Lufthansa Car-go: Mercedes-Benz an Bord.

Lufthansa Cargo: Mercedes-Benz an Bord.

Vom Erlkönig bis zum Eyjafjallajökull: Mercedes-Benz fährt ab auf die Logistiklösungen von Lufthansa Cargo.

  • Lufthansa Cargo: Mercedes-Benz an Bord.

  • Andreas Rothweiler ist Geschäftsführer der Spedition car-go in Stuttgart und Spezialist für die Verladung von Mercedes-Benz Fahrzeugen.

    „Das sind keine normalen Fahrzeuge.“

    So möchte jeder in die Parklücke fahren können. Andreas Rothweiler gibt Gas, fährt traumwandlerisch sicher und das auch noch rückwärts die fünf Meter langen Rampen auf den Tisch des High-Loaders hoch, lässt sich gut fünf weitere Meter nach oben hieven, gibt wieder Gas und fährt in einem Schwung ins Flugzeug. Das macht er 20-mal. Dann sind in der MD-11F von Lufthansa Cargo am Frankfurter Flughafen 16 Autos im Main Deck und weitere vier im Lower Deck verstaut. Zehn der Fahrzeuge sind, als sie noch auf dem Vorfeld aufgereiht stehen, mit schwarzen Planen zugedeckt. Die müssen zwangsläufig entfernt werden, als sich Andreas Rothweiler hinters Steuer setzt. Da kann selbst der Autolaie sehen, dass das keine normalen Fahrzeuge sind. Die Lackierung ist durch eine Folie ersetzt, die aussieht wie ein modifiziertes Zebra-Muster. Andreas Rothweiler ist Geschäftsführer der Spedition car-go in Stuttgart und Spezialist für die Verladung von Mercedes-Benz Fahrzeugen.

    Erlkönige zum Eis-Test.

    Die Stuttgarter Auto-Schmiede mit dem Stern möchte Fahrzeuge, die es offiziell noch gar nicht gibt und die daher im Sprachgebrauch „Erlkönige“ heißen, unter realistischen Bedingungen einem Wintertest in den USA unterziehen. Deshalb die Tarnung. Zehn Erlkönige und zehn normale Daimler gehen auf Reisen für Vergleichstests in Schnee und Eis. Natürlich kann man ein neues Auto auch in der werkseigenen Kältekammer testen. Doch das wäre so, als würde ein Pharmaproduzent sein Grippemittel in der Karibik erproben. Darum hat sich Mercedes-Benz für das Testgelände im amerikanischen Bemidji im Norden von Minnesota entschieden. Dort, in der „ice box region“ der USA, sind minus 20 Grad im Winter eher normal als die Ausnahme.

    Mercedes-Benz möchte Fahrzeuge, die es offiziell noch gar nicht gibt und die im Sprachgebrauch „Erlkönige“ heißen, unter realistischen Bedingungen einem Wintertest in den USA unterziehen.

    Michael Schmid, Account Manager Sales bei Lufthansa Cargo in Stuttgart, hat das Geschäft mit car-go eingefädelt. Er kennt Andreas Rothweiler persönlich. Das schafft Vertrauen. Lufthansa Cargos „Charter Desk“ in Frankfurt sowie zahlreiche andere Abteilungen haben den Deal schließlich perfekt gemacht. Seit das Chartergeschäft im März 2013 bei Lufthansa Cargo integriert wurde, ist die fünfköpfige Crew rund um Daniel Schlattner im BG3 bestens ausgelastet. Allein 2014 wurden 50 Charter durchgeführt. Tendenz steigend.

    Das Benzin im Tank und die Batterie unter der Haube machen aus jedem Autotransport eine Gefahrgut-Sendung, die über das Spezialprodukt Care abgewickelt werden muss.

    Wertvolle Fracht auf vier Rädern.

    „Wir können nur erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten aus den unterschiedlichen Bereichen an einem Strang ziehen“, betont Schlattner. Dazu gehören auch die Kollegen vom Aircraft Handling. Zum Beispiel Dieter Czejka, der extra nach Stuttgart fuhr, um zu testen, ob die Mercedes-Benz Fahrzeuge im Lower Deck verladen werden können ohne die schmale Tür zu beschädigen. Und auch Wolfgang Klug gehört längst zum Team der Auto-Experten. Der Ramp Agent hat so viel Erfahrung im Be- und Entladen von Autos gesammelt, dass er dafür inzwischen regelmäßig rund um die Welt fliegt. Die wertvolle Fracht auf vier Rädern ist aber nicht nur bei den Mitarbeitern von Lufthansa Cargo in besten Händen, auch Logistiklösungen des Carriers sind speziell auf die Automobilindustrie zugeschnitten: Das Benzin im Tank und die Batterie unter der Haube machen aus jedem Autotransport eine Gefahrgut-Sendung, die über das Spezialprodukt Care abgewickelt werden muss.

    Regelversorgung und Notfalllogistik.

    Ganze Fahrzeuge an Bord der Frachter sind die eine Sache, aber: „Weit mehr Geschäft generieren wir mit der Beförderung von Einzelteilen, gebucht als mal mehr, mal weniger zeitkritische Sendungen“, informiert Konrad Moser. Weltweite Arbeitsteilung bestimmt die Abläufe in der Automobilindustrie. Unzählige Fahrzeugteile werden etwa in Europa gefertigt und in Asien und/oder Nordamerika verbaut. Und auch in umgekehrter Richtung zwischen Nord- und Südamerika oder innerhalb Asiens verlaufen bedeutende Transportströme.

    Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz sind bereit für den Start.

    Um hohe Einfuhrzölle zu vermeiden, werden die Fahrzeuge mitunter komplett in Einzelteile zerlegt, über Tausende Kilometer transportiert und erst in den jeweiligen Zielmärkten wieder montiert. Minimale Vorlaufzeiten, enge Zeitfenster und Just-in-time-Management sollen auf der einen Seite die Vor-Ort-Bestände klein halten, auf der anderen Seite gilt es, Produktionsengpässe oder gar -ausfälle unbedingt zu vermeiden.

    350 Motoren. Ein Flugzeug.

    Die deutschen Automobilhersteller fliegen nicht nur Voll-Charter zu Extrem-Tests in Wüsten oder Kältelöcher. Wenn in Detroit im Januar die große Motorschau ansteht, Ende April in Shanghai die neuesten und teuersten Karossen präsentiert werden und im Oktober und November Hunderttausende zur Tokioter Motorschau pilgern, ist der Transport deutscher Exportschlager längst zum Regelwerk geworden, weiß Konrad Moser. Der Key Account Manager, der jüngst sein 40-jähriges Dienstjubiläum feierte, ist der Auto-Experte beim Frachtkranich. Und hakt es einmal im Produktionsgetriebe der Hersteller, kommt das Express-Produkt Emergency.Solutions von Lufthansa Cargo zum Einsatz. Doch Autoteile fliegen natürlich nicht nur mit dem teuersten Express-Produkt: „Ersatzteile von Bremsen über Motorelektronik bis hin zu Kotflügeln werden oft als ‚Regelversorgung‘ mit td.Pro geflogen, während mit td.Flash auch eine bewährte Expressoption für solche Produkte besteht“, so Moser. 350 Motoren à jeweils 1.500 Kilogramm schickte er im Frühjahr 2012 vom Daimler-Werk in Deutschland auf die eilige Reise nach Tokio. Beim Daimler-Partner „Fuso“ wollten zusätzliche Aufträge kurzfristig abgewickelt werden.

    350 Motoren à jeweils 1.500 Kilogramm wurden im Frühjahr 2012 vom Daimler-Werk in Deutschland auf die eilige Reise nach Tokio geschickt.
    Boarding complete: Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz an Bord der Maschine von Lufthansa Cargo.

    Vulkanausbruch als Initialzündung.

    Das Produkt Emergency.Solutions hat seine „Geburtsstunde“ übrigens dem Ausbruch des unaussprechlichen Vulkans Eyjafjallajökull auf Island zu verdanken – sowie natürlich dem konkreten Bedarf der Automobilindustrie. Nachdem im September 2010 der Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa weitgehend eingestellt worden war, standen bald auch viele Produktionsanlagen der Industrie still und eine Frage im Raum: Kann Lufthansa Cargo ein Produkt anbieten, das Kapazitäten für den nächstmöglichen Flug zum gewünschten Ziel sicherstellt – und das auch noch ohne Gewichtsbeschränkung? „Aus der Idee haben wir dann eine konkrete Lösung entwickelt, sechs Monate im Markt sowie in den operativen Prozessen erfolgreich getestet und im nächsten Schritt weltweit eingeführt,“ ergänzt Jörn Clausen, Product & Solutions Management Time-Critical Logistics. Er war damals an der Entwicklung beteiligt und ist heute für das Produktmanagement von Emergency.Solutions verantwortlich. „Notfälle können jederzeit auftreten – im echten Leben genauso wie in der Logistik. Im Prinzip funktioniert der Service daher wie ein Notarztwagen: ein Anruf, sofort verfügbar und Vorfahrt in jeder Hinsicht“, so Clausen. Er schätzt, dass ungefähr ein Drittel der bisherigen Notfallsendungen aus der Automobilindustrie kamen.

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