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  • Ein Hymer Wohnmobil auf Sprinter Basis fährt durch die grüne Hügellandschaft Schottlands.
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    Die Gesichter des schottischen Festlands: Ein Roadtrip mit dem Hymer.

    Vier Freunde unternehmen gemeinsam einen Roadtrip durch Schottland. Mit dem Hymer Wohnmobil fahren sie über das vielseitige Festland und treffen dort auf den Fotografen Ali und den weltbekannten Kilt-Designer Howie.

    Text:Aline Knobloch | Fotos: Linda Ambrosius

Edinburgh – die Hauptstadt der Gegensätze.

Die vier Freunde schlendern durch kopfsteingepflasterte Gassen, vorbei an einladenden Cafés und Pubs. Hohe, mittelalterliche Gebäude säumen die Straßen, auf denen ein reges Treiben herrscht. Keine Frage: In Edinburgh ist Schottlands lange Geschichte an jeder Ecke zu spüren, sie scheint buchstäblich in den hellbraunen Sandstein gemeißelt zu sein. Die schottische Hauptstadt ist zudem der Startpunkt des Schottland-Roadtrips mit dem Hymer Wohnmobil auf Basis eines Mercedes-Benz Sprinter. Dank ihrer Kontraste zieht Schottlands zweitgrößte Stadt alle sofort in ihren Bann. Gemütliche Kleinstadt oder weltoffene Metropole? Edinburgh will sich einfach nicht entscheiden. Wahrscheinlich macht genau dies die Faszination der Stadt aus, die rund eine halbe Million Schottinnen und Schotten ihre Heimat nennen.


Eine Einkaufsstraße in Edinburgh: Menschen flanieren neben hohen, alten Gebäuden.
Howie Nicholsby steht vor einer Wand, an der Bilder aufgehängt sind, neben ihm eine Kleiderstange.

Ein Besuch bei Modelegende Howie Nicholsby.

Dieses Zusammenspiel aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne lässt sich auch an Edinburghs Einwohnern wiederfinden. Hin und wieder taucht in der Menge das weltbekannte Wahrzeichen Schottlands auf: der Kilt. Dieser knielange Faltenrock wird traditionell von den Männern getragen – und zwar im Tartan, dem Karomuster des eigenen Clans. Howie Nicholsby jedoch langweilten diese karierten Kilts irgendwann. Ja, irgendwann, so sagt er, habe für ihn jeder Kilt gleich ausgesehen. Der 39-Jährige arbeitet als Kilt-Designer und gilt bereits als schottische Modelegende. „Ich mag es einfach zu experimentieren“, erklärt der kahlköpfige Mann mit Dreitagebart selbstbewusst.


Dem Schottenrock neuen Glanz verleihen.

Blauer Rock, passende Jacke, grüne Wollsocken und Stiefel – Howies Stil fällt selbst in Edinburgh auf. Der Schotte hat Hosen bereits vor 16 Jahren gänzlich abgeschworen. Auch Noel, Adrian und Marko wollen nun wissen, wie sich das Rocktragen als Mann anfühlt, und folgen Howie in seinen Laden „21st Century Kilts“. Das unscheinbar wirkende graue Haus überrascht im Inneren: Bunte Stofffetzen bedecken die Wände, Howies Blick schweift über neue Entwürfe aus Tweed, Leder und Jeans. „Mir gefällt es, viele Materialien miteinander zu kombinieren“, sagt er. Kein Kilt ist hier wie der andere, jedes Stück ist einzigartig. Das ist Howies Antwort auf die vermeintlich langweiligen Karos.


Jetzt sind die Jungs an der Reihe: Noel wählt ein graues Modell. Heutzutage werde der Kilt oft nur noch zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten getragen, sagt der Hausherr. Doch Howie gibt Männern auch im Alltag eine Alternative zur Hose: „Meine Kilts sitzen an der Hüfte statt oben an der Taille. Und sie haben praktische Taschen.“ Die Kunden sollen darin auch arbeiten können, meint er, sehr gefragt seien Kilts in Nadelstreifen-Optik.


  • Howie Nicholsby steht in einem Kilt vor einer mit bunten Stofffetzen behängten Wand in seinem Laden „21st Century Kilts“.
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Howie Nicholsby blättert durch ein Magazin, das Männer in Kilts zeigt

Ein 18-Jähriger mit einer revolutionären Idee.

Howie stammt aus einer Kiltmaker-Familie, die Eltern haben ihn das Handwerk in ihrem traditionsreichen Geschäft gelehrt. „Doch irgendwann wollte ich nicht länger nur Sohn des Chefs sein“, blickt er zurück. Inspiriert von der exzentrischen englischen Mode-Ikone Vivienne Westwood, geht Howie mit 18 seinen eigenen Weg. Das Ziel: den Kilt zu revolutionieren. „Die provokativen Ideen haben meinem Vater nicht immer gefallen“, gibt Howie zu. Er zeigt auf Röcke mit Leuchtprotektoren.


„Ein Kilt muss keinen Tartan haben.“

Der große Aufschrei erfolgt jedoch nach Howies erstem Auftritt auf der Londoner „Men’s Fashion Week“. Kritiker nennen seine modernen Entwürfe eine „Schande für Schottlands Traditionen“. „Sie sagten: Ein Kilt aus Hanf, das ist kein echter Kilt“, blickt Howie zurück. Er hält dagegen: „Ein Kilt muss keinen Tartan haben. Er bleibt auch in anderen Mustern ein Ausdruck unserer nationalen Identität.“ Damit spricht er vielen Schotten aus der Seele – die Kunden von „21st Century Kilts“ nehmen mittlerweile lange Wartezeiten in Kauf.


Selbst Weltstars haben Howie entdeckt: Auf den Fotos, die in Howies Laden hängen, sind unter anderem die Sänger Robbie Williams und Lenny Kravitz sowie der Schauspieler Vin Diesel zu erkennen. Howie hebt trotz des Erfolgs nicht ab. Der zweifache Vater lädt die Freunde auf ein Bier ein, lacht über sich selbst. Er erklärt: „Gelassenheit ist typisch schottisch. Wir machen uns auch über Dinge wie Mode einfach keinen großen Kopf.“


Das Hymer Wohnmobil auf Sprinter Basis fährt neben einem See in grüner Landschaft.

Mit dem Hymer in die märchenhafte Natur.

Auch, wenn den Freunden Edinburgh ans Herz gewachsen ist: Sie wollen noch mehr vom schottischen Festland sehen, noch mehr seiner Menschen treffen. Also setzen sie sich wieder in den Hymer auf Sprinter Basis und verlassen die Stadt. Schnell ergibt sich beim Blick nach draußen ein ganz anderes Bild: Die Landschaft wird grüner und weitläufiger. Die vier erreichen den Nationalpark Loch Lomond & The Trossachs und parken das Wohnmobil vor dem See. Schneebedeckte Gipfel in der Ferne, zahlreiche grüne Inseln, die im Wasser schwimmen: ein verträumter Ort. Hier sind die Freunde mit Ali Horne verabredet.

Ali, ein Fotograf voller Liebe zu Schottland.

Ali ist ein ruhiger Typ mit freundlichem Blick. Die Kapuze seiner orangefarbenen Regenjacke weit über den Kopf gezogen, setzt sich der junge Schotte neben die Freunde und blickt ehrfürchtig aufs Wasser. Feine Nebelschwaden ziehen über den See, lassen ihn mystisch erscheinen. Ali wirkt von der Natur ebenso beeindruckt wie jeder Tourist – obwohl solche Orte für ihn Alltag sind: Er ist Landschaftsfotograf und die Reise zu den schönsten Plätzen dieser Welt ist Teil seiner Arbeit. Besonders am Herzen liegt dem 24-Jährigen jedoch sein Heimatland.


Ali Horne steht in einer orangenen Regenjacke in einer nebligen, grünen Hügellandschaft und hält eine Kamera in der Hand.
Die Reisenden sitzen mit Rettungsweste in einem Kanu, das auf dem See Loch Lomond fährt.

Eine Kanufahrt über den Loch Lomond.

Gemeinsam mit Ali fahren Linda, Noel, Marko und Adrian mit dem Kanu auf den Loch Lomond. Der See ist unruhig, die Wellen schlagen gegen das Boot. „Als ich ungefähr elf war, habe ich mit dem Fotografieren angefangen. Meine Mutter hat mir damals meine erste Kamera gekauft“, blickt Ali zurück. Er macht Bilder auf Schulfesten, an Feiertagen. Bis er 2014 in die USA reist, hält er die Fotografie noch für ein Hobby. Dann beginnt Ali, seine Landschaftsaufnahmen zu veröffentlichen. Und bemerkt plötzlich: Er hat kaum Bilder von seiner Heimat.


„Ich liebe die Größe dieser Orte.“

Seitdem bereist Ali ganz Schottland, immer auf der Suche nach den schönsten und erhabensten Motiven. „Die weitläufigen Landschaften, Küstenlinien und Gebirgsketten haben mich schon immer begeistert. Ich liebe die Größe dieser Orte und wie man sich in ihrer Gegenwart plötzlich ganz klein und unbedeutend fühlt.“


Die Freunde steigen aus dem wackligen Kanu und wandern auf eine kleine Anhöhe. Ali lässt sich vom nieselnden Regen nicht irritieren, Schritt für Schritt kämpft er sich durch den Matsch. Der Schotte lacht: „Unser Wetter ist vielleicht nicht das beste. Aber keine Angst: Der Ausblick macht das wett!“


  • In einer nebligen, abgeschiedenen Landschaft mit steilem Felshang fährt der Mercedes-Benz Hymer.
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Ein Traumjob – doch nicht mühelos.

Alis Beruf wirkt oft einfach, fast wie Urlaub. Und doch: Seine Arbeit als Fotograf ist alles andere als mühelos. „Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten. Manchmal habe ich viel Stress, manchmal ist es ruhig.“ Denn obwohl Ali mit seinen Bildern zahlreiche Menschen inspiriert – es gab Zeiten, in denen Aufträge und damit auch Einkommen ausblieben. „Natürlich ist es ein Rückschlag, wenn man einen Job nicht bekommt, den man sich sehr gewünscht hat.“ Ali arbeitet deshalb in Teilzeit bei einer Werbeagentur.


Die meiste Zeit will er trotzdem für die Fotografie aufbringen: „Sie hat mich nicht nur gelehrt, die Natur zu respektieren – sondern auch, niemals etwas für selbstverständlich zu halten. Wer nicht aufgibt, entdeckt auch immer Möglichkeiten.“ Mit Alis Worten im Hinterkopf setzen sich die vier Freunde wieder in ihr Hymer Wohnmobil und brechen auf, um noch mehr über Schottland und seine Menschen zu erfahren.