Benz 20/35 PS Landaulet.

  • Mythos 2: Benz 20/35 PS Landaulet.

  • Benz 20/35 PS Landaulet.

    Die Typenbezeichnung 20/35 PS stellt der eigentlichen Motorleistung – wie von 1909 an üblich – die sogenannten „Steuer-PS“ voran. Diese geben die hubraum-abhängige Steuerklasse an. Ein deutsches „Steuer-PS“ entspricht 262 cm³ Hubraum. Die Karosseriebezeichnung „Landaulet“ verweist auf ein Faltverdeck über den Rücksitzen.

    • Zylinder 4
    • Hubraum 4850 cm³
    • Leistung 35 PS (26 kW)
    • bei Drehzahl 1400/min
    • Höchstgeschwindigkeit 75 km/h

    Ausstattung exquisit.

    Dieser Benz aus dem Jahr 1909 liegt mit 35 PS in punkto Leistung eher im Mittelfeld. Dafür ist seine Ausstattung exquisit: Messing-Seitenspiegel, vergrößerte Rückfenster, abnehmbare Felgen, Messing-Türgriffe, Messing-Lichter, geschwungene Hupen, eine Gepäckgalerie auf dem Dach und das Benz-Logo auf den Radkappen zeigen so nützliches wie markenbewusstes Design. Nach wie vor ist die Karosserie aus Holz – die Schreiner verdienen gut am Wagenbau – und wie üblich wird das Modell in verschiedenen Karosserievarianten angeboten: Als Phaeton oder offener Tourenwagen, als geschlossene Limousine und wie hier als Landaulet. Das Wort stammt aus dem Kutschenbau und bezeichnet einen Wagen mit einem faltbaren Verdeck über der hinteren Sitzbank. Bei Regen schließen die Herrschaften hinten das Dach und sitzen wohlbehütet auf feinem Tuch, während vorn der Chauffeur auf wetterfestem Leder bei Wind und Wetter ausharren muss.

     

    Der Benz 20/35 PS wird mit zwei Varianten der Kraftübertragung angeboten: Dem traditionellen Kettenantrieb, der vor allem noch für leistungsstärkere Modelle verwendet wird, und einer Kardanwelle, wie sie heute noch üblich ist. Auch bei den Extras gibt es jede Menge Auswahl. Der Benz-Katalog offeriert unter dem Titel “Mehrpreise für Zubehörteile” ein amerikanisches Verdeck aus Segeltuch für 500 Mark, einen Seitenkoffer aus Leder für 100 Mark, einen elektrischen Zigarrenanzünder für 20 Mark oder einen Fußwärmer mittels Warmwasserleitung für 90 Mark. Selbst der Fahrlehrer findet sich im Katalog: „Zur Erlernung der Lenkung und Behandlung unserer Motorwagen stellen wir unseren verehrten Abnehmern im Inland einen Instrukteur auf einige Tage zur Verfügung; demselben ist die Eisenbahnfahrt (Schnellzug 3. bzw. 2. Klasse) hin und zurück und 10 Mark für den Tag zu vergüten.“

    Die am 1. Juli 1906 eingeführten Luxussteuern zur Aufrüstung der deutschen Kriegsmarine betreffen auch das Automobil. Sie haben heftigen Protest zur Folge. „Nur sportfeindliche Kreise haben die Autosteuer in Deutschland geschaffen. Nun wird uns kein Ausländer mehr mit seinem Wagen besuchen, denn der Aufenthalt von nur fünf Tagen kostet ihn bei uns 15 Mark Kraftwagensteuer. Hinzu kommen überall Chausseegelder, Pflasterzölle, Steinbahngelder, Warnungstafeln gegen Automobile, unvernünftige Landratserlasse, einseitige Gerichtsurteile und Autofallen“ wettert Prinz Heinrich von Preußen - umsonst: Die aus dem Hubraum berechnete Steuer bleibt bestehen. Ein so genanntes Steuer-PS entspricht 262 Kubikzentimetern. Von 1909 an bestehen die Typenbezeichnungen der Automobile aus zwei Zahlen, wobei die erste Zahl die Steuer-PS, die zweite die tatsächliche Motorleistung anzeigt. Neues Ziel der Automobilhersteller ist es folglich, die erste Zahl so klein wie möglich zu halten und dabei die zweite so hoch wie möglich zu steigern.

    Mit der Zeit wurde der Straßenverkehr aus Kutschen, Straßenbahnen, Fuhrwerken und Autos immer dichter. Es gab immer mehr Unfälle. Also musste man über die Sicherheit beim Autofahren nachdenken. Da machte die Firma Benz ihren Kunden ein praktisches Angebot: Sie stellte den Käufern einen Fahrlehrer zu Verfügung. Für 10 Mark pro Tag - heute etwa 50 Euro - brachten diese „Instrukteure“, wie man sie nannte, den stolzen neuen Besitzern und ihren Chauffeuren bei, ein Automobil zu lenken und zu reparieren. Diese „Instrukteure“ der Autofirmen waren die ersten Fahrlehrer.

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