Mercedes 10/40 PS Sport-Zweisitzer.

  • Mythos 3: Mercedes 10/40 PS Sport-Zweisitzer.

  • Mercedes 10/40 PS Sport-Zweisitzer.

    Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt die Daimler-Motoren-Gesellschaft mit dem Mercedes 10/40 PS und dem Schwestermodell 6/25 PS wieder neue Pkw. Als erste Personenwagen der Welt sind sie serienmäßig mit Kompressormotoren ausgestattet. Der Kompressor, der 1923 noch „Gebläse“ heißt, versorgt den kleinvolumigen Motor mit mehr Luft und steigert dessen Leistung kurzzeitig von 40 PS (29 kW) auf 65 PS (48 kW).

    • Zylinder 4
    • Hubraum 2614 cm³
    • Leistung 40 PS (29 kW)
    • mit Kompressor 65 PS (48 kW)
    • bei Drehzahl 2800/min
    • Höchstgeschwindigkeit 110 km/h
    • Produktionszeitraum 1923-1924
    • Produzierte Stückzahl 851

    Die ersten neuentwickelten Personenwagen.

    Auf der Berliner Automobilausstellung 1921 werden die Mercedes-Modelle 10/35 PS und 6/20 PS präsentiert, die ersten neuentwickelten Personenwagen, die die Daimler-Motoren-Gesellschaft nach dem Krieg auf den Markt bringt. Beide machen sofort Furore, denn sie enthalten eine technische Sensation: Sie sind die ersten Serien-Personenwagen mit Kompressormotor. Den Kompressor, damals noch “Gebläse” genannt, hatte die Daimler-Motoren-Gesellschaft im Ersten Weltkrieg entwickelt worden, um das Benzin-Luft-Gemisch in Flugmotoren zu komprimieren und die Leistung auch in großen Höhen konstant zu halten. Nun wendet Paul Daimler, Sohn des Firmengründers und Chef-Konstrukteur, dieses Prinzip mit Erfolg auch bei Personen- und Rennwagen an. Die beiden ersten Kompressorwagen kommen 1923 in einer nochmals verbesserten Version als Mercedes 10/40 PS und als 6/25 PS auf den Markt. Sie bilden den Anfang einer Reihe von leistungsstarken Mercedes-Wagen, deren lautes Röhren dem ganzen Jahrzehnt seinen Namen gibt: Die Roaring Twenties.

     

    Als erste Mercedes-Neuentwicklung nach dem Krieg schockiert der Typ 10/40 PS die Konkurrenz. Sein aufwändiger Hochleistungs-Vierzylindermotor kann die Herkunft aus dem Flugmotorenbau nicht verleugnen: Einzelzylinder aus Stahl, die von aufgeschweißten Kühlmänteln aus Stahlblech ummantelt und zu einem Block zusammengefasst sind; hängende v-förmige Ventile, eine oben liegende Nockenwelle, die von einer Königswelle angetrieben wird, und als Kompressor ein modernes Roots-Gebläse. Die Fach-Presse rühmt die Leistungsfähigkeit dieses Kompressormotors als Mercedes-Wunder. Die immensen Probleme bei der Materialbeschaffung nach dem Ersten Weltkrieg verzögern die Serienfertigung dieses Modells: Sie wird erst Ende 1922 aufgenommen und schon 1924 mit dem Erscheinen des ersten 6-Zylinder-Kompressor-Wagens wieder eingestellt.

    Als dieser Mercedes 10/40 PS im Jahre 1923 auf den Markt kommt, herrscht in Deutschland vielerorts bittere Not. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Wirtschaft ist am Boden zerstört, die Inflation setzt ein. Um sich eines der 1190 Exemplare leisten zu können, die von diesem Wagen und seinem kleineren Schwestermodell, dem Mercedes 6/25 PS hergestellt werden, muss man schon ein Industriekapitän, ein Filmstar oder ein Börsenspekulant sein. Der Normalbürger sieht diese handgefertigten Autos, die mit ihren röhrenden Kompressor-Motoren den Roaring Twenties ihren Namen geben, nur im Vorbeifahren, während er auf den Gehsteigen vor den Geschäften oder vor dem Arbeitsamt Schlange steht und davon träumt, eines Tages selbst zur Theaterpremiere oder ins Kasino fahren zu können.

    Das Lenkrad dieses Mercedes-Sportwagens sitzt – anders als heute - auf der rechten Seite. Aber warum? Schließlich ist das kein englisches Auto! Bei den allerersten Automobilen war das Lenkrad vorn, in der Mitte des Wagens. Bald nach der Erfindung des Autos wurden die Lenkräder dann rechts angebracht, weil man in Deutschland damals wie heute auf der rechten Straßenseite fuhr. Wenn der Fahrer rechts saß, konnte er also die Grenze zwischen Straße und Straßengraben besser erkennen. Das war wichtig, weil es noch keine Leitplanken oder Straßenmarkierungen gab. Aber als mit der Zeit immer mehr Autos herumfuhren, wanderte das Lenkrad nach links, wo es bis Audiotexte Neues Mercedes-Benz Museum Seite 16 von 118 heute geblieben ist. Der Grund: Es gab immer mehr Gegenverkehr - und den sieht man besser von links.

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