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WLTP: Neue Zertifizierungsregularie.

Ab dem 01. September 2017 wird mit dem WLTP ein neues Verfahren für Verbrauchs- und Abgastests eingeführt, das näher am realen Fahrgeschehen orientierte Testergebnisse liefern soll als der bisherige NEFZ. Alle neu entwickelten Fahrzeuge bzw. mit neuen Aggregaten ausgestatteten Fahrzeuge werden ab September 2017 nach WLTP zertifiziert. Ab September 2018 gilt die WLTP-Regularie dann für alle weiteren neu zuzulassenden Fahrzeuge. Entsprechend wird Mercedes-Benz das Pkw-Portfolio bis August 2018 auf WLTP zertifizieren. In der Übergangsphase werden parallel Fahrzeuge mit WLTP und NEFZ angeboten. Des Weiteren wird es einen mit den Randbedingungen des WLTP abgeleiteten NEFZ-Verbrauchswert geben, welcher auch höher ausfällt. Dieser wird bis 2020 in den Verkaufsunterlagen zu finden sein.


Unberücksichtigte Effizienzfaktoren.

Da Fahrzeuge immer effizienter werden, sinken die im Prüfzyklus ermittelten Werte. Bleibt gleichzeitig der Mehrverbrauch durch Komfortfunktionen, die im NEFZ nicht erfasst werden, konstant, steigt die Abweichung prozentual an. Andere technische Gegebenheiten spielen auf dem Prüfstand nur eine geringe oder gar keine Rolle, wirken aber im realen Verkehr umso mehr: So ist die Aerodynamik ein entscheidender Effizienzfaktor im realen Überlandverkehr, der im NEFZ jedoch unberücksichtigt bleibt. Im WLTP fließen alle Sonderausstattungen, die Einfluss auf Fahrzeug-Aerodynamik, Rollwiderstand, Fahrzeugmasse oder Stromverbrauch haben, in die Bewertung ein. Ausgenommen ist in der ersten Stufe des WLTP nur die Klimaanlage. Somit werden die WLTP-Verbrauchswerte in den meisten Fällen höher, aber realistischer ausfallen.


Der NEFZ ist überholt.

1970 trat der erste europäische Fahrzyklus in Kraft. 1992 wurde dieser über den Stadtverkehr hinaus erweitert. Dieser Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) ist der aktuell gültige Prüfzyklus. Die Ergebnisse sind über Hersteller hinweg vergleich- und reproduzierbar. Dem realen Fahrverhalten kann ein Prüfzyklus jedoch nicht gerecht werden. Faktoren wie Fahrweise, Nutzung von Komfortfunktionen oder der durch zusätzliches Gewicht erhöhte Rollwiderstand begünstigen eine Abweichung. Viele der Technologien zur CO2-Reduzierung wirken auf dem Prüfstand oft stärker als auf der Straße, etwa ein Start-Stopp-System. Aufgrund des kontinuierlichen technischen Fortschritts ist der NEFZ inzwischen überholt. Mit dem Ziel, einen weltweit gültigen Prüfzyklus zu etablieren, wurde länderübergreifend der WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) erarbeitet.


Die wichtigsten Neuerungen.

Im Gegensatz zum NEFZ dauert der WLTP-Fahrzyklus zehn Minuten länger und kommt nur noch auf 13 Prozent Standzeit. Die gesamte Zykluslänge beträgt 23,5 Kilometer – ist also mehr als doppelt so lang wie der NEFZ mit 11 Kilometern. Er beinhaltet höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten bis 131 km/h, setzt die Fahrzeuge stärkeren Temposchwankungen aus und macht deutlich striktere Prüfvorgaben. Darüber hinaus wird nicht mehr wie bislang nur die Basisvariante eines Modells getestet, sondern es werden Zusatz- und Sonderausstattungen berücksichtigt. Die Schaltpunkte werden fahrzeug- sowie antriebsstrangspezifisch im Vorfeld berechnet. Handschalter profitieren von dieser individuellen Berechnung im Vergleich zu den fest vorgegebenen Schaltpunkten unter NEFZ.


Das neue Geschwindigkeitsprofil.

Der größte Nachteil des NEFZ ist der hohe Anteil von Konstantfahrt (40 Prozent) und der vergleichsweise geringe Anteil an Beschleunigungsfahrt (21 Prozent). Damit bildet der NEFZ vor allem einen städtischen Fahrzyklus ab, der kaum realistische Messwerte zulässt. Die neue WLTP kennt hingegen vier unterschiedliche Phasen: bis 60, bis 80, bis 100 und über 130 km/h. Sie dienen der Simulation von Stadt-, Über­land- und Autobahnfahrten. Die Unterschiede zwischen den Messverfahren sind an dem nebenstehenden Diagramm deutlich zu sehen und ermöglichen ein Messverfahren, das im Sinne des Endverbrauchers deutlich näher an der Realität ist.