Daimler Einzylindermotor „Standuhr“.

  • Mythos 1: Daimler Einzylindermotor Standuhr.

  • Daimler Einzylindermotor „Standuhr“.

    Daimlers „Standuhr“ ist der weltweit erste kleine schnelllaufende Verbrennungsmotor, der mit Benzin betrieben wird. Er ist leicht und trotzdem stark genug, um ein Fahrzeug antreiben zu können. Seinen Beinamen erhält der Motor, weil er einer Standuhr ähnelt. 1885 wurde er zum Patent angemeldet. Das ausgestellte Exemplar ist eine leistungsstärkere Variante aus dem Jahr 1886.

    • Zylinder 1
    • Hubraum 462 cm³
    • Leistung 1,1 PS (0,8 kW)
    • bei Drehzahl 650/min
    • Gewicht 92 kg

    Daimler Einzylindermotor „Standuhr“.

    Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach konstruieren diesen ersten kompakten Viertakt-Benzin-Motor der Welt – unter größter Geheimhaltung 1884 in Daimlers Gewächshaus in Cannstatt. Ein neuartiges, geschlossenes Kurbelgehäuse für Kurbeltrieb und Schwungrad verhindert das Eindringen von Staub und Schmutz in die Mechanik. Mit rund 1 PS ist dieser Motor überraschend stark und vor allem ist er so leicht und so klein, dass er in jedes Fahrzeug eingebaut werden kann. Er ist der Schlüssel zu Daimlers Vision einer Motorisierung „zu Wasser, zu Lande und in der Luft“. Seine Form erinnert an eine Pendeluhr und so taufen die beiden Erfinder ihn liebevoll die „Standuhr“ – wohl ahnend, dass diese „Standuhr“ bald ein neues Zeitalter einläuten wird.

     

    Mit der Standuhr konstruieren Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler den ersten Benzin-Motor, der kompakt genug ist, um als Fahrzeugantrieb zu dienen. Die Konstruktion dieses Motors, der 1885 zum Patent angemeldet wird, kostet sie jahrelange Entwicklungsarbeit an zwei völlig neuen Technologien: Einem Zündsystem, das ohne mechanische Teile auskommt und noch nie erreichte Drehzahlen zulässt. Und an der Verwendung eines neuen, leicht verfügbaren Treibstoffs, Benzin. Mit beiden Ansätzen betreten Daimler und Maybach technisches Neuland: Ihre Glührohr-Zündung, die mit einem dauerhaft erhitzten, glühenden Röhrchen arbeitet, an dem sich das Benzin-Gas-Gemisch unter Druck selbst entzündet, nimmt die Zündkerze vorweg. Und der von Maybach erfundene Schwimmervergaser, der die Oberflächenverdunstung des Benzins zur Herstellung eines Benzin-Luft-Gemischs nutzt, tut gute Dienste, bis er 1893 vom Spritzdüsenvergaser abgelöst wird, der – ebenfalls eine Maybach-Erfindung – für viele Jahrzehnte im Motorenbau Anwendung findet.

    Man muss diesen Motor, den Gottlieb Daimler 1885 als ersten kompakten Benzinmotor der Welt patentieren ließ, mit den Augen der damaligen Zeit betrachten: Die knatternde Maschine, die Fahrzeuge wie von Geisterhand bewegt, verunsichert die Menschen. 'Von der großen Zukunft der Explosionsmotoren hatte um diese Zeit die Welt noch keine Ahnung. Im Gegenteil! Je sachverständiger und klüger die Leute waren, desto geringschätziger sahen sie herab auf die Gasmaschinen', erinnert sich Karl Benz. Die Angst vor der Explosionsgefahr des Benzins ist weit verbreitet. Deshalb befestigt Gottlieb Daimler am ersten Benzin-Motorboot der Welt bei Versuchsfahrten auf dem Neckar allerlei Porzellanisolatoren und Drähte. Neugierigen gegenüber behauptet er scherzhaft, das Boot laufe „oel-Lektrisch“.

    Niemand konnte so kleine und so leichte Motoren bauen wie der geniale Konstrukteur Wilhelm Maybach. Dieser Motor war so klein, dass er unter dem Sattel eines hölzernen Laufrads eingebaut werden konnte, das ein bisschen aussah wie ein Fahrrad. Man nannte es den „Reitwagen“, weil der Fahrer auf dem Sattel saß wie auf einem Pferd. Die ersten Testfahrten mit diesem „Reitwagen“ - es war eigentlich das erste Motorrad der Welt - unternahm Adolf, der vierzehnjährige Sohn Gottlieb Daimlers. Auf der drei Kilometer langen Strecke zwischen Cannstatt und Untertürkheim erreichte er eine Geschwindigkeit von 12 Kilometer in der Stunde. Allerdings wurde der Sattel über dem Motor sehr, sehr heiß und die ungefederten Räder aus Eisen und Holz sorgten dafür, dass der junge Mann ziemlich durchgerüttelt wurde.

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