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  • Die Kraft der Liebe: Rea Garvey.
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    Die Kraft der Liebe: Rea Garvey.

Die „Grüne Insel“ zu Gast.

Irisches Wetter. Passend zu diesem Abend. Der Wind pustet die Wolken in immer neuer spannender Formation über den Himmel, ab und zu sprüht ein wenig Regen, und in der nächsten Minute ist alles wieder anders. Die „Grüne Insel“ ist am Samstag, 1. Juli, auch musikalisch präsent in Stuttgart: Rea Garvey wird vor der eindrucksvollen Kulisse des Mercedes-Benz Museums auftreten. Entspannte Atmosphäre im Publikum, manch einer summt einen der großen Hits des Sängers mit irischen Wurzeln. Schnell noch einen Drink holen, bevor es losgeht.


Druck- und eindrucksvoller Auftakt.

Das tut es zunächst mit Ryan Sheridan und Ronan Nolan, beide ebenfalls aus Irland. Und zwar druck- und eindrucksvoll – die beiden heizen mit Akustikgitarre und Schlagzeug binnen Minuten dem Publikum ein. Ryan schlägt aus den Saiten alles heraus, was geht. Ronan bearbeitet die Drums ebenfalls mit unbändiger Energie. Musikalischer Leistungssport, den erlebt man selten. Das Duo gibt alles, seine Energie fliegt ins Publikum hinein. Jubel- und Bewunderungsstürme und starker Applaus fliegen zurück auf die Bühne. Pralle Takte bis zuletzt: Der weitere Abend kann kommen.


Kabuki-Entertainment.

Für ein fröhliches Zwischenspiel sorgt erst einmal der Wind. Ein schwarzes Kabuki soll die Bühne verdecken, ein temporärer Bühnenvorhang, damit die Roadies dahinter in Ruhe die letzten Vorbereitungen für den Haupt-Act treffen können. Das seidenweiche Kabuki will liebend gern so niederhängen wie es soll. Doch das kräftige Naturgebläse pustet es lustig beiseite und vereitelt jegliche verborgene Aktion. Alle freuen sich, bis es heißt: Weg mit dem Kabuki!


Folge deinem Herzen.

Die noch menschenleere Bühne ist ja auch sehr hübsch anzusehen. Doch leer bleibt sie nicht lange. Denn schon besetzt die Band die Instrumente und beginnt mit einer klangstarken Einstimmung, zu der eine ferne, aber deutliche Stimme spricht. Ihre Hauptbotschaft wird die programmatische Zusammenfassung für den Abend sein: „You cannot get away from your heart.“ Nicht, das irgendjemand aus dem Publikum erkennbar seinem Herzen entfliehen möchte. Genau das Gegenteil dürfte der Fall sein, sonst wäre man ja nicht beim Mercedes-Benz Konzertsommer und genau diesem Event. Aber eine Verstärkung der Herzensenergie, warum nicht?


Das Wetter ausgetrickst.

Und dann ist er da: Rea Garvey. Mit „Wild Love“ und „Sorry Days“ legt er los, gefolgt von „Armour“, seiner Hymne für die Gleichheit der Menschen: „I’ve got no armour on my heart. So fire away.“ Das Publikum feuert längst aus allen Rohren mit, es tanzt und klatscht und singt. Nach wie vor bläst der Wind, nach wie vor fällt es ab und zu ein bisschen feucht vom Himmel. Doch „Candlelight“, eine weitere Nummer des Musikers mit seiner enormen Bühnenpräsenz, vermag das zu beenden: Kerzenlicht in Form von warmtönender Musik setzt sich gegen diese Wettermächte durch. Sie werden sich tatsächlich bis zum Konzertende zurückziehen.


Tour durchs Publikum.

Ein großer Hit jagt den anderen. „Colour me in“, „Can’t say no“, “Can’t stand the Silence”, „Supergirl“ und noch viele mehr: Die Fans sind reichhaltig beschenkt. Zwischendurch gönnt Rea Garvey an der Akustikgitarre mit dem irischen Traditional „Black is the Colour“ der Band eine kleine Pause. Eine Pause für ihn selbst? Mitnichten. Doch was hat er gerade gesagt? „Ich muss kurz etwas holen.“ Stimmt das nächste Lied an und verschwindet singend mit dem Funkmikrofon hinter der Bühne – und kommt im Publikum wieder zum Vorschein und begibt sich auf eine Runde mitten hindurch. Hände strecken sich ihm entgegen, starke Arme heben ihn gar über die Menschenmasse empor. Garvey überreicht seine starke Botschaft auf direktestem Weg: „Love someone“.


Applausstürme bis zum Schluss.

Die Fans haben nicht erst jetzt verstanden. Nicht diese hier, die wegen Rea Garvey gekommen sind, von fern und nah. Von Musik getragen geben sie zurück, was sie ihm an diesem Abend nur zurückgeben können: Applaus brandet auf, wo es nur geht, dazu Freudenrufe und wogende Begleitchöre. Das Stimmungsbarometer ist am Anschlag. Kann das ein Ende haben? Es muss, leider. „Oh my love“ will einen ersten Schlusspunkt setzen, doch nein, dazu kommt es nicht, denn die Masse lässt Garvey einfach nicht ziehen: Sie hält am Song fest und legt den Refrain noch einmal nach, so dass die Band mit sichtlichem Spaß wieder einsteigen muss.


Sie revanchiert sich mit drei Zugaben, die letzte ist „End of the show“. Letzte Lichteffekte, letzte Akkorde und ein letzter, aber fast nicht enden wollender Applaus: Was für ein toller Auftritt inmitten des Mercedes-Benz Konzertsommers. Ein beseeltes Publikum geht vom Festivalgelände. „Gigantisch war’s“, sagt Ute, die mit ihrem Mann Erich aus Balingen angereist war. Der ergänzt: „Es hätte besser nicht sein können. Wir würden sofort wieder kommen.“ Auch Ruth aus Stuttgart ist vollkommen begeistert. „Das war ein super Konzert!“ Was ihr am besten gefallen habe? „Rea Garvey als Typ. Unglaublich, wie er die Stimmung herüber bringt.“