Der AMG GT wird beim globalen Härtetest an seine Grenzen gebracht. Das Ziel: durch Null-Fehler-Toleranz hin zu perfekter Qualität.

Kein Erbarmen für den Mercedes-AMG GT.

Der AMG GT wird beim globalen Härtetest an seine Grenzen gebracht. Das Ziel: durch Null-Fehler-Toleranz hin zu perfekter Qualität.

  • Kein Erbarmen für den Mercedes-AMG GT.

  • Atemberaubende Proportionen.

    Ein Mercedes-AMG GT rollt durch Barcelona. Getarnt zwar, doch die stylische, grünschwarze Klebefolie sorgt für Aufsehen bei Passanten. Die atemberaubenden Proportionen und der einprägsame V8-Sound des Sportwagens sorgen reihenweise für offene Münder. Das ist „business as usual“ für AMG-Mitarbeiter, die an der Fahrerprobung teilnehmen.

    Ein Mercedes-AMG GT rollt durch Barcelona. Getarnt zwar, doch die stylische, grünschwarze Klebefolie sorgt für verdrehte Hälse bei Passanten.

    „Das ist unser finaler Check, damit alles exakt passt. Denn wenn die Autos erst mal beim Kunden sind und dann ein Problem auftauchen würde – nein, so weit darf es nicht kommen“, sagt Christian Wolff, AMG-Qualitätschef und Mitglied der Geschäftsführung.

    Null-Fehler-Toleranz. Dafür hat Mercedes-AMG ein Testprogramm entwickelt, bei dem Mitarbeiter den neuen GT im Alltagsbetrieb unter die Lupe nehmen.

    Der AMG-GT im Alltagsbetrieb.

    Das Ziel ist Null-Fehler-Toleranz. Dafür hat Mercedes-AMG ein Testprogramm entwickelt, bei dem Mitarbeiter den neuen GT im Alltagsbetrieb unter die Lupe nehmen – egal, ob IT-Spezialist, Personalfachkraft oder Marketingexperte. Wie schaltet das Getriebe? Verläuft die Ledernaht schön gerade? Klappert das Handschuhfach auf schlechten Straßen? Das Testprogramm läuft mehrere Wochen. Christian Wolffs Mannschaft wertet die Ergebnisse aus und legt die nötigen Maßnahmen fest, um etwaige Schwachpunkte vor Beginn der Produktion auszusortieren. „Am Ende“, sagt Wolff, „steht der ‚CleanPoint‘. Das bedeutet: alle Fehler abgestellt.“

    Nach Nordschweden kommen sie alle.

    Erst knirscht der Schnee unter den Sohlen, dann unter den Reifen. Hierhin, nach Nordschweden, kommen sie alle: Erlkönige aller Hersteller kreuzen die Wege. Kein Autobauer kann auf Schnee, Eis und Minusgrade verzichten. Bei Kälte reagieren neu entwickelte Fahrzeugkomponenten anders als bei Wärme, ob Tür- und Scheibendichtungen aus Gummi, Front- und Heckschürzen aus Kunststoff oder die Innenraumzierteile aus Carbon.

    Erst knirscht der Schnee unter den Sohlen, dann unter den Reifen. Hierhin, nach Nordschweden, kommen sie alle: Erlkönige aller Hersteller kreuzen die Wege.

    Kälte macht spröde, Kälte verursacht andere Geräusche. Das menschliche Ohr kann akustische Fehlerquellen oft deutlich zielsicherer lokalisieren als das hochsensible Messgerät auf dem Prüfstand.

    Wie springt der V8-Motor des Mercedes-AMG GT bei minus 30 Grad Celsius an? Wie sanft schaltet das Doppelkupplungsgetriebe, wenn das Getriebeöl zäh wie Honig ist?

    Getriebeöl, so zäh wie Honig.

    Wie springt der V8-Motor bei minus 30 Grad Celsius an? Wie sanft schaltet das Doppelkupplungsgetriebe, wenn das Getriebeöl zäh wie Honig ist? Für die Stille und die Weite der Landschaft hat das AMG-Team dabei kaum ein Auge. Die Arbeit rund um Arjeplog erfordert ihre ganze Aufmerksamkeit. Es wird früh dunkel, man wird schneller müde. Keiner will in einer Schneewehe im Graben landen oder nähere Bekanntschaft mit einer Rentierherde machen. „Safety first“ ist die Devise.

    Von Schweden nach Colorado.

    Im Sommer gehen die AMG-Entwickler auf große US-Tour. Mehr als 25 GT und GT S sind einige Wochen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unterwegs. Die Teams unterziehen ihr neues Baby einem letzten Reifegradcheck bei großer Hitze. Eine extreme Belastung für Mensch und Material. Doch nicht allein der hohen Außentemperaturen wegen zieht es die Ingenieure in die USA, wie Christian Enderle, Bereichsleiter Motor und Triebstrang, erklärt: „In Colorado gibt es Fahrzustände, die lassen sich auch auf unseren Hightech-Prüfständen nicht simulieren. Man kommt hier in den Rocky Mountains binnen kurzer Zeit auf über 3.500 Meter über NN.“

    Im Sommer gehen die AMG-Entwickler auf große US-Tour. Mehr als 25 GT und GT S sind einige Wochen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unterwegs.

    Motor- und Getriebesteuerung sind mit dem rasch wechselnden Luftdruck und den Temperaturveränderungen ebenso beschäftigt wie Klimaanlage und Heizung.

    Mehrere Mercedes-AMG GT bei Testfahrten auf den Salt Falts.

    Testfahrten auf den Salt Flats.

    Die Krönung findet schließlich auf den Salt Flats statt. Sie bieten mehr als genügend Platz für raketengetriebene Geschosse wie die legendäre „Blue Flame“, die 1970 auf den Salt Flats bei Bonneville 1.001,66 km/h schnell war. Den AMG-Ingenieuren geht es heute hier nicht um Rekordwerte.

    Vielmehr prüfen sie auf dem Salzsee noch einmal final, ob alle Drücke, Temperaturen und Werte im grünen Bereich bleiben. Und ob sich Unterbodenverkleidungen, Tür- und Haubendichtungen so verhalten, dass sie die Serienfreigabe erfüllen.

    Südafrika: Rotwein und Schlaglöcher.

    Für einen Europäer gibt es gute Gründe, den Winter in Südafrika zu verbringen. Warme Temperaturen, fröhliche Leute, exzellenter Rotwein. Für die AMG-Entwickler genießen die ersten beiden Argumente Priorität. Vor allem aber sparen sie Zeit bei ihrem Abstecher auf die Südhalbkugel. Wenn in Europa die nasse und kalte Jahreszeit beginnt, lockt Südafrika mit Frühling und Sommer – bei nur 2,5 Jahren Entwicklungszeit ein unschlagbares Argument. Außerdem ist der südafrikanische Sommer heißer und feuchter als der deutsche. Am Kap steht vor allem der Antriebsstrang des GT im Fokus: Motor, Getriebe, Kraftübertragung. Die Teams aus Affalterbach sind in zwei verschiedenen Gebieten Südafrikas unterwegs: im östlich gelegenen Nelspruit, Hauptstadt der Provinz Mpumalanga, sowie westlich in Upington, nicht weit von der Grenze zu Namibia entfernt. Die Vorteile: wenig Verkehr, wenig Erlkönigjäger und breite Straßen. Allein die tiefen Schlaglöcher mahnen zur Vorsicht.

    Am Kap steht vor allem der Antriebsstrang des Mercedes-AMG GT im Fokus: Motor, Getriebe, Kraftübertragung.
    Auf diesem einzigartigen Testgelände hat der Mercedes-AMG GT während seiner 2,5 Jahre langen Entwicklungszeit zigtausende Kilometer abgespult.

    Feinschliff in Papenburg.

    Papenburg im Emsland. Eine 35.000-Einwohner-Stadt, bekannt für ATP: das 780 Hektar große „Automotive Testing Papenburg“. Auf diesem einzigartigen Testgelände hat der Mercedes-AMG GT während seiner 2,5 Jahre langen Entwicklungszeit zigtausende Kilometer abgespult. Durch die hohen Sicherheitsvorkehrungen muss hier niemand befürchten, dass das Fahrzeug weit vor seiner Weltpremiere von Erlkönigjägern „abgeschossen“ wird. Auf der großen Dynamikfläche können spezielle Fahrmanöver wie Slalom oder Ausweichtests bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten gefahren werden. Auf einem eigenen Abschnitt sind alle gängigen Fahrbahnbeläge vorhanden. Der Handlingkurs kann bewässert werden. Ein über zwölf Kilometer langes Oval mit fünf Fahrspuren erlaubt problemlos Geschwindigkeiten von über 300 km/h.

    Echtes Teamwork.

    Intensive Diskussionen sind die Grundlagen einer Fahrzeugentwicklung. Die komplexe, mehrjährige Aufgabe aus Konzeption, Entwicklung, Erprobung und Serienfreigabe beruht auf echtem Teamwork. Konzentriertes Herangehen an die Themen, strukturiertes Abarbeiten der Herausforderungen, die Motivation auch bei Schwierigkeiten hochhalten – eine Selbstverständlichkeit für die in die GT-Entwicklung involvierten AMG-Mitarbeiter. Frank Müller, GT-Typbegleiter im Gesamtfahrzeugversuch tätig: „Der Dialog und der Austausch mit unserem Chef Tobias Moers sind enorm wichtig. Er selbst fährt alle Autos im Grenzbereich und gibt uns ein enorm wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung.“

    Die Motivation auch bei Schwierigkeiten hochhalten – eine Selbstverständlichkeit für mehrere hundert in die Mercedes-AMG GT-Entwicklung involvierten AMG-Mitarbeiter.

    Tobias Moers gibt das Kompliment zurück: „Zum AMG-Spirit gehört: Nie aufgeben! Wir sind erst zufrieden, wenn wir unsere ambitionierten Ziele erreicht haben. Und mir steht ein tolles Team zur Seite, das dieses Auto auf die Räder gestellt hat. Darauf kann ich stolz sein!“

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