Mercedes-Benz 26/120/180 PS Typ S Tourenwagen.

  • Mythos 3: Mercedes-Benz 26/120/180 PS Typ S Tourenwagen.

  • Mercedes-Benz 26/120/180 PS Typ S Tourenwagen.

    Den Typ S wie „Sport“ konzipiert Mercedes-Benz für den Wettkampf. Der Hochleistungssportwagen gelangt auch in den Handel und begründet die Ära der S-Modellreihe. Die drei PS-Zahlen in der Typenbezeichnung verweisen auf die „Steuer-PS“, die Leistung ohne und die Leistung mit Kompressor.

    • Zylinder 6
    • Hubraum 6800 cm³
    • Leistung 120 PS (88 kW)
    • mit Kompressor 180 PS (132 kW)
    • bei Drehzahl 3000/min
    • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
    • Produktionszeitraum 1927-1928
    • Produzierte Stückzahl 146

    Erster Auftritt ist spektakulär.

    1927 konstruiert Ferdinand Porsche, damals Chefingenieur bei Mercedes-Benz, diesen Hochleistungs-Sportwagen vom Typ S. Dessen erster Auftritt ist spektakulär: Bei der Eröffnung des Nürburgrings im Juni 1927 feiern die beiden Mercedes-Benz Piloten Rudolf Caracciola und Adolf Rosenberger damit einen Doppelsieg. Caracciola erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 101,1 Kilometer pro Stunde auf der 360 Kilometer langen Strecke. Obwohl für den Rennsport entwickelt, wird der Typ S auch als exklusiver Serien- Sportwagen ausgeliefert. Der Wagen erweist sich trotz seiner enormen Leistungsfähigkeit als außerordentlich robust und zuverlässig. In der Typenbezeichnung 26/120/180 PS Typ S steht das “S” für Sport, die Zahl 26 für die Steuer-PS, die Zahl 120 für die Motor-Leistung ohne Kompressor und die Zahl 180 für die Motor-Leistung mit Kompressor.

     

    Der Vorläufer dieses Typ S ist das „Modell K“, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 145 Kilometer in der Stunde der schnellste Tourenwagen seiner Zeit. An seine Erfolge bei zahlreichen Wettbewerben wollen die Mercedes-Benz-Konstrukteure unter Ferdinand Porsche 1927 mit dem Typ “S” anknüpfen: Sie vergrößern den Hubraum des Sechszylinders mit Roots-Kompressor auf 6,8 Liter und steigern so die Leistung auf 120 PS beziehungsweise 180 PS mit Kompressor. Damit kann der Typ S in kürzester Zeit vom Schritttempo auf sagenhafte 160 km/h beschleunigen – vorausgesetzt sein Kompressor wird durch Niedertreten des Gaspedals zugeschaltet. Das Chassis des Hochleistungs- Sportwagens liegt besonders tief: Die stärker gewölbten Kröpfungen an Vorder- und Hinterachse erlauben, den Motor tiefer einzubauen. Zudem wird der Motor beim Typ S nach hinten versetzt, was eine wesentlich verbesserte Achslastverteilung ergibt. Der Typ S erfüllt die Erwartungen: Er fährt auf seinen Stahlspeichenrädern mehr Siege und Streckenrekorde ein, als jeder andere Wagen seiner Zeit.

    Im Sommer 1927 siegt Rudolf Caracciola mit einem Sportwagen des Typs S beim ersten Rennen auf dem neuen Nürburgring. Vom Bau dieser Rennstrecke erhofft man sich wirtschaftliche Impulse für die als „Armenhaus Preußens“ bekannte Eifelregion. Wo bislang nur Rehe und Jäger anzutreffen waren, wird ab 1925 in nur zwei Jahren die 28 265 Meter lange Strecke mit 89 Links- und 85 Rechtskurven aus dem Boden gestampft. Zwei- bis dreitausend Arbeiter, darunter viele Arbeitslose, finden dadurch ein Einkommen. Statt der veranschlagten vier Millionen kostet der hügelige Rundkurs schließlich 14,5 Millionen Reichsmark. Zu den Eröffnungsveranstaltungen kommen 85.000 Zuschauer. Sie erleben einen triumphalen Mercedes-Benz Doppelsieg. Jahrzehntelang gilt der Nürburgring, der von Rennfahrern auch die „Grüne Hölle“ genannt wird, als die schwierigste Grand-Prix-Strecke überhaupt.

    85 000 Zuschauer kamen am 19. Juni 1927 zum ersten Rennen auf dem neu gebauten Nürburgring. Sie erlebten, wie ein junger deutscher Rennfahrer triumphierte. Rudolf Caracciola raste mit seinem Mercedes-Benz Rennsportwagen Typ S mit großer Leichtigkeit durch die 89 Links- und 85 Rechtskurven und gewann das Rennen nach 12 Runden mit 17 Minuten Vorsprung vor dem Zweiten. In den folgenden Jahren siegte er noch weitere acht Mal auf dem Nürburgring und bekam den Spitznamen „König des Nürburgrings“ verliehen. Besonders bei Regen fuhr er allen anderen locker davon, weil ihm das spritzende Wasser der Reifen scheinbar nichts ausmachte. Manche munkelten, er habe Seehundaugen, mit denen er auch bei Regen und Sturm perfekt sehen könne. Doch damit nicht genug. Caracciola hatte anscheinend auch Adleraugen. Er gab nämlich gerne damit an, während des Rennens beim Vorbeirasen an der Tribüne immer noch einen Blick auf die hübschen Mädchen zu werfen.

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