Architektur.

Das Mercedes-Benz Museum verknüpft eine elegante Erscheinung mit einer einzigartigen Struktur auf Basis einer Doppelhelix. Alles an dieser Architektur ist im Fluss: Es gibt weder geschlossene Räume noch gerade Wände. Ohne Stützen spannen sich 33 Meter weite Decken, und keine der 1.800 dreieckigen Fensterscheiben gleicht der anderen.

An der Gestalt des Museums haben drei Büros entscheidenden Anteil: Das UNStudio von Ben van Berkel und Caroline Bos gab dem Gebäude sein aufregendes Äußeres. HG Merz entwickelte in enger Zusammenarbeit mit der damaligen DaimlerChrysler AG die Konzeption von der Ausschreibung bis zur detaillierten Planung der Museumspräsentation. Die ehemalige DaimlerChrysler Immobilien GmbH zeichnete als Generalübernehmer für den Bau verantwortlich.

UNStudio entwarf als erste Ideenskizze eine scheinbar einfache, geometrische Figur, die aus drei endlos in sich selbst zurückkehrenden Schlaufen besteht. Die Wege verschlingen sich auf neun Ebenen entlang einer Zeitachse von der Erfindung des Automobils bis in die Gegenwart im Foyer, wo der Besucher darüber hinaus einen Blick in die Zukunft des Automobils werfen kann.

Das Museum bildet, vor den Toren des Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim gelegen, ein Scharnier zwischen Werksanlagen und Mercedes-Benz Niederlassung: Als vertikales Zeichen erhebt sich der Bau auf einem sechs Meter hohen Hügel, der das Areal aus seiner Umgebung emporhebt und zugleich durch seine runden Formen mit den Lagen und Kurven des Neckartals korrespondiert. Der Bau funktioniert als Portal: Wer von der Bundesstraße B 14 ins Neckartal einbiegt, erlebt den Bau als Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg in die Stadt. Diese topografischen Bedingungen machte Ben van Berkel zum Ausgangspunkt seiner Planung. Der Autofahrer sollte das Gefühl haben, vom Museum aufgefangen zu werden. Insbesondere in der Abenddämmerung vermittelt der 110.000 Tonnen wiegende Bau den Eindruck, schwerelos über dem Boden zu schweben.

Die Hülle des Museums besteht aus Materialien, die auch im Automobilbau Verwendung finden: Aluminium und Glas. Wie in sich verschlungene Bänder wirken die hell im Tageslicht glänzenden, polierten Aluminiumbleche, während die dunkler wirkenden Fensterbänder auf mysteriöse Weise ins Innere führen.

Die Außenhaut verschwimmt im Dunkel, von innen leuchtet ein geheimnisvolles Licht.

Von Anfang hat HG Merz an der Konzeption mitgearbeitet und ist verantwortlich für die Präsentation der Sammlung und der Unternehmensgeschichte im Mercedes-Benz Museum. HG Merz ist Architekt, doch seine Arbeit besteht weniger in der Planung von Neubauten: Sie lebt vielmehr vom Bezug zur Geschichte. Merz’ Spezialgebiete sind die Museumsplanung und das Bauen im Bestand. Großes Renommee erwarb sich der Architekt 1993 mit dem Umbau der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel im Zentrum Berlins.

Die Ausstellung in Form einer Doppelhelix zeigt über 125 Jahre Markengeschichte. Darin liegen die Erbanlagen für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung, und dies vermittelt das Mercedes-Benz Museum dem Besucher bereits in seiner architektonischen Gestalt: Den untrennbaren Zusammenhang zwischen Tradition und Innovation. Ihren Höhepunkt und eine letzte Beschleunigung erfährt die Zeitreise im letzten Mythosraum, der beide Rundgänge abschließt und in die Gegenwart zurückführt. Dutzende Rennfahrzeuge machen dort den Mythos Mercedes-Benz in Reinkultur erlebbar. Eine Steilkurve greift die komplexe Geometrie des Gebäudes auf und erinnert zugleich an traditionsreiche Rennstrecken.

Im Mercedes-Benz Museum gibt es kaum rechte Winkel. Fast alle Wände und Decken, Rampen und Stützen sind gewölbt oder in sich gedreht und gehen in sanften, fließenden Formen ineinander über. Es gibt keine starre Aufteilung in Etagen, die Mythosräume sind fast doppelt so hoch wie die Collectionsräume, und zwischen beiden besteht ein Niveauunterschied von mehr als einem Meter.

Es ist nicht einmal möglich, streng zwischen horizontalen und vertikalen Flächen zu trennen: Die so genannten Twists, zweifach gekrümmte Bauteile, sind die spektakulärste Innovation des Gebäudes. Sie wachsen als senkrechte Wand aus den Aufzugskernen heraus und schrauben sich dann, an den nächsten Schacht angelehnt, in leichtem Bogen nach außen.

Hinter den Fensterbändern der Fassade nehmen sie schließlich eine flache Treppe auf, die einen Collectionsraum mit dem nächsten verbindet. Diese Geometrie setzt sich fort in den Rampen, die entlang der Außenwand des Gebäudes die Mythosräume verbinden. Diese Rampen ruhen ihrerseits wiederum auf schräg gestellten Pfeilern, die ihre statische Funktion auf raffinierte Weise erfüllen und zugleich die großzügige Fensterfläche der Collectionsräume optisch strukturieren. Die Pfeiler selbst wachsen von einem dreieckigen Grundriss allmählich in ein Sechseck und schließlich in ein gegenläufiges Dreieck hinein.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen sprechen für die einzigartige Architektur des Mercedes-Benz Museums. Zuletzt gewann das Museum den Hugo-Häring-Preis 2009 für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg.

Immer freitags bietet das Mercedes-Benz Museum Architekturführungen an. Information und Anmeldung im Mercedes-Benz Classic Kontakt Center unter Tel. +49 711-17 30 000 oder classic@daimler.com

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Das Mercedes-Benz Museum kann die fast 130-jährige Geschichte der Automobilindustrie vom ersten Tag an lückenlos darstellen. Auf neun Ebenen mit 16.500 Quadratmetern Fläche sind 160 Fahrzeuge und insgesamt mehr als 1.500 Exponate zu sehen.

Öffnungszeiten.

Di bis So von 9 bis 18 Uhr

Kassenschluss 17 Uhr

Montags geschlossen

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