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Ein altes Mercedes-Benz Taxis.

Stets auf der Höhe ihrer Zeit: Taxis aus dem Hause Daimler.

Eine Zeitreise von der ersten Motordroschke als Daimler Landaulet-Taxi bis zur legendären Heckflosse der Baureihe 110.
Motordroschke als Landaulet-Taxi.

Am Anfang war die Motordroschke.

Einsteigen und dem Fahrer sagen, wohin es gehen soll. Im Taxigewerbe ist das selbstverständlich. Genauso üblich sind in dieser Branche Automobile aus dem Hause Daimler. Ganz am Anfang dieser Entwicklung steht die Motordroschke. Der Stuttgarter Droschkenunternehmer Friedrich August Greiner bestellt 1896 bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft eine motorisierte Victoria-Kutsche als Landaulet mit Taxameter, die er im Mai 1897 erhält. Bei einem Landaulet handelt es sich um eine teilweise geschlossene Karosserieform. Diese erste Motordroschke der Welt nimmt im Juni desselben Jahres ihren Betrieb auf und hält für damalige Verhältnisse wahre Neuerungen bereit. Denn bei kühler Witterung lässt sich der Fond des Daimler Landaulet-Taxis beheizen und bei schönem Wetter können Aufbauteile wie Dach, Türen und Windschutzscheibe abgenommen werden.

Nur mit Strom: der Mercedes Electrique.

Schon früh werden Elektroantriebe in Droschken eingesetzt. Wie beim Mercedes Electrique werden sie von Batterien gespeist. Für das Droschkengewerbe haben diese Fahrzeuge zunächst große Vorteile: Sie stinken nicht und sind leiser als die Benziner – für die Fahrgäste damals ein durchaus angenehmer Aspekt. Ihre Betriebssicherheit erweist sich darüber hinaus als deutlich besser als bei den frühen Benzinmodellen. Zudem sind sie jederzeit schnell startbereit und im Unterhalt vergleichsweise kostengünstig. Die Nachteile der relativ geringen Reichweite von ungefähr 90 Kilometern und der mäßigen Geschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern wirken sich im städtischen Taxibetrieb außerdem nicht sonderlich aus, zumal die Höchstgeschwindigkeit vonseiten der Behörden oftmals auf 15 Stundenkilometer begrenzt ist.

Der Mercedes Electrique mit Fahrer und Passagieren.

Trotzdem ist die Technik reiner Elektrofahrzeuge in den ersten zwei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts noch nicht reif genug für einen erfolgreichen Wettbewerb mit dem Benzinfahrzeug, das immer zuverlässiger wird.

Der Benz Typ 10/18 PS, besser bekannt als Berliner Droschke.

Robust: die Berliner Droschke.

1908 weiht die Firma Benz & Cie. ihr neues Werk in Mannheim ein und verlagert die Automobilfertigung sukzessive in die neue Fabrik. Noch im selben Jahr wird unter anderem ein kleiner und preiswerter Wagen auf den Markt gebracht: der Typ 10/18 PS. Das erste Exemplar erhält Prinz Waldemar, ein Neffe des deutschen Kaisers Wilhelm II. Schon früh legt Benz & Cie. großen Wert auf einen engen Kontakt zur Zunft der Droschken- und Mietwagenunternehmer, die einen wirtschaftlichen und robusten Wagen verlangt. Außerdem bietet Benz bereits die Möglichkeit des Abzahlungsgeschäfts. So verwundert es nicht, dass der robuste und widerstandsfähige Typ 10/18 PS mit dem speziellen Aufbau „Berliner Droschke“ sich ab 1909, besonders natürlich in Berlin, großer Beliebtheit erfreut und eine weite Verbreitung findet.

Ein Auto von Welt: der Typ 8 / 38 PS.

Die 1926 durch die Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit Benz & Cie. entstandene Daimler-Benz AG präsentiert noch im Fusionsjahr den neuen Typ 8/38 PS. Dessen Markteinführung erfolgt Anfang 1927. Dank der von der neuen Marke gebotenen Qualität und der Preiswürdigkeit macht diese Konstruktion bald auch ihren Weg als Taxi. Der kleine Zweiliter bildet, ständig weiterentwickelt, bis 1933 das Rückgrat von Daimler-Benz im Taxigeschäft. Vor allem auch, weil seine Landaulet-Karosserie den Bedürfnissen der Taxifahrer und der Taxikundschaft hervorragend entgegenkommt. Aus dem Typ 8/38 PS wird 1928, vom neuen Chefkonstrukteur Hans Nibel gründlich überarbeitet, der Typ Stuttgart 200, der so heißt, weil er ausschließlich in Stuttgart gebaut wird und mit Zweilitermotor bestückt ist.

Der Typ 8/38 PS.
Mercedes-Benz 260 D mit geöffnetem Dach.

Sparsame Sensation: der Mercedes-Benz 260 D.

Im Jahr 1936 erscheint auf der Berliner Automobil-Ausstellung eine Sensation: der Mercedes-Benz 260 D. Der robuste und sparsame Mercedes-Benz Diesel ist der erste serienmäßige Diesel-Pkw der Welt und wird zum Liebling der Taxifahrer. Kein Wunder, kostet das Dieselöl im Jahr 1935 doch nur 17 Pfennig, weniger als die Hälfte des Benzins. Und die günstigen Betriebsbedingungen, die überdurchschnittliche Lebensdauer der Motoren sowie die widerstandsfähigen Karosserien kompensieren die höheren Kosten der Anschaffung bei weitem. An den Taxiständen sind die Wagen deshalb noch bis weit in die 1950er-Jahre hinein ein gewohnter Anblick.

Ein Star: der Mercedes-Benz Typ 170 V.

Auf der Berliner Automobil-Ausstellung 1936 stellt Daimler-Benz noch eine weitere Neuheit vor: den Typ 170 V. Das „V“ steht für den vorne eingebauten Motor – als Abgrenzung zum gleichzeitig präsentierten 170 H mit baugleichem Vierzylinder-Reihenmotor im Heck. Daimler-Benz ist mit der taxigerechten Ausstattung des Modells, guten Konditionen und kurzen Lieferzeiten bestens vorbereitet, um dem erhofften Ansturm des Gewerbes auf die Mercedes-Droschke gerecht zu werden. Die Hoffnung wird nicht enttäuscht. Der 170 V wird rasch ein bevorzugtes Fahrzeug der Branche und ein Liebling des Publikums. Er steigt zum meistgebauten Mercedes-Benz Pkw und Produktionsstar der Vorkriegszeit auf und ist auch im Ausland erfolgreich.

Mercedes-Benz Typ 170 V.
Ponton-Mercedes aus der Vogelperspektive.

Eine Ikone: der „Ponton-Mercedes“.

Im August 1953 stellt Mercedes-Benz den Typ 180 der Baureihe 120 vor. Die Limousine im modernen „Three-Box-Design“ ist der erste Mercedes-Benz Personenwagen mit selbsttragender Karosserie und in Pontonform. Charakteristisch für diesen Aufbau sind vollintegrierte Kotflügel, ein rechteckiger Grundriss der Karosserie und die jeweils annähernd als Quader ausgebildeten Fahrzeugbereiche Vorderwagen, Passagierabteil und Heck. Diese Konzeption ermöglicht einen geringeren Luftwiderstand sowie einen deutlich geräumigeren Innenraum. Der Ponton-Mercedes ist bis heute eine Ikone. Bis Oktober 1962 baut Mercedes-Benz in neun Jahren Ponton-Ära insgesamt 442.963 Exemplare der Typen 180 bis 190 D.

Heckflosse als Taxi vor einer Hauswand.

Eigener Charakter: die „Heckflosse“.

Eine markante Karosserieform erobert im August 1961 die obere Mittelklasse. Mit ihren Peilstegen am Heck erinnert sie an US-amerikanisches Fahrzeugdesign. Mit den „Heckflossen“-Modellen der Baureihe 110 erhält das Droschkengewerbe ein ausgereiftes Dieselfahrzeug mit moderner Technik. Und was daran gut für Passagiere ist, lässt auch das Herz des Taxifahrers höherschlagen:

Vier große, weit öffnende Türen, viel Platz im Innenraum, bequeme Sitze, anmutige Bezüge und ein großer, geräumiger Kofferraum sind nur einige Vorzüge, mit denen sich das Auto dem mobilen Gewerbe empfiehlt. Im Februar 1968 endet die Produktion der stets weiterentwickelten „Heckflosse“, nachdem im Januar desselben Jahres die vollkommen neuen Modelle des Mercedes-Benz Strich-Acht auf den Markt kommen.

Eine Legende: der Strich-Acht.

Sie sind eine Legende: Die Mercedes-Benz Typen der Baureihen 115 und 114. Sie setzen einen klaren Schnitt gegenüber der Heckflossen-Ära. Das Kürzel „/8“ in der unternehmensinternen Typenbezeichnung steht zunächst nur für das Jahr der Präsentation 1968. Später entwickelt sich daraus die liebevolle Bezeichnung „Strich-Acht“ für die gesamte Baureihe. Der Mercedes-Benz mit der höchsten bekannten Kilometerleistung ist ein griechisches Taxi vom Typ 240 D, Baujahr 1976. Sein Besitzer hat darin 4,6 Millionen Kilometer zurückgelegt. Fahrzeuge wie dieses Weltrekord-Taxi verschaffen dem Strich-Acht den Ruf als unverwüstlicher und zuverlässiger Dauerläufer. Im Januar 1976 stellt Mercedes-Benz die Baureihe 123 als Nachfolger des Strich-Acht vor. Dennoch läuft die Produktion der Baureihe 115/114 bis Dezember 1976 weiter – unter anderem wegen der großen Nachfrage nach dem Strich-Acht. Insgesamt entstehen von 1968 bis 1976 annähernd zwei Millionen Exemplare beider Baureihen.

Mercedes-Benz Strich-Acht als Taxi.

Bildergalerie.

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