Mercedes-Benz 300 SD.

  • Mythos 5: Mercedes-Benz 300 SD.

  • Mercedes-Benz 300 SD.

    Mit dem Typ 300 SD führt Mercedes-Benz 1978 den ersten Diesel-Pkw der Oberklasse ein. Der erstmals in einem Serien-Personenwagen eingesetzte Turbodieselmotor sorgt für das angemessene Leistungspotenzial. Gleichzeitig ist er sparsam genug, um den durchschnittlichen Verbrauch aller Mercedes-Benz Pkw in den USA zu senken und die strengen amerikanischen Vorschriften einhalten zu können.

    • Zylinder 5
    • Gesamthubraum 2998 cm³
    • Leistung 89 kW
    • Bei Drehzahl 4350/min
    • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
    • Produktionszeitraum 1977-1980
    • Produzierte Stückzahl 28634

    Ausschließlich für den amerikanischen Markt bestimmt.

    Der Mercedes-Benz 300 SD, die Diesel-Variante der S-Klasse der späten siebziger Jahre, ist ausschließlich für den amerikanischen Markt bestimmt. In den USA zielt die Gesetzgebung unter dem Eindruck der Ölkrise darauf ab, den so genannten Flottenverbrauch zu reduzieren, den Durchschnittsverbrauch aller neu produzierten Pkw-Modelle eines Herstellers. Als Antwort lanciert Daimler-Benz im Mai 1978 für den amerikanischen Markt den ersten Oberklassewagen der Welt mit Dieselmotor. Dieser weltweit erste Turbodiesel-Pkw ist äußerst sparsam im Verbrauch und dank seines Turboladers verblüffend leistungsstark. Mit dem 300 SD, einem Vorläufer der heutigen Hochleistungsdiesel-Pkw, landet Mercedes-Benz einen Überraschungscoup. Über 28 000 – mal verkauft sich der 300 SD in den USA und Kanada und macht in diesen Ländern den Diesel-Pkw auf einen Schlag salon- beziehungsweise highwayfähig.

     

    Der ausschließlich für den amerikanischen Markt produzierte 300 SD ist der weltweit erste Pkw mit Turbodieselmotor. Der Turbodieselmotor zieht die sonst ungenutzt durch den Auspuff entweichenden Abgase zum Verdichten der Ansaugluft heran, eine „Zwangsbeatmung“, die die Leistung des 3-Liter-Fünfzylinder-Motors auf 121 PS steigert – bei gleichzeitig äußerst sparsamem Verbrauch. Auch seine ausgeprägten Sicherheitsstoßstangen mit regenerierbaren Pralldämpfern bleiben dem US-Markt vorbehalten. Hingegen fehlt dem 300 SD vorläufig noch eine unscheinbare, aber sensationelle Sonderausstattung: das Antiblockiersystem (ABS), das Mercedes-Benz 1978 als Weltpremiere in der S-Klasse anbietet, aus Zertifizierungsgründen jedoch noch nicht in den USA. Das von Mercedes-Benz und Bosch gemeinsam entwickelte System verhindert ein Blockieren der Räder und hält so die Lenkfähigkeit des Wagens auch bei harten Bremsmanövern aufrecht. Damals eine Weltsensation, gehört das Antiblockiersystem heute ganz selbstverständlich zur Serienausstattung von Autos aller Marken und Klassen.

    Die Erdölkrisen der siebziger Jahre zwingen Politik und Gesellschaft zum Umdenken. Am 18. April 1977 wendet sich der amerikanische Präsident Jimmy Carter an die Nation: Er fordert die US-Bürger auf, die Abhängigkeit von importiertem Erdöl zu überwinden und verkündet ein weit reichendes Energiesparprogramm. Weitere Vorschriften zur Abgasreduktion und zum Benzinverbrauch folgen. Besonders heikel für die Automobilindustrie sind die Bestimmungen zum so genannten Flottenverbrauch. Sie schreiben vor, wie viel Kraftstoff die neu verkauften Fahrzeuge eines Herstellers durchschnittlich verbrauchen dürfen. Die Vorschrift trifft die Daimler-Benz AG empfindlich, denn sie verkauft im wichtigen US-Markt viele S-Klasse-Fahrzeuge mit relativ hohem Benzinverbrauch. Als Antwort entwickelt sie exklusiv für Nordamerika den verbrauchsarmen Mercedes-Benz 300 SD, den weltweit ersten Oberklasse-Diesel, der 1977 vorgestellt wird. Der 300 SD übertrifft alle Verkaufsprognosen, senkt den Flottenverbrauch und wird zum Urtyp heutiger Oberklasse-Diesel-Pkw.

    Benzin und Diesel werden aus Erdöl hergestellt und die Erdölvorräte der Welt liegen tief vergraben unter Meeren und Sandwüsten, von wo sie mit Hilfe von Bohrtürmen an die Oberfläche gefördert werden. Die vielen Autos auf der Welt verbrauchen zusammen sehr viel Benzin und damit auch viel Erdöl. In den siebziger Jahren ging die Erdölförderung ein paar Mal zurück, und Benzin wurde schnell sehr, sehr knapp und teuer. Die Leute begannen, Benzin auf Vorrat zu kaufen. An den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Um Benzin zu sparen, wurden neue Bestimmungen erlassen. In den USA mussten die Autohersteller Strafe zahlen, wenn ihre Autos zu viel Benzin verbrauchten. Deswegen bauten die Mercedes-Benz Ingenieure einen besonders starken, aber sehr sparsamen Dieselmotor in die S-Klasse ein. Das neue Modell, der 300 SD, wurde ab 1978 in den USA verkauft. Auch bei den Benzinautos arbeiten die Techniker und Ingenieure bei Mercedes-Benz seither mit großem Einsatz daran, die Autos Schritt für Schritt immer sparsamer zu machen.

    Verwandte Themen.