Arne Weychardt neben einem seiner Mercedes-Benz Youngtimer auf einem Parkdeck.

Nice to miet you.

Arne Weychardt aus Hamburg betreibt mit „Rent an Oldie“ seine ganz persönliche Car-Sharing-Alternative mit jungen Klassikern von Mercedes-Benz.

Fotos: Christian Dietz
Text: Knut Simon
  • Nice to miet you.

  • Arne Weychardt zwischen zwei seiner Fahrzeuge durch den Sucher einer Kamera.

    Profi-Fotograf und W 124 Fan.

    Klick! Gestatten: Weychardt, Arne Weychardt. 50 Jahre alt. Gebürtig aus Kiel, dort und in Flensburg erste praktische Erfahrungen mit der Fotografie. Mit 14 übernimmt er Foto-Jobs für die Landeszeitung, mit 19 zieht es ihn nach Berlin, „denn das Berlin der 1980er-Jahre bot viele Möglichkeiten“, grinst Arne. Seine Vorliebe für die Baureihe W 124 von Mercedes-Benz erwacht wenig später, nämlich 1993.

    Kontrolle per Klapprad.

    Vom W 124 kann Arne nicht genug bekommen. Weshalb aus seiner privaten Vorliebe für die soliden und unverwüstlichen Mercedes Modelle die Idee eines Car-Sharings der ganz besonderen Art entstand: „Rent an Oldie“, stationiert im Hamburger Stadtteil Altona. Mittlerweile verteilen sich zehn Youngtimer der Marke Mercedes-Benz aus Arnes Vermiet-Flotte im nahen und fernen Umkreis.

    Arne Weychardt auf seinem Fahrrad.

    Auf seinem kultigen Siebziger-Jahre-Klapprad fährt er regelmäßig Kontrolle und überprüft, ob seine Stern-Schäfchen auch alle hübsch an Ort und Stelle stehen.

    Eine bunte Mischung.

    Voilà: Die Schaltzentrale von „Rent an Oldie“ in der Nettelbeckstraße 5 in Hamburg. Bunt und unkonventionell wie die gesamte Idee, dabei klar durchstrukturiert: Kunden müssen sich einmalig persönlich registrieren, danach erfolgen Anmietung und Rückgabe mithilfe von Mail und SMS. „Nach Ende der Mietdauer teilt der Entleiher mir in einer kurzen Nachricht den aktuellen Standort des Fahrzeuges mit, so dass ich dem nächsten Kunden sagen kann, wo er seinen Leih-Oldie findet“, sagt Arne.

    Arne Weychardt in seinem Arbeitszimmer.
    Arne Weychardt hinter dem Lenkrad von einem seiner Mercedes-Benz Youngtimer.

    Die Qual der Wahl.

    Insgesamt sind vom W 124 sechs T-Modelle, zwei Limousinen und ein Cabriolet am Start sowie zusätzlich ein Mercedes-Benz 190 E 1.8 (W 201). Vom gutmütigen Vierzylinder bis hin zu Sechszylinder-Versionen reicht das W 124-Leistungsspektrum. „Als ich, bedingt durch mein ständiges Hetzen von Termin zu Termin, beinahe meinen Führerschein verloren hätte, riet mir meine Verkehrspsychologin: ‚Kaufen Sie sich ein entschleunigendes Auto!’“, verrät Arne.

    Mit dem Klassiker auf Entdeckungsreise.

    Automobiler Klassiker in Hamburgs historischer Speicherstadt, das passt! Übrigens ist der Spaß am Oldie-Fahren gar nicht einmal teuer. Die Tarife sind sogar sehr fair: Zwölf Stunden in der W 124 Limousine und im Mercedes-Benz 190 E 1.8 kosten zum Beispiel 35 Euro, der komplette Tag schlägt mit moderaten 60 Euro zu Buche. Die Kilometer sind immer unbegrenzt inklusive.

    Arne Weychardt auf dem Weg zu seinem W 124 auf einer Brücke in der Hamburger Speicherstadt.

    Arnes Oldies kann man aber auch wochenweise mieten, das kostet je nach Modell zwischen 250 und 320 Euro.

    Neue Erfahrungen im alten Auto.

    Arne hat mit dem W 124 seinen ruhenden Auto-Pol gefunden. Genau den suchen auch seine Kunden. „Die sind zwischen 25 und 60 Jahre alt und lieben die neue Erfahrung mit einem alten, aber problemlosen Auto – oder erneuern alte Erinnerungen, wie zum Beispiel mein allererster Kunde, der seinen 50. Geburtstag im Auto seiner Jugend feiern wollte – eben in einem W 124!“

    Arne Weychardt und seine Familie vor seinem Mercedes-Benz W 124.

    Die T-Modelle werden gern von Familien gebucht – nicht nur für den Skate-Ausflug an die Elbe, sondern auch für die Fahrt in die Ferien.

    Arne Weychardt lehnt an seinem Mercedes-Benz W 124.

    W 124-Fahrer seit 1993.

    Auch privat steuert Arne einen W 124 durch den Alltag, den er dadurch tatsächlich als entspannter empfindet. „Im W 124 spürst du die Geschwindigkeit“, erzählt der Wahl-Hamburger, der seit 1993 W 124 fährt und dessen aktuelle Car-Sharing-Flotte teilweise aus der eigenen Auto-Sammlung heraus entstand: „Ist doch perfekt“, grinst der Self-Made-Oldie, „so hatte ich einen prima Grund, noch mehr alte Mercedes zu kaufen, statt wie andere meine Sammlung verkleinern zu müssen!“

    Mini-Wohnwagen als Kinderbettchen.

    „Ich bin und bleibe Fotograf“, stellt Arne klar. Gleichzeitig mag er nicht auf neue Ideen verzichten. So, wie er mit „Rent an Oldie“ ein zweites Standbein fand, erdachte und baut er auch Kinderbettchen im Mini-Wohnwagen-Format.

    Arne Weychardt lädt einen Miniaturwohnwagen in den Kofferraum seines W 124.

    „Petit Tabbi“ heißen die kleinen Kunstwerke auf (Stütz-)Rädern, die in jedes T-Modell passen. Einen 1:1-Wohnwagen von 1977 vermietet Arne übrigens auch.

    In Hamburg längst Kult.

    Seit 2014 sieht man Arnes „Sternenflotte“ vor allem durch Hamburg cruisen, wo seine Firma mittlerweile Kultstatus genießt. Der Einfall zu „Rent an Oldie“ kam ihm im Malaysia-Urlaub: „Da begegneten mir derart viele W 124, dass ich spontan dachte: Was bei 33 Grad im Schatten zwischen Palmölplantagen und Hotels hin und her kurvt, kann auch im nordischen Hamburg das Straßenbild aufwerten!“

    Arne Weychardt fährt in seinem W 124 über eine Brücke in der Hamburger Speicherstadt

    Gedacht, gemacht: Noch am Urlaubsstrand entstanden die Ideen für Name, Logo, Website und Magnetschilder!

    Arne Weychardt vor einer Autowaschanlage.

    Eine saubere Sache.

    Wertanlage in Waschanlage: „Ich kaufe alle meine W 124 persönlich und fahre sie die ersten zwei Monate ausschließlich selbst, um Wehwehchen diagnostizieren und beheben zu können“, erklärt Arne sein durchdachtes Vorgehen. Erst danach stoßen die Neuerwerbungen zur Mietflotte. „Die Konzentration auf den W 124 bietet viele Vorteile. Zum Beispiel den der Gleichteile, alles bleibt überschaubar.“ Zudem sei die Teileversorgung von Mercedes eben legendär: „Du bekommst alles. Überall und jederzeit.“ Nun denn: Fahr’ well!

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