Auf der Reise durch Europa mit dem Mercedes-AMG GT nimmt sich der Fahrer auch Zeit den Ausblick zu genießen.

Was für ein Ritt: Roadtrip nach Monaco mit dem Mercedes-AMG GT.

Eine Reise über Berge, Rennstrecken, Serpentinen und Kopfsteinpflaster quer durch Europa.
Text: Adam Baumgärtner
Fotos: Markus Bolsinger und Heiko Simayer
  • Was für ein Ritt: Roadtrip nach Monaco mit dem Mercedes-AMG GT.

  • „Europas berühmteste Kurve.“

    Den ersten Kaffee des Tages nehme ich am Tresen einer kleinen, belgischen Frittenbude, dann rolle ich gespannt zur wohl berühmtesten Kurve Europas: „Eau Rouge“ heißt dieser ultraschnelle Knick, diese G-Kraft-Hölle. Man findet sie auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps.

    In Belgien macht der Mercedes-AMG GT auch halt auf der Rennstrecke Spa-Francorchamps.

    Auch hier haben moderne Sicherheitsanforderungen einen ehemals gefürchteten, klassischen Rennkurs domestiziert – die Eau Rouge ist jedoch das Nadelöhr geblieben, durch das große Herzen in den Rennfahrerhimmel kommen und an dem furchtsame Geister kläglich scheitern.

    Auf dem anspruchsvollen Rennkurs von Spa-Francorchamps zeigt der Mercedes-AMG GT sein ganzes Können.

    Gutes Timing ist alles.

    Beschleunigungsentladung an der modernen Boxenanlage vorüber, hartes Anbremsen, knackig durch eine episch breite Kurve. Entlang der alten Boxengasse in die Tiefe hechten, beinahe meint man, das enthemmte, blutrünstige Kreischen der Zuschauermassen zu hören – und dann knickt die Strecke nach links weg, eine wahre Wand baut sich vor dir auf. Und du hast diesen einen Punkt, nicht breiter als eine Hand, den du treffen musst, um die „Eau Rouge“ voll nehmen zu können. Ich weiß nicht, ob ich ihn jetzt erwischt habe. Oben ist unten ist links ist rechts und das Auto zwischen Einlenkpunkt und Auslenkpunkt quasi unsteuerbar. Aber ich habe es diesmal richtig gemacht.

    Transeuropäischer Ritt im AMG GT.

    Einen Tag später ströme ich im Mercedes-AMG GT aus Italien kommend über die Grenze nach Frankreich. Ich bin müde, abgekämpft, aber vollgesogen mit Eindrücken vom transeuropäischen Ritt, den ich hinter mir habe: aus Belgien kommend bei Trier auf die deutsche Autobahn, dann voller Erstaunen darüber, wie gelassen und großartig der GT selbst stundenlange Reiseetappen absolviert. Bei Basel in die Schweiz gewechselt und mit dem letzten Sonnenstrahl bei Andermatt ins Bett gefallen. Im Morgengrauen über den Gotthard-Pass hinüber nach Airolo. Kälte und Stille, oben unter dem Himmel. Hinunter nach Airolo, Serpentine an Serpentine im trittsicheren GT über das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster der alten Passstraße.

    Von Belgien nach Italien geht es mit dem Mercedes-AMG GT auch über die Alpen und den Gotthard-Pass.
    Der Mercedes-AMG GT arbeitet sich mit spielerischer Eleganz durch die Serpentinen der Alpen.

    Mit Eleganz durch die Serpentinen.

    Lugano, Milano, die endlosen, faden Autobahnetappen durch die oberitalienische Po-Ebene unter einem trüben Hochnebelhimmel. Dann am Meer entlang, Tunnel und Brücken an grauem Wasser. Fast schon in Monte Carlo habe ich keine Lust mehr auf Autobahn, Autostrada, Autoroute. Bei Menton biege ich nach Norden ab, die D2566 saugt mich ins Landesinnere. Immer höher klettert der GT, arbeitet sich mit spielerischer Eleganz in die Täler der Seealpen vor. Das Auto bewegt sich raubtierartig, entschlossen, einfach großartig. Hinter Sospel sehe ich endlich die Hinweisschilder zum Col de Turini, dem Sehnsuchtspass der Rallye Monte Carlo.

    Auf den Spuren alter Rallyehelden.

    In meinem Kopf flackern Bilder in Schwarz-Weiß oder verblichenem Sechziger-Jahre-Kodachrome: Rollkragenpullover, Schlaghosen, Sonnenbrillen, Vollgas-Jetset, enthemmt angasende Rallyehelden. Anfang der 1960er Jahre hat Mercedes-Benz hier, am Col de Turini, im 220 SE triumphiert. Kurz danach wurde „die Monte“ zum Sehnsuchtskatalysator, an dem sich heute noch ganze Rallyegenerationen abarbeiten, auch wenn die heißen Jahre vorüber scheinen. Der GT knurrt lässig durch die Serpentinen unterhalb der Passhöhe.

    Der Mercedes-AMG GT am Col de Turini, dem Sehnsuchtspass der Rally Monte Carlo.

    Als ich das Hinweisschild am Pass erreiche, bin ich jedoch maßlos enttäuscht: Der Col de Turini ist trist und langweilig, eine belanglose Straßenkreuzung im Hinterland. Also doch hinunter ins funkelnde Monte Carlo. Der lange Weg aus dem Norden ans Mittelmeer neigt sich seinem Ende zu.

    Der Mercedes-AMG GT schlängelt sich durch die malerische Landschaft Südfrankreichs.

    Durch den Hintereingang nach Monaco.

    In Menton angekommen wähle ich den Hintereingang nach Monaco: Ab auf die D22 nach Sainte-Agnés, das kleine Bergdorf klammert sich malerisch an die Felsen, und auch hier landet die Rallye regelmäßig. Gern würde ich in eines der netten Cafés oben im Ort, aber der GT zieht weiter. Weiter auf die D22, zum Col de la Madone, die Straße wird eng, Lavendel und Ginster wuchern über die Ränder. Der Berg wirft Steinbrocken nach uns, grimmig huscht der GT unter den Zinnen hindurch, faucht durch dunkle Tunnel und schneidet messerscharf entlang der Ideallinie. Dann spuckt uns die Straße wieder aus. Unterhalb von Peille explodiert der GT auf die D53, von hier aus stürzen wir uns hinunter ans Meer.

    Mit Vollgas durch Monaco.

    Bei La Turbie ist Monte Carlo erstmals zu sehen: Ein Heer von Wohntürmen, die sich übereinander- und hintereinanderstapelnd in der engen Bucht drängen, ein Gebäudesteinbruch, die Bauklötzchenkiste eines Riesen. Dazwischen schneidet der legendäre Formel 1-Kurs durch den Häuserdschungel. Gäbe es den Grand Prix nicht, hätten sich die Immobilienkönige der Stadt bestimmt schon längst etwas einfallen lassen, wie man die Straßen der Stadt überbauen könnte.

    Mit dem Mercedes-AMG GT durch den Häuserdschungel des legendäre Formel 1 Kurses in Monaco.

    Der Grand Prix prägt Monaco, er gibt dieser durchgeknallten Stadt zwischen Prozac und Champagner, Antidepressiva und Fashion, Obsession und Ausgelassenheit, Halt, Stolz und Klasse. Kaum auszudenken, wenn hier nicht mehr gefahren werden könnte.

    Wenn der Mercedes-AMG GT auf Touren ist, ist er nicht mehr zu stoppen und sorgt für den nötigen Adrenalinstoß.

    Nicht mehr zu stoppen.

    Irgendwann stranden der GT und ich am Casino, rollen aber gleich weiter nach Mirabeau: Irgendwo in der Maschine scheint ein geheimes Rennstreckenprogramm anzulaufen, der GT lässt sich nicht mehr stoppen. Ganz gierig gleitet er durch die berühmte Grand-Hotel-Haarnadelkurve, dann brodelt das Grollen des V8 durch den Tunnel unten am Meer. Schikane, beschleunigen, Fischtransporter, Motorroller, auf Zigarrenstummeln kauende Gemüsehändler, dann der Bogen vom Schwimmbad nach Rascasse.

    Das Rennen ist aus.

    Erst jetzt wachen wir aus unserer Hypnose auf, das Rennen ist aus. Wir sind angekommen. Traurig lasse ich den GT nach links zum Jachthafen ausrollen, finde tatsächlich einen Parkplatz dicht bei den gigantischen Luxusriesen – Motor aus. Wie festgeklebt bleibe ich sitzen. Die gesamte Reise flimmert für ein paar köstliche, sehr intensive Momente durch meine Synapsen. Dann ist der Speicher entladen. Ich steige aus, atme tief durch. Oben an den Bergen sickern gerade ein paar Nebelschwaden über die Grate, ziehen sich in Richtung Süden übers Meer. Dann lösen sie sich auf.

    Nach der langen Fahrt mit dem Mercedes-AMG GT kommt ein Spaziergang im Hafen Monte Carlos wie gerufen.

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