Mercedes-Benz 300.

  • Mythos 4: Mercedes-Benz 300.

  • Mercedes-Benz 300.

    Mit dem Typ 300 präsentiert Mercedes-Benz 1951 den schnellsten und größten Serienwagen deutscher Produktion. Er steht in der Tradition des „Großen Mercedes“ und wird schnell zum wichtigsten Repräsentationsfahrzeug der jungen Bundesrepublik. Seinem prominentesten Passagier verdankt der Typ 300 den Beinamen „Adenauer“.

    • Zylinder 6
    • Hubraum 2996 cm³
    • Leistung 115 PS (85 kW)
    • bei Drehzahl 4600/min
    • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
    • Produktionszeitraum 1951-1954
    • Produzierte Stückzahl 4563

    „Typ 300“.

    Auf der ersten Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main stellt Mercedes-Benz 1951 den „Typ 300“ vor: einen über fünf Meter langen, chromglänzenden Wagen, mit einem schmalen, hohen Kühler zwischen elegant geschwungenen Kotflügeln. Der Typ 300 knüpft an die Tradition des „Großen Mercedes“ der Vorkriegszeit an und ist bei seinem Erscheinen das größte, luxuriöseste und mit 160 Kilometer pro Stunde schnellste Serienauto der jungen Bundesrepublik Deutschland. Bundespräsident Heuss, Wirtschaftsminister Erhard, die SPD-Vorsitzenden Schuhmacher und Ollenhauer lassen sich im Typ 300 chauffieren. Allen voran fährt Dr. Konrad Adenauer, Kanzler und bis 1955 Außenminister in Personalunion. Seine Auftritte im In- und Ausland sichern dem Typ 300 internationale Aufmerksamkeit und repräsentieren eindrucksvoll das wirtschaftliche wie technische Potenzial der aufstrebenden Bundesrepublik Deutschland.

     

    Der Sechszylinder Typ 300 folgt dem klassischen Fahrzeugkonzept, bestehend aus separatem Chassis und aufgesetzter Karosserie. Sein Design ist – noch – klassisch-konservativ: Separate Kotflügel, Trittbretter und ein ausgeprägt geschwungenes Heck führen die Tradition der Vorkriegszeit fort. Auch technisch ist der Typ 300 keine reine Nachkriegsentwicklung: Er basiert auf den Prototypen des Typ 260, der wegen des Kriegsausbruchs nie in Serie gegangen war. Angetrieben wird der fast 1800 Kilogramm schwere Wagen von einem neu konstruierten Sechszylindermotor mit oben liegender Nockenwelle. Dieser leistet 115 PS und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde. Rahmen und Fahrwerk sind auf das hohe Gewicht und die beachtliche Geschwindigkeit des 300ers abgestimmt.

    Die 50er Jahre fangen klein an: In den deutschen Städten sieht man vor allem Fahrräder, Fahrräder mit Hilfsmotoren, Mopeds und Motorräder. Als Vorboten des Wirtschaftwunders, die dem schmalen Durchschnittseinkommen von 350 Mark im Monat entsprechen, gelten die skurrilen Kleinstwagen wie die BMW Isetta, der Messerschmitt-Kabinenroller oder das Goggomobil. Zwischen ihnen wirkt der Mercedes-Benz 300, den auch der erste Kanzler der Bundesrepublik als Dienstwagen benutzt, wie von einem anderen Stern: Schnell gibt der Volksmund dem 300er die Bezeichnung „Adenauer-Mercedes“. Als Staatskarosse wird er von London bis Moskau, von Stockholm bis Rom zum Symbol der jungen Republik und ihrer Integration in Europa. Der leidenschaftliche Schnellfahrer Adenauer erfreut sich an dem 115 PS starken Motor. Sein ständiges „Jeben Se Jas“ an den Cheffahrer Willy Klockner wird zu einem geflügelten Wort. Die Bundesrepublik Deutschland gibt Gas und steuert im vierten Gang ins deutsche Wirtschaftswunder!

    Der erste Bundeskanzler nach dem Zweiten Weltkrieg war Dr. Konrad Adenauer. Er war schon 73 Jahre alt, als er gewählt wurde, und doch regierte er 14 Jahre lang. Selbstverständlich hatte er einen Chauffeur und einen Dienstwagen. Eineinhalb Jahre nach seiner Wahl brachte Mercedes-Benz den 300er heraus, das größte und eleganteste deutsche Auto dieser Zeit. Auch Adenauer bestellte einen, hatte aber, wie es sich für einen Bundeskanzler gehört, jede Menge Sonderwünsche: Eine Zwischenwand zum Vordersitz mit einem Fenster zum Rauf- und Runterkurbeln, ein Autotelefon, breite Armlehnen an den hinteren Türen und vorne Halter für die Fahne der Bundesrepublik Deutschland. Adenauer wollte sicher sein, dass er als einziger Politiker den größten Mercedes fuhr. Deshalb empfahl er – manche sagen: er befahl – seinen Ministern, andere Modelle zu fahren, nur ja keinen 300er. Der Finanzminister, der sich gerade selbst einen neuen Mercedes-Benz 300 gekauft hatte, bekam es so sehr mit der Angst zu tun, dass er seinen neuen 300er wochenlang in seiner Kölner Garage vor dem Kanzler versteckte.

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