Benz 18 PS Doppelphaeton.

  • Mythos 2: Benz 18 PS Doppelphaeton.

  • Benz 18 PS Doppelphaeton.

    Der Benz 18 PS ist das Nachfolgemodell des Benz „Parsifal“ 16/20 PS von 1903. Die „Parsifal“-Modellreihe war die Antwort von Benz & Cie. auf die Erfolge der Mercedes-Modelle aus Cannstatt, an deren moderneren Formen sie sich orientiert. Die neue Generation Benz-Fahrzeuge löst die alten, hochbeinigen Modelle ab.

    • Zylinder 4
    • Hubraum 3160 cm³
    • Leistung 18 PS (13 kW)
    • bei Drehzahl 1400/min
    • Höchstgeschwindigkeit 60 km/h

    Dann wird das Ruder herumgerissen.

    Als 1905 dieser Benz 18 PS auf den Markt kommt, hat die Firma Benz vier dramatische Jahre hinter sich. Gegenüber den schnellen Mercedes-Wagen wirkten die hochbeinigen Benz-Karossen plötzlich veraltet. Während die Daimler-Motoren-Gesellschaft seit 1900 wächst und wächst, bricht die Firma Benz & Cie. völlig ein. Der Absatz sinkt um zwei Drittel, hohe Verluste werden geschrieben. Dann wird das Ruder herumgerissen: In wenigen Monaten wird 1902 ein vollständig neues Modell entwickelt und unter dem vielversprechenden Namen Parsifal lanciert. Der Parsifal enthält viele Neuerungen, findet aber nicht genügend Käufer. Beharrlich kämpfen sich die Benz-Konstrukteure weiter nach vorn. 1905 hat man den Anschluss wieder gefunden. Stolz nennt man den Wagen jetzt nicht mehr Benz-Parsifal sondern schlicht Benz.

     

    Um 1900 fehlt nicht viel, und der Erfolg der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit ihrem Mercedes hätte ausgerechnet den späteren Partner Benz ruiniert. Die Mannheimer stehen unter Schock. Bis Julius Ganß, Verkaufschef bei Benz, in die Offensive geht: Gegen den Willen von Karl Benz engagiert er eine Gruppe von renommierten französischen Konstrukteuren unter der Leitung von Marius Barbarou, und setzt so die hauseigene Konstruktionsabteilung unter Druck. Im Oktober 1902 wird ein neues Modell, der Parsifal, auf der Motorwagen-Ausstellung in Hamburg vorgestellt und danach laufend verbessert – ohne Hilfe der Franzosen, die schon 1903 wieder entlassen werden. Schon der erste Parsifal, der Vorgänger des hier gezeigten Benz 18 PS, lehnt sich mit einem Frontmotor, einem langen Radstand und einem niedrigen Schwerpunkt an das Mercedes-Konstruktionsprinzip an und leitet die Abkehr vom Heckmotor auch bei Benz& Cie. ein.

    Zeit seines Lebens wettert Karl Benz gegen Autorennen, gegen die „neuerdings hervortretende Sucht, sich bei Wettfahrten in immer größeren Schnelligkeiten zu überbieten“, gegen das „geschwindigkeitssüchtige Frankreich“ und das „geschwindigkeitstolle Amerika“. Erst als der Firmengründer 1903 aus dem Vorstand ausscheidet, beginnt die Firma Benz mit dem Bau von leistungsstarken Wagen. Gegen den Ruhm der Mercedes-Renn- und Sportwagen kommt sie damit nicht an. Dafür hat sie einen prominenten Kunden, der ihr die Treue hält: Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Deutschen Kaisers. Während der Kaiser ein Mercedes-Liebhaber ist, schwört der Prinz auf Benz. Als der Prinz 1908 mit den „Prinz-Heinrich-Fahrten“ eine Zuverlässigkeitsfahrt ins Leben ruft, setzt die Firma Benz alles daran, ihren angesehenen Kunden nicht zu enttäuschen - mit Erfolg: Der Benz Spezial-Tourenwagen gewinnt das Rennen über 2201 Kilometer.

    Autofahren war früher eine gefährliche Sache. Weil die Straßen noch nicht geteert waren, bildeten sich leicht tiefe Löcher, in denen die Räder oder sogar die Achsen brechen konnten. Wenn es regnete, verwandelten sich die Landstraßen in tiefen Schlamm, in dem die Autos versanken. Natürlich wollte sich trotzdem niemand vom Fahren abhalten lassen, weder tags noch nachts. Aber Achtung: Wenn ein Autofahrer mit diesem Benz durch die Nacht fahren wollte, musste er unbedingt daran denken, genug Petroleum in die Behälter seiner Scheinwerfer zu füllen und den Docht nach oben zu drehen! Sonst ging ihm mitten auf der Strecke das Licht aus.

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