Back
Back
  • Ein Sprinter fährt auf einer Küstenstraße.
    1

    Odin fährt Sprinter: Polizeieinsatz auf den Färöer Inseln.

    Es ist etwas ganz Besonderes, Polizist auf den Färöern zu sein. Warum? Begleiten Sie uns einen Tag mit dem Sprinter 316 CDI und dem Speedboot von Kommissar Heri Andreassen.

    Fotos: Ralf Kreuels

Die Insel der seekranken Wikinger.

Der Sage nach brach um 800 n. Chr. eine Flotte Wikingerschiffe aus Norwegen in Richtung Island auf. Diejenigen, die unterwegs seekrank wurden, ließ man auf den Färöern aussteigen. Damit begann die eigentliche Besiedlung der Inselgruppe. Heri Andreassen hat von diesem Erbe nicht viel abbekommen – zumindest wird er nicht seekrank.

Der Kommissar der Färöer Polizei ist Profitaucher und verantwortlich für die Einsätze des hochseetauglichen Speedboots der Ordnungshüter auf den Felseninseln. Dafür sollte er auch seefest sein, denn die See ist oft rau rund um die Eilande, auf denen heute knapp 48.000 Menschen wohnen.

Die Polizisten sind in ihrem Speedboot unterwegs

Präsenz auf hoher See.

Das Speedboot, eine Polarcirkel 760, die auf den Namen „Odin“ getauft ist, kann von zwei mächtigen Außenbordern innerhalb kürzester Zeit auf annähernd 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt werden. Das Boot wird eingesetzt, um Alkohol- und Passkontrollen auf Seglern und Motorbooten durchzuführen, die in die Gewässer einfahren. Auch wenn politische Aktivisten ohne Genehmigung auf See protestieren, zum Beispiel gegen das traditionelle Schlachten von Grindwalen in den färöischen Fjorden, treten Heri Andreassen und seine Männer in Aktion.

Großeinsatz zum Länderspiel.

Allerdings arbeitet der 52-Jährige mit dem verschmitzten Lächeln meistens an Land als einer der Chefs der Wachzentralen in der Hauptstadt Thorshavn. Gibt es einen größeren Einsatz, zum Beispiel ein Fußball-Länderspiel oder einen schweren Verkehrsunfall, dann springen die Beamten in ihre zwei Sprinter und fahren zum Ort des Geschehens. Während der eine Sprinter primär als Transporter für Spezialkräfte eingesetzt wird, dient der andere den Polizeiführern als mobile Kommandozentrale. Außerdem transportiert er die Mannschaft des Speedboots und bringt es bei Bedarf mit seinem Trailer sicher zu Wasser.

Sprinter lässt Speedboot auf Anhänger zu Wasser

Jeder kennt jeden auf den Inseln.

Das alles klingt nach einem aufregenden Job. Aber meist ist es ruhig und eine der wichtigsten Führungsaufgaben von Andreassen ist, dass seine Mannschaft operativ immer für den Notfall gerüstet ist. Dafür hat sich der vierfache Vater immer wieder in Kopenhagen weiterbilden lassen. Es besteht dennoch ein großer Unterschied zwischen der Arbeit als Polizist in Dänemark und auf den Färöern.

„In Dänemark fahre ich zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang und kenne das Opfer nicht. Hier kennt jeder jeden und so ist man in besonderer Weise belastet und trauert mit den Angehörigen“, sagt Andreassen, der schon beides erfahren hat.

Ein Sprinter fährt durch ein traditionelles Dorf

Tradition und Zusammenhalt.

Nicht nur die Polizeiarbeit, auch viele andere Lebensbereiche unterscheiden sich in Dänemark und auf den Färöern stark, berichtet Andreassen weiter. „Wie die Dänen bilden wir zwar auch eine moderne Gesellschaft mit allen Annehmlichkeiten und einer Grundsicherung, aber unser Volk lebt seit mehr als 1.000 Jahren auf den Inseln. Wir haben eine eigene Sprache, eine eigene Mentalität und sind stark mit der Natur verbunden.“ Ein weiterer großer Unterschied ist das Gemeinschaftsgefühl. Wer im rauen Klima des Nordatlantiks überleben will, muss sich aufeinander verlassen können.

Ein gesetzestreuer Pirat.

Nur acht der Inseln des Archipels sind über Brücken oder Tunnel miteinander verbunden, der Rest ist auf regelmäßig verkehrende Fähren oder Hubschrauber angewiesen. In vielen Fällen kommt die Polizei am schnellsten mit dem Boot ans Ziel. Dann sind die Dienste von Heri Andreassen gefragt, der auch bei hohen Wellen immer einen kühlen Kopf bewahrt und nicht seekrank wird. Seiner dunklen Haare wegen ziehen ihn manche Kollegen auf, er sei vermutlich ein Abkömmling jener nordafrikanischen Piraten, die um 1600 auf den Färöern ihr Unwesen trieben. „Vielleicht bin ich deswegen seefest“, meint Andreassen mit einem Schmunzeln. „Piraten werden natürlich nicht seekrank.“

Ein Sprinter vor einem Fjord und bergigem Gelände