Der Mercedes-Benz Future Truck 2025.

Selbstständig unterwegs: Der Fern-Lkw der Zukunft.

Gastbeitrag des Mercedes-Benz next Magazins: Der Mercedes-Benz Future Truck 2025 gibt einen Ausblick auf autonom fahrende Lastwagen – und die Logistikbranche von morgen.

Text: Peter Thomas
  • Selbstständig unterwegs: Der Fern-Lkw der Zukunft.

  • Der selbststeuernde LKW.

    Die Revolution kommt ganz entspannt daher: Ruhig und sicher gleitet der Mercedes-Benz Future Truck 2025 mit 85 km/h über die Autobahn. Das Gespann bremst und beschleunigt präzise, fährt mittig auf der rechten Spur im fließenden Verkehr. Doch die Szene ist alles andere als Routine. Denn der Fahrer sitzt zwar hinter dem Steuer, doch er schaut auf seinen Tablet-Computer, kümmert sich um die Planung der nächsten Tour und überprüft anschließend den Zustand der auf intelligenten Paletten verstauten Fracht im Auflieger.

    Während der Truck selbstständig fährt, kann sich der Fahrer anderen Aufgaben widmen.

    Gefahren wird sein Lastwagen vom automatischen System „Highway Pilot“: Der Mensch denkt, während die Maschine lenkt.

    Informationen via V2V-Kommunikation: Der Future Truck 2025 macht automatisch den Weg frei für ein herannahendes Einsatzfahrzeug.

    „Vehicle to Vehicle Communication“.

    Auch besondere Situationen bewältigt die seriennahe Studie eines autonom fahrenden Lkw problemlos: Der Truck schert automatisch nach links aus, um mit gebührendem Abstand ein Pannenfahrzeug zu passieren. Dann fährt das Gespann ein wenig nach rechts und macht Platz für einen von hinten nahenden Einsatzwagen, der sich über den Datenaustausch zwischen beiden Fahrzeugen angekündigt hat.

    Das Verfahren ist insbesondere für kleinere Fahrzeuge unter dem Namen „Car-to-Car-Communication“ (C2C) bekannt, als Überbegriff wird „Vehicle-to-Vehicle-Communication“ (V2V) verwendet.

    Technologie-Standards der Zukunft.

    Der Fahrer findet inzwischen die Zeit, sich einen Parkplatz am nächsten Rasthof zu reservieren, Aufträge zu bearbeiten oder Kontakte über Videotelefonie zu pflegen. Erst als der Lkw die Autobahn verlässt, greift er wieder selbst zum Lenkrad und steuert den Actros ans Ziel. Daimler setzt mit den im Future Truck 2025 präsentierten Technologien den Standard für die Zukunft des Fernverkehrs: „Der Lkw der Zukunft ist ein Mercedes-Benz und fährt autonom“, betonte Wolfgang Bernhard, als Vorstandsmitglied von Daimler verantwortlich für Lkw und Busse, bei der Premiere des Future Truck im Juli 2014 auf einem gesperrten Autobahnteilstück bei Magdeburg.

    Durch die moderne Ausstattung und Leistungsfähigkeit des Future Trucks 2025 werden Effizienz, Sicherheit und Vernetzung gefördert.

    „Mit dem autonom fahrenden Nutzfahrzeug stellen wir einmal mehr die Weichen in der technischen Entwicklung für die kommenden Jahrzehnte – und zwar gleichermaßen hinsichtlich Effizienz, Sicherheit und Vernetzung.“

    Der Future Truck 2025 übernimmt viele Aufgaben, die den Alltag des Fernfahrers vorher belastet haben.

    Höhere Verkehrssicherheit durch Entlastung des Fernfahrers.

    Der Future Truck 2025 gibt einen Vorgeschmack auf die Entwicklung der Nutzfahrzeugtechnik in der nahen Zukunft. Auswirken werden sich diese Innovationen gleichermaßen auf Geschäftsmodelle der Logistikbranche wie auf die anstrengende Arbeit des Kraftfahrers. Dass der Alltag hinter dem Lkw-Lenkrad durch Faktoren wie Daueraufmerksamkeit, Zeitdruck und hohe Verkehrsdichte extreme Anforderungen an die Trucker stellt, bestätigt auch Klaus Ruff, stellvertretender Leiter Prävention bei der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) mit Sitz in Hamburg. Die intelligente Vernetzung von Assistenzsystemen bis hin zum automatisierten Fahren trage dementsprechend zur Verkehrssicherheit bei, betont Ruff.

    Der Truck wird zum Büro.

    Der Future Truck 2025 macht die Auswirkungen der modernen Technik greifbar. Insbesondere stundenlange, monotone Dauerläufe auf großen Fernstraßen, oftmals unter Zeitdruck könnten eigenständig agierende Trucks schon bald erleichtern. Der Fahrer übernimmt in dieser Zeit andere Aufgaben mit hoher Wertschöpfung für sein Unternehmen – dazu zählen beispielsweise die flexible Disposition der aktuellen Tour, die Planung kommender Aufträge und die Buchhaltung. Dabei kann sich der Kraftfahrer voll und ganz auf die Techniksysteme des Lastwagens verlassen, der dank seiner Sensorik und des Datenaustauschs mit der Umgebung sicher und effizient seinem Ziel entgegenfährt.

    Während der Future Truck 2025 selbstständig fährt, findet der Fahrer Zeit anfallende Büroarbeiten zu erledigen.

    „Wenn der Highway Pilot aktiv ist, wird das Fahren für den Trucker zur Nebensache“, bestätigt Sven Ennerst, Entwicklungsleiter Trucks bei Daimler.

    Radarsensoren überwachen unter anderem den Bereich vor dem Mercedes-Benz Future Truck 2025 – bis zu einer Entfernung von rund 250 Metern.

    Die Zukunft auf den Straßen.

    Unter Fachleuten herrscht Konsens darüber, dass selbständig agierende Fahrzeuge bald Realität auf den Straßen sein werden – seien es automatische Taxiflotten, Pkw im Individualbesitz oder Nutzfahrzeuge.

    Derzeit ist bereits in den vier US-Bundesstaaten Nevada, Florida, Kalifornien und Michigan der Betrieb autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Raum unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Großbritannien macht den Einsatz von Roboterautos seit 2013 möglich.

    Der Truck trifft seine Entscheidungen auf Basis eines dauerhaften Informationsaustausches mit anderen Fahrzeugen und dem stationären Kommunikationsnetz der Infrastruktur.

    Der autonom fahrende LKW als „voll vernetztes Schwarmwesen“.

    Der Highway Pilot des Mercedes-Benz Future Truck lenkt, bremst und beschleunigt zwar selbständig. Das System trifft seine Entscheidungen aber nicht ausschließlich auf Basis von eigenen Sensordaten. Vielmehr informiert sich der Lastwagen in erheblichem Maße durch den Datenaustausch mit anderen Fahrzeugen (V2V), mit dem stationären Kommunikationsnetz der Infrastruktur (Vehicle-to-Infrastructure, V2I) sowie der Standortbestimmung durch Satellitenortung. Als „voll vernetztes Schwarmwesen“ beschreibt deshalb Stefan Buchner, Leiter von Mercedes-Benz Trucks, den autonom fahrenden Lkw mit der futuristischen Tarnbeklebung.

    Die vierte industrielle Revolution.

    In diesem Prinzip der verteilten Intelligenz liegt die Zukunft nicht nur der Logistikbranche, sondern der Industrie insgesamt, sagt Sabina Jeschke. Die Professorin des Lehrstuhls für Informatik im Maschinenbau der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen stellt den Future Truck 2025 als Protagonisten der „Mobilität 4.0“ auf eine Stufe mit den Prozessen der digital vernetzten Produktion und Intralogistik. Solche Abläufe, die auf flexiblem Datenaustausch zwischen Maschinen, Fahrzeugen, Lagern und anderen Elementen industrieller Prozessketten basieren, bilden das Rückgrat der sogenannten vierten industriellen Revolution. Auch Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund betont, dass „die Effizienzpotenziale der Zukunft nicht im Fahrzeug allein, sondern im Zusammenspiel von Fahrzeugen, Infrastruktur und Logistiksystem“ liegen.

    Als Protagonist der „Mobilität 4.0“ steht der Future Truck 2025 auf einer Stufe mit den Prozessen der digital vernetzten Produktion und Intralogistik.

    Der Mercedes-Benz Future Truck 2025 zeigt schon heute, wie die Zukunft des intelligent vernetzten Güterverkehrs aussehen wird.

    Die Möglichkeiten des Future Trucks 2025 verbessern die Arbeitsbedingungen der Fernfahrer erheblich und wirken so dem Nachwuchsmangel entgegen.

    Fernfahrer als attraktive Berufsoption.

    Dass autonom fahrende Nutzfahrzeuge den Güterfernverkehr verändern werden, ist eine große Chance für die Logistikbranche. Denn die Transportindustrie muss sich der doppelten Herausforderung eines ausgeprägten Nachwuchsmangels und des als wenig attraktiv geltenden Berufsbilds Kraftfahrer stellen. Wie notwendig es ist, hier aktiv zu werden, hat bereits die 2012 präsentierte, mit Unterstützung des Automobilzulieferunternehmens ZF Friedrichshafen erstellte erste Studie zur Zukunft der Fernfahrer gezeigt: Dabei nannten 87 Prozent der befragten Berufsanfänger bessere Arbeitsbedingungen als wichtiges Ziel künftiger Entwicklungen. Daran hat sich seither nichts geändert, wie 2014 die zweite Auflage der ZF-Zukunftsstudie zeigte.

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