Dem Mercedes-Benz 720 SSK Baujahr 1928 merkt man seinen Seniorenstatus bei der Silvretta Classic kaum an.

Museum auf Rädern.

Die Silvretta Classic 2013.
  • Museum auf Rädern.

  • Nacheinander starten die Fahrzeuge im österreichischen Partenen.

    Der Duft der vergangenen Tage.

    Das kleine Örtchen Partenen. Tief hängen die Nebelschwaden über dem Montafon. Sie kommen von den Bergwipfeln heruntergerollt, um sich mit Duftwolken von Benzin zu vermengen. Als ein Mercedes-Benz 300 SL aus dem Jahr 1958 an den Zuschauern vorbeirollt, ist es gerade einmal 6.47 Uhr am Morgen, aber alle Müdigkeit ist mit einem Schlag vergessen. Während die ersten Schaulustigen mit großen Augen weitere Preziosen bestaunen, bestellen zwei Herren in 40er-Jahre-Kleidung an der Bar Kaffee. Im Gastzelt mischen sich die unterschiedlichsten Sprachen mit dem Dialekt der Region. Aus ganz Europa sind die Besitzer und Fahrer der 159 Automobile gekommen, die an diesem Tag an den Start gehen, um bei einer der schönsten Rallyes des Jahres dabei sein zu dürfen: der 16. Silvretta Classic.

    Club der Enthusiasten.

    Das Besondere an der Silvretta Classic ist, dass sich die Auswahl hier nicht nur auf exklusive und hochpreisige Oldtimer beschränkt. Auch Klassiker, die einmal als reine Gebrauchswagen dienten, werden zugelassen. Denn dem Veranstalter geht es in erster Linie darum, Automobilgeschichte zu erzählen. Und die wurde auch von volksnahen Sympathieträgern geschrieben. Diese sind, sofern sie sich in einem optisch wie technisch guten Originalzustand befinden, zur Teilnahme herzlich willkommen: Sogar Kleinbusse gehen hier an den Start. Dementsprechend bunt ist das Publikum.

    Familienausflug auf die Silvretta Classic in einem Mercedes-Benz 220 B aus dem Jahr 1953.

    Doch eines haben sie laut Harald Koepke, dem Organisationsleiter der Silvretta Classic, gemeinsam: „Die Teilnehmer sind alles Enthusiasten.“ Den Geist des „rollenden Museums“ bringt er auf den Punkt: „Jeder Fahrer hier macht anderen Menschen eine Freude.“

    Der Mercedes-Benz SLS O'Shea Baujahr 1957 passt immer noch perfekt in die Gebirgsidylle.

    Ein bisschen Familie, ein bisschen James Bond.

    Gerade noch rechtzeitig – erst zwei Tage vor dem Startschuss zur Rallye – wurde die Hochalpenstraße entsperrt. Nun bietet sich hier ein abwechslungsreiches Bild: Manche Fahrer der 159 Klassik-Fahrzeuge haben die ganze Familie an Bord. Andere Piloten röhren in Junggesellen-Oldtimern durch das Gebirgsidyll und erwecken unweigerlich die Erinnerung an alte James-Bond-Filme zum Leben.

    Doch eint sämtliche Teilnehmer aller sechs zugelassenen Fahrzeugklassen letztlich ein und dasselbe Ziel: die vorgegebenen Routen und Wertungsprüfungen auf die Sekunde genau zu fahren.

    Warten auf die „Rote Sau“.

    Kinostimmung verbreiten auch die Fans, die verstreut an den Kurven ihre mitgebrachten Klappstühle aufgebaut haben. Eine Gruppe aus Süddeutschland reist jedes Jahr an, um rare Stücke hautnah zu erleben. Diesmal teilen sie sich den Platz mit einem Ehepaar aus Bielefeld. Sie alle warten auf den Mercedes-Benz 300 SEL 6.8 AMG. Bekannt wurde er als die „Rote Sau“. 1971 holte der Renntourenwagen im belgischen Spa-Francorchamps völlig überraschend den Klassensieg. 2013 ist sein Anblick immer noch eine Sensation, für die Kenner Hunderte von Kilometer zurücklegen. Doch sind diese nicht die einzigen, für die das Erlebnis etwas Besonderes ist. Pilot Karl Wendlinger bekennt: „Mit einer Legende wie der ‚Roten Sau‘ durch die Berge meiner Heimat zu fahren, lässt mein Rennfahrerherz höher schlagen.“

    Am Steuer der

    Als Wendlinger endlich um die Kurve biegt, sorgt er für gewaltigen Jubel. Nur gut, dass die Silvretta Classic ein „Museum“ ist, in dem man auch mal ein bisschen lauter sein darf.

    Silvretta Classic 2013.

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