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  • Mercedes-Benz Vans, Matternet und siroop starten Pilotprojekt zur On-Demand-Lieferung von e-Commerce-Produkten in Zürich.
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    Der Van als Mutterschiff.

    Neue Techniken verbessern die Transport-Logistik. Drohnen, intelligente Türen und Kamerasysteme erleichtern die Arbeit der Fahrer und Flottenmanager.

Fliegende Transportmittel.

Die urbane Logistik ist bislang eine sehr bodenständige Aufgabe. Als letztes Glied der Lieferkette rollen Transporter durch die Straßen, um die Waren auszuliefern – stoßen allerdings angesichts des rasant steigenden Internethandels zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Inzwischen müssen Logistikunternehmen allein in Deutschland jedes Jahr 3,35 Milliarden Sendungen ausliefern, Tendenz stark steigend. „Wer heute bestellt, will seine Order so schnell wie möglich in den Händen halten“, erklärt Corinna Elosge, Projektleiterin Vans & Drones bei Mercedes-Benz Vans.

Um dieses Ziel zu erreichen, kombiniert Mercedes-Benz Vans jetzt bodengebundene und fliegende Transportmittel. Beim Konzept „Vans & Drones“ wird eilige Fracht durch die Luft an einen Sprinter geliefert, der so zu einem Mutterschiff für die „Luftfracht“ wird.


Der Mercedes-Benz Sprinter als mobile Drohnenbasis.
Mercedes-Benz Vans, Matternet und siroop starten Pilotprojekt zur On-Demand-Lieferung von e-Commerce-Produkten in Zürich.

Mobile Infrastruktur.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Zürich, im Rahmen dessen vor einem Jahr diese innovative Zustellmöglichkeit getestet wurde, zeigte Mercedes-Benz Vans auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover nun eine Weiterentwicklung des Projekts. Dabei haben die Entwickler eine clevere Lösung gewählt: Die Pakete werden von einer Lastdrohne nicht direkt an den Kunden geliefert, sondern zu einem Zustellfahrzeug gebracht, sodass der Van die finalen Meter der letzten Meile zum Kunden absolviert. Schließlich sind die wenigsten Wohnungen so ausgelegt, dass dort Drohnen landen können, weshalb „eine Drohnenbelieferung direkt an den Endkunden heute noch schwierig ist“, so Elosge.

„Daher ist es sinnvoll, bei der Belieferung durch die Drohne einen anderen Ansatz zu wählen, den mobilen Landeplatz. Zudem muss auch keine eigene Infrastruktur beim Endkunden aufgebaut werden. Wir sprechen bei unserer Lösung daher auch von einer mobilen Infrastruktur.“ Auf diese Weise verringern sich Aufwand und Kosten. Gleichzeitig erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der die Waren ausgeliefert werden können. Zudem steigt die Sicherheit, weil keine direkte Interaktion zwischen Empfänger und Drohne notwendig ist.

Drohnen im Van.

Die Lösung ist wesentlich flexibler, denn das „Sprinter-Mutterschiff“ kann so auch während der Tour von dem fliegenden Lastenträger angesteuert werden, sobald die Logistikzentrale den Fahrer entsprechend informiert hat. Gleichzeitig ist es möglich, Sendungen zwischen zwei Fahrzeugen hin- und herzutransportieren. Und weil die Drohne eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 70 km/h erreicht und den direkten Weg durch die Luft nehmen kann, ist sie gerade in städtischen Gebieten wesentlich schneller als straßengebundene Transporter. Mit dieser Kombination aus einem speziell ausgerüsteten Sprinter und Drohne wird eine Belieferung aus der Luft im urbanen Umfeld überhaupt erst möglich.

Der für den „Lufttransport“ ausgerüstete Sprinter besitzt bis zu zwei Landeplätze und einen Aufklappmechanismus, um die Drohnen im Van zu ent- und bei Bedarf auch zu beladen. Außerdem wurde ein Stauraum für die Drohnen geschaffen, in welchem sie gelagert werden, wenn sie nicht direkt wieder eingesetzt werden müssen. Dank dieser Innovation können die „Flugpläne“ für die Drohnen flexibel gestaltet werden.


„Vans & Drones“: Der Mercedes-Benz Sprinter als mobile Drohnenbasis.

Amerikanisches Start-up Matternet.

Die Nutzlast der Drohnen beträgt aktuell zwei Kilogramm. Lieferant ist das US-amerikanische Start-up Matternet. Die Reichweite der Flugkörper liegt bei maximal 20 Kilometern. Im Sprinter lagern Ersatzbatterien, damit die Drohne bei Bedarf ein weiteres Ziel ansteuern oder ins stationäre Warenlager zurückfliegen kann. Das Gerät wird von einem übergeordneten Leitsystem an seinen Bestimmungsort gesteuert, fliegt automatisiert auf programmierten Routen selbstständig sein Ziel an und orientiert sich dabei via GPS-Signal.


Die auf dem Sprinter montierte Landeplattform sendet ein Infrarotsignal an die Drohne, um eine zentimetergenaue, automatisierte Landung zu ermöglichen. In einer weiteren Ausbaustufe des Systems wird der elektrisch angetriebene Sprinter zum Einsatz kommen. Die Matternet-Drohnen werden bereits seit mehr als einem Jahr kommerziell ohne Zwischenfälle eingesetzt. Ein Labor in Zürich nutzt die Flugkörper zum Beispiel, um in speziellen Boxen verpackte Blutproben zwischen Krankenhaus und Labor zu transportieren.


„Vans & Drones“: Der Mercedes-Benz Sprinter als mobile Drohnenbasis.

KI im Laderaum.

Neben der Zustellung aus der Luft für besonders dringende Sendungen optimiert Mercedes-Benz Vans weiterhin auch die rein Transporter-basierte Logistik. Das neu entwickelte System CoROS (Cargo Recognition and Organisation System) wird den Sprinter-Fahrern in Zukunft die Arbeit deutlich erleichtern. Das intelligente kameragestützte System erkennt und registriert innerhalb von Sekundenbruchteilen die Pakete automatisch über ihre Strichcodes und erspart dem Fahrer dadurch das zeitraubende, händische Scannen und Sortieren der Ladung. Einmal registriert, zeigt das System dem Fahrer mittels aufleuchtender LEDs im Van den optimalen Ablageort an, definiert wird dieser Platz über die Reihenfolge der Auslieferung. Weiterer Vorteil: CoROS verhindert Fehlbeladungen, indem es den Fahrer akustisch und optisch warnt, wenn das System ein fehlgeleitetes Paket erkennt.

Während der Fahrt wird die Ladung zusätzlich überwacht, sodass Fahrer und Flottenmanager auch dann noch jederzeit wissen, wo sich die Pakete befinden, sollten die Sendungen einmal nach einer abrupten Bremsung ihren Platz verloren haben. Auch Retouren werden automatisch erfasst. Mit CoROS lässt sich die Zeit für die Beladung um rund 15 Prozent verringern und so die gesamte Lieferkette deutlich optimieren, das haben erste Testläufe in den USA und Europa gezeigt.


Schneller aus- und einsteigen.

Bei der urbanen Logistik zählt jede Minute. Daher hat Mercedes-Benz Vans eine spezielle, automatisch öffnende Doppelschwingtür für den Sprinter entwickelt, die sich entriegelt und öffnet, sobald der Fahrer in den Laderaum wechselt. Der Fahrer muss die Pakete in Zukunft nur noch in die Hand nehmen. Hat er den Laderaum verlassen, schließt die „Speed Delivery Door“ automatisch nach wenigen Sekunden wieder. Die zeitliche Ersparnis liegt pro Stopp bei bis zu zehn Sekunden. Das mag nicht viel erscheinen, summiert sich allerdings bei einer Tagestour mit 150 Stopps auf 25 Minuten. Außerdem profitieren Rücken und Gelenke des Fahrers von der Doppelschwingtür. Diese Neuerung ist vom kommenden Jahr an als Sonderausstattung für den Sprinter lieferbar.

Ebenfalls um Zeitgewinn geht es bei einer weiteren Innovation von Mercedes-Benz Vans. Rund um die Materiallogistik verbringen Servicetechniker heute viel unproduktive Zeit, etwa für das Zwischenlagern von Material, oder um nicht benötigte Teile zurückzubringen. Dieser Zeitaufwand lässt sich in Zukunft mittels der digitalen Lösung In-Van Delivery & Return (IDR) reduzieren.


„Vans & Drones“: Der Mercedes-Benz Sprinter als mobile Drohnenbasis.
Der elektrisch angetriebene Mercedes-Benz Vision Van ist mit Drohnen und intelligenter Automatisierungstechnik ausgestattet.

In-Van Delivery & Return.

Über IDR können Disponenten und Servicetechniker diese Aufgaben an Logistikunternehmen übertragen, die nachts die benötigten Teile schlüssellos in den Van liefern und nicht mehr benötigte Materialien abholen. Für den Servicetechniker entfallen damit zeitraubende Wege zur Zentrale. Die gewonnene Zeit kann für produktive Tätigkeiten genutzt werden. Darüber hinaus kann der Disponent selbst wählen, welches Logistikunternehmen beauftragt werden soll und Zugriff auf das Fahrzeug erhält. Auch für Speziallogistiker ergeben sich mit In-Van Delivery & Return Effizienzsteigerungen. Dank der digitalen Integration im Handscanner des Fahrers ist kein aufwendiges Schlüsselhandling mehr nötig. Fahrzeuge, die nicht immer am gleichen Parkplatz abgestellt werden, können in der Nacht durch GPS-Lokalisierung zuverlässig gefunden werden. Der neue Service wird bereits erfolgreich von ersten Kunden erprobt und wird vom kommenden Jahr an von weiteren Unternehmen eingesetzt werden können.


Innovative Lösungen für die letzte Meile.

Die Zukunftsinitiative adVANce von Mercedes-Benz Vans konzentriert sich auf drei Innovationsfelder: Konnektivitäts- und IoT-Anwendungen, um verschiedene Technologien in die Transporter zu integrieren (digital@vans), die Entwicklung innovativer Hardware-Lösungen für die Transportbranche (solutions@vans) und neue Mobilitätskonzepte für den Transport von Menschen und Waren (mobility@vans).


Bei digital@vans steht die Vernetzung neuester Technologien mit dem Transporter im Mittelpunkt, während bei solutions@vans unter anderem automatisierte Laderaumsysteme für Transporter entwickelt werden. mobility@vans hat zum Ziel, intelligente Mobilitätskonzepte für Menschen und Güter zu entwickeln. Dazu gehört auch, mittels der Kombination verschiedener Technologien, den Transport auf der letzten Meile zu optimieren.