinen Mercedes-Benz S 124. Das Fahrzeug in der Mitte haben Mechaniker vom Dach befreit.

Immerhin bringen wir mehrere Tausend Kilometer hinter uns, und das zum Großteil offroad und mit Autos, die per Rallyestatuten mehr als altgedient sein müssen: Bei der Allgäu-Orient-Rallye werden nur Fahrzeuge zugelassen, die mindestens 20 Jahre alt und straßentauglich sind. Jüngere Fahrzeuge dürfen nur mit, wenn sie weniger als 1.111,11 Euro wert sind.

Strapazen für Mensch und Maschine.

Verständlich also, dass die starken Bremsvorgänge in den bosnischen Bergen Folgen haben: Uns platzt vorne rechts der Bremsschlauch. Wir wollen die Bremse schon komplett abklemmen, als wir doch noch eine Bastlerbude finden. Der S 124 ist hier quasi das Nationalfahrzeug, also ist die Ersatzteilbeschaffung schnell erledigt. Wir frühstücken noch auf der Motorhaube und verabschieden uns dann von den Mechanikern, die hin und weg sind von unseren Fahrzeugen und uns am liebsten Teile wie die Sitzbank abkaufen wollen. Keine Chance. Wer weiß, ob wir die nicht noch brauchen.

Die Mercedes-Benz S 124 unterwegs auf der Allgäu-Orient-Rallye.
Ein Mercedes-Benz S 124 in einer Werkstatt.

Schnell behoben.

Als bei einem unserer Autos nachts die Antriebswelle bricht, schieben wir es für die Übernachtung auf einen Parkplatz. Morgens weckt uns eine Lokalreporterin; unsere Anwesenheit hat sich herumgesprochen und sie möchte ein Interview. Als Gegenleistung vermittelt sie uns eine Werkstatt, die das Problem schnell behebt. Später lernen wir mitten in der griechischen Rushhour, dass ein abgebrochenes Lüfterrad ganz simpel mit dem elektrischen Lüfter der Klimaanlage und einem Schuko-Stecker ersetzt werden kann.

Der Weg ist das Ziel.

Als wir nach knapp drei Wochen Rallye frühabends die kleine Stadt Dalyan im Südwesten der Türkei erreichen, steigen wir vor dem Finish-Banner auf unsere Autos und bejubeln unseren Einzug ins Ziel. Unsere drei S 124 haben sich wacker geschlagen. Es hatte lange gedauert, bis wir sie gefunden, aufgemöbelt, durch den TÜV gebracht und verziert hatten. Jetzt haben wir sie richtig lieb gewonnen. Wir sprinten ins Meer und feiern unsere Reise, auf der mehr als alles andere galt: Der Weg ist das Ziel.

Das Team „The Madcaps“ am Ziel der Allgäu-Orient-Rallye.

Wir schauen auf den überragenden Strand, die Sonne ist gerade am Untergehen, Luft und Wasser sind badewannenwarm. In diesem Moment wissen wir: Wir machen wieder mit!

Bildergalerie.

Verwandte Themen.

Verwandt
Beliebt
Empfohlen