Mercedes 75 PS Doppelphaeton.

  • Mythos 2: Mercedes 75 PS Doppelphaeton.

  • Mercedes 75 PS Doppelphaeton.

    Der Mercedes 75 PS ist das erste Serienautomobil der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit Sechszylindermotor. Das Topmodell der Jahre 1907 bis 1911 wird in verschiedenen Karosserievarianten angeboten. Das ausgestellte Fahrzeug ist ein offener Tourenwagen (Phaeton) mit zwei Sitzreihen – eine Ausführung, die auch „Doppelphaeton“ genannt wird.

    • Zylinder 6
    • Hubraum 10180 cm3
    • Leistung 75 PS (55 kW)
    • bei Drehzahl 1300/min
    • Höchstgeschwindigkeit 95 km/h

    Erstes Serienautomobil.

    Mit dem Mercedes 75 PS präsentiert die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1906 ihr erstes Serienautomobil mit Sechszylindermotor. In den folgenden Jahren ist der 75 PS das Audiotexte Neues Mercedes-Benz Museum Seite 12 von 118 unangefochtene Topmodell der Mercedes-Modellpalette. Wie fast alle Automobile seiner Zeit wird er in verschiedenen Karosserievarianten angeboten, etwa als offener Tourenwagen, Phaeton, oder auch mit zwei Sitzreihen, also Doppelphaeton, so wie hier. Der Namensgeber dieser Karosserie ist Phaeton, der Sohn des griechischen Sonnengottes Helios. Der Mercedes 75 PS gehört auch zum Fuhrpark des Deutschen Kaisers Wilhelm II. Mit seinem leistungsstarken Motor und enormen 10 Litern Hubraum nähert sich dieser Mercedes 75 PS mehr und mehr der magischen Grenze von 100 Kilometer pro Stunde.

     

    1905/1906 konstruiert Wilhelm Maybach einen überaus modernen 6-Zylinder-Rennmotor, der mit einer neukonstruierten Hochspannungs-Magnetzündung arbeitet. Dieser 120 PS-Rennmotor beschleunigt die Rennwagen bei Versuchsfahrten auf den Rennstrecken des Semmering und der Ardennen auf sagenhafte 150 Kilometer pro Stunde. Im Gegensatz dazu wählt Maybach für den Sechszylinder-Motor dieses Serienmodells, das wenig später auf den Markt kommt, eine konventionellere Bauart. Der 6-Zylinder Motor mit seinen drei gegossenen Zylinderpaaren, seitlichen Nockenwellen und stehenden Ein- und Auslassventilen hat eine Niederspannungs- Magnetzündung, kommt aber dank der neuen Magnetkerzen mit eingebauten Abreißkontakten ohne die komplizierten Kontaktgestänge aus. Der Mercedes 75 PS ist die letzte Arbeit von Wilhelm Maybach für die Daimler-Motoren-Gesellschaft, aus der er 1907 im Streit ausscheidet.

    Der gewaltige 10-Liter-Motor dieses Mercedes 75 PS hat 39 Steuer-PS und damit eine exorbitante Automobilsteuer von 3120 Reichsmark pro Jahr zur Folge. Zum Vergleich: Ein „Kliniker“ – also ein Arzt, der in einem Krankenhaus arbeitet – verdient um diese Zeit durchschnittlich 3600 Mark im Jahr, ein Industriearbeiter in Berlin bringt es auf 1850 Mark Jahreslohn. Die Steuern für den Mercedes 75 PS kann folglich nur die oberste Oberklasse aufbringen, zum Beispiel Kaiser Wilhelm II., der seine Meinung über die „Stinkkarren“ schnell geändert hat: Zu seinem Fuhrpark gehört ein Mercedes 75 PS. Wenn er nicht Kutsche fährt, fährt seine Majestät Mercedes. Er ist damit ein wichtiger Werbeträger für die Daimler-Motoren-Gesellschaft im In- und Ausland.

    Als dieses Auto gebaut wurde, sah man immer mehr Autos in den großen Städten der Welt. In ländlichen Gegenden kam jedoch nur selten ein Auto vorbei. Viele Dorfbewohner glaubten noch lange, sie hätten einen bösen Geist vor sich oder sogar den Teufel selbst, wenn ein Automobil röhrend und in einer riesigen Staubwolke auf ihr Dorf zuraste. Hunde bellten das laute Ungetüm an und schnappten nach den Rädern, Pferde scheuten, warfen ihre Reiter ab und stürmten davon. Nicht selten griffen manche Dorfbewohner dann zu Steinen und schleuderten sie dem Fahrer entgegen oder legten Baumstämme quer über die Straße oder gingen mit Mistgabeln auf die Autofahrer los.

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