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  • Cars & Coffee.
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    Cars & Coffee.

    Die automobile Leichtigkeit des Seins.

Frisch zubereiteter, dampfender Kaffee.

Da lugt sie doch hinter den Wolken hervor: die Sonne. Sie war an diesem 13. August bisher recht sparsam mit Strahlen und Wärme. Viele Fans von „Cars & Coffee“ hat das nicht gejuckt. Sie sind mit ihren Fahrzeugen gekommen, und schon jetzt, am frühen Vormittag, bietet der Hügel des Mercedes-Benz Museums wie an fast jedem Sommersonntag eine im Wortsinn ansehnliche Fahrzeugfülle. Autos aller Herkunft und jeglichen Alters glänzen nun um die Wette, während ihre Besitzer gleich nebenan die Sonnenschirme und das Ambiente der ALL TIME STARS Lounge genießen. Und frisch zubereiteten, dampfenden Kaffee – oder etwas anderes aus dem Speisen- und Getränkeangebot.


Tummelplatz für Fahrzeuge und Fans: „Cars & Coffee“ am Mercedes-Benz Museum.


Entspannte Atmosphäre, tolle Gespräche: Fans und Flaneure inmitten der Fahrzeuge.


Noch bis 10. September 2017.

Über dem Gelände liegt eine große Lässigkeit. Ein schönes Auto und dazu ein Heißgetränk – diese Kombination empfindet mancher Klassiker-Besitzer bereits als großes Glück. Welches sich steigern lässt, wenn man Gleichgesinnte trifft. Das ist Cars & Coffee: (Fast) jeden Sommersonntag und noch bis 10. September 2017 versammelt die Veranstaltung des Mercedes-Benz Museums Fans und Fahrzeuge. Vollkommen ungezwungen, ohne Formalitäten und Anmeldung, jede Marke ist willkommen, und man kann ankommen und wegfahren, wann man will. „Das Museum ist die großartige Kulisse, und der Stern heißt alle willkommen“, sagt Marcel Hänsch vom Museumsteam, der das Treffen regelmäßig betreut.


Gewinnspiel 2017.

Jeder rollt in dieser Saison durch den aufblasbaren Torbogen des Mercedes-Benz Museums. Ein Foto von der Museumsfotografin, sie überreicht eine Karte mit dem Link https://www.flickr.com/photos/mb_museum/albums zu allen Aufnahmen und ein Lächeln dazu.


„Vielleicht gewinnen Sie ja, am Ende der Saison losen wir aus allen Teilnehmern dieses Jahres aus.“ Gewonnen hat jeder schon jetzt – nämlich einen angenehmen und entspannten Sonntagvormittag unter Gleichgesinnten.


Volkswagen 1500 (Typ 3) neben einem 280 CE: „Ich wollte kein typisches Mädchenauto“, sagt die Besitzerin.


1 Familie, 2 Autos, 4 Personen.

Ein charakteristisches Motorgeräusch dringt von hinten heran. Klingt ganz nach „Käfer“. Umdrehen: Falsch – ein beiger Volkswagen 1500 (Typ 3) aus den 1960er-Jahren parkt ein. „Ich wollte kein typisches Mädchenauto haben“, sagt Susanne Barz, die das Schmuckstück ihr Eigen nennt, „genau dieses Modell sollte es sein.“ Derweil hebt Ehemann Philip die beide Söhne Jakob und Bruno aus einem Mercedes-Benz 280 CE, mit dem er gekommen ist. „Den haben wir gekauft, weil er Dreipunktgurte hat, so dass wir die Kindersitze mitnehmen können.“ Die junge Familie aus dem Kreis Göppingen ist nicht das erste Mal hier. „Das ist eine tolle Veranstaltung. Wir mögen diese zwanglose Atmosphäre.“


Ehemaliges Versuchsfahrzeug.

Wohin man bei Cars & Coffee auch schaut, das Herz geht auf. Ein „Sechzehnventiler“ der Baureihe W 201? Da steht er in der Sonne, und zwar das erste Modell. „Stimmt nicht ganz“, sagt Ulrich Gönnenwein aus Heilbronn, öffnet die Haube und deutet auf den Zylinderkopfdeckel mit einer prangenden „2.5“. „Das ist ein ehemaliges Versuchsfahrzeug. Es hat schon den stärkeren 2,5-Liter-Motor des ‚Evolution’. Aber äußerlich ist es ein 190 E 2.3-16.“ Gönnenwein erledigt an dem seltenen Exemplar alle Wartungsarbeiten selbst – und fordert die „vermutlich 220 Pferdestärken“ durchaus auch auf einer schnellen Nürburgring-Runde ab.

Im Gewand des Mercedes-Benz 190 E 2.3-16: Ehemaliges Erprobungsfahrzeug schon mit 2,5-Liter-Motor.

„Des isch a Pullmann“: Stimmt, ein Mercedes-Benz 600 Pullman, Baujahr 1965.


Auch der Öffentlichkeit gefällt’s.

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen vor dem Mercedes-Benz Museum. Ein 280 SE 3.5 Cabriolet fährt weg – sofort wird der Parkplatz von einem 300 SL Roadster besetzt. Viele Fahrzeuge tragen natürlich den Stern, aber längst nicht alle. Der Öffentlichkeit gefällt der Mix offensichtlich, denn mancher Museumsbesucher schlendert, bevor er das imposante Gebäude betritt, zwischen den Privatexponaten umher. Für einige Fahrradfahrer ist Cars & Coffee Etappenziel und willkommene Pause zugleich. „Des isch a Pullman“, meint unverkennbar ein Schwabe und bewundert die schwarze lange Staatslimousine vom Typ 600 Pullman aus dem Jahr 1965 schräg gegenüber vom Museumseingang.


Ein buntes Fahrzeugaufgebot.

Das älteste Auto dürfte der wenige Plätze unterhalb parkende Jaguar S.S. 100 sein. „1930er-Jahre, nicht wahr?“ Und schon wieder daneben getippt. Gotthold Müller aus Backnang kann seine fröhliche Schadenfreude nicht verbergen. „Es ist ein Nachbau, und dazu stehe ich“, sagt er. „Er wurde 1966 mit Jaguar-Technik gefertigt. Für das Original müsste ich mein Häusle verkaufen.“


Stimmt, in den 1960er-Jahren gab es diese Neuauflage – die damit selbst schon ein Klassiker ist. Cars & Coffee ist eben eine bunte Veranstaltung. Die auch Uwe Müller, der heute mit dem Vater im S.S. 100 gekommen ist, schon ein paar Mal mit seinem eigenen roten Maserati 3500 GT Coupé bereichert hat.


Im besonderen Interesse der jungen Dame: Blumenschmuck am Mercedes-Benz 280 SE 3.5.


Der perfekte Sonntagmorgen.

„Diese Veranstaltung gefällt uns total gut“, sagt Gotthold Müller. „Du kommst mit deinem Auto hierher, genießt die Zeit, sprichst mit netten Leuten – da hat man den Sonntag doch schon gut in der Tasche, oder?“ Diese Lockerheit und das Markenoffene, man hört es aus allen Gesprächen heraus, kommt sehr gut an. Man habe doch das gleiche Hobby, meint ein Teilnehmer, nur eben mit Fahrzeugen unterschiedlicher Marken. Und da man sich nicht anmelden müsse, könne man auch ganz spontan oder auch nur kurz kommen. Hauptsache, man war da.


150 bis 200 Fahrzeuge.

Markenoffen ist Cars & Coffee seit rund zwei Jahren. Davor war der Treff ausschließlich den Stern-Fahrzeugen vorbehalten. „Seitdem wurde der Museumshügel mit jedem Sonntag voller“, berichtet Marcel Hänsch rückblickend. „Mittlerweile sind es 150 bis 200 Fahrzeuge, die über den Tag verteilt da sind und dem großen Museum ein zusätzliches rollendes Museum bescheren. Zwischen 10:30 und 13:30 Uhr sind die meisten da.“ Viele kommen aus dem Umland, darunter auch ausgesuchte Raritäten wie ein Sportwagen der französischen Marke Facel Vega, aber einige reisen auch von weiter weg an.

Seltenes Stück, ganz rechts: Facel Vega HK 500.

Bestes Plauder-Ambiente: ALL TIME STARS Sommerlounge am Mercedes-Benz Museum.


Angeregte Gespräche in lässiger Atmosphäre.

Ideal ist natürlich die ALL TIME STARS Sommerlounge, die eine adäquate Bewirtung direkt neben den Fahrzeugen bietet. Das Angebot wird sehr gern angenommen: Die bequemen Lounge-Möbel sind größtenteils von Fahrzeugfans in angeregten Gesprächen besetzt. Hauptsächlich geht es um die mitgebrachten Autos – aber nicht nur. Manche haben sich hier schon öfter getroffen oder sind ohnehin in der Kleingruppe mit mehreren Mobilen gekommen.


Auch willkommen: Motorräder.

Was Erich Wagner aus Weil der Stadt von seinem Motorrad auch berichten kann, eine rote BMW R 80 G/S aus dem Jahr 1987, das Modell mit der charakteristischen Einarm-Hinterradschwinge. „Ich habe es seit fast 30 Jahren, der Zustand ist absolut original“, erzählt er. „90.000 Kilometer stehen auf dem Tacho – nicht unbedingt viel für das Alter.“


Heute befinden sich nur zwei Motorräder inmitten der Autos, das andere ist ebenfalls eine Kult-Enduro, eine Yamaha XT 500. „Komm, wir schauen uns mal um“, sagt Wagner zu seiner Partnerin Michaela Adams. Die beiden flanieren los und genießen dieses Sonntagsglück.