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  • Franz Josef Keilhofer lauscht werktags den drehenden Hölzern an seiner Drechselbank.
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    Ginger Wood – Ein schräger Drechsler und seine Kunst.

    Ein junger Bayer hält ein altes Handwerk am Leben: das Drechseln. Franz Josef Keilhofer lauscht werktags den drehenden Hölzern an seiner Drechselbank und schreit an den Wochenenden ins Mikro seiner Hardcore-Band.

    Text: Bastian Fuhrmann | Fotos: Nadine Schachinger

Botschafter für Tourismus.

Wer hätte dort oben solch ein Exemplar erwartet. Das Gebirge an dieser Stelle ist steil und schroff. 30 Meter ragt der Baum in die Luft. Schweiß tropft von der Stirn auf das gestochene Mühlenrad seines Unterarm-Tattoos – und treibt ihn nur mehr an. Mit einem Axthieb schlägt er den eingesetzten Keil in den klaffenden Spalt und schickt einen letzten Klang hoch in den Baumwipfel. Die Esche wankt und fällt. Keine zwei Meter davon entfernt steht Keilhofer – mit beiden Beinen fest am Boden, tief verwurzelt in diesem Stück Land. Der rotbärtige Volltätowierte ist auf den ersten Blick eher untypisch für diesen Fleck Deutschlands. Und doch hat ihn Bayern zum offiziellen Botschafter für Tourismus ernannt. Vielleicht gerade deshalb. Weil Keilhofer nonkonform ist, Ecken und Kanten hat. Eben ein Typ wie das Land. Er blickt die Esche entlang und sagt: „Der Baum ist vom Eschensterben betroffen. Er ist praktisch schon tot, und bevor das Holz komplett unbrauchbar ist, fälle ich ihn lieber. Ich habe der Esche quasi nur den letzten Rest gegeben. Doch sie wird weiterleben, in Form von ein paar schönen Schalen.“


Der rotbärtige Volltätowierte ist auf den ersten Blick eher untypisch für diesen Fleck Deutschlands. Und doch hat ihn Bayern zum offiziellen Botschafter für Tourismus ernannt.

Viel mehr als nur reines Rohmaterial.

Jetzt mustert er seine unbearbeitete Holzsammlung in der Scheune: „Manches Holz ist wie Wein, es muss reifen. Man darf nur nicht den richtigen Zeitpunkt der Lagerung verpassen“, sagt er, der keinen Alkohol trinkt. In Keilhofers Lager befinden sich am Ende bis zu 40 Holzsorten, die auf den passenden Moment der Verarbeitung warten. Jede Art unterliegt einer unterschiedlich langen Reifezeit. Manches Holz muss innerhalb von Wochen weiterverarbeitet werden. Eiche lagert am besten mindestens fünf Jahre als Stamm. Erst wenn das Äußere komplett verfault ist, lässt sich das Holz im Inneren perfekt bearbeiten. Bei Buche dauert es nicht ganz so lange, bis sich eine Marmorierung ausbildet. Doch Vorsicht: Bearbeitet man das Holz zu früh, ist das Muster noch nicht ausgeprägt. „Warte ich zu lange, zerfällt mir möglicherweise alles unter meinem Werkzeug“, erklärt Keilhofer.


So geht er ständig zwischen Werkstatt und Lager hin und her. Die vielen Holzsorten liegen abrufbereit und fein gestapelt in seinem Kopf. Keilhofer prüft mit allen Sinnen, denn für diesen Drechsler ist Holz viel mehr als nur reines Rohmaterial. Auf Franz’ Nase ist Verlass: Eiche duftet für ihn nach frischer Zitrone mit einem Schuss Essig. Olivenholz hingegen riecht nach Pflaume. Eibe kommt dunkler Schokolade ziemlich nah, Teakholz hat eine leichte Tabaknote. Und jetzt Augen zu und Film ab: Frisch geschnittene Esche riecht nach Popcorn. „Ich stehe im Dialog mit dem Holz. Mit ihm muss ich mich verständigen, manchmal muss ich mich ihm unterwerfen, ansonsten bin ich frei“, philosophiert Keilhofer auf dem Weg in seine Werkstatt. „Ich frage mich oft, wenn sich das Teil eines Riesen vor mir dreht: ‚Was hast du erlebt? Wer hat unter dir gesessen?‘“


Keilhofer nimmt einen reifen Rundling Holz und klemmt ihn in seine Drechselbank.

Ein Knochenjob.

Die Drechselbank wummert in der Werkstattecke, hinter dem kleinen Fenster liegt der freie Blick auf den 2.713 Meter hohen Watzmann, Bayerns imposantes Kalksteinmassiv. Keilhofer nimmt einen reifen Rundling Holz und klemmt ihn in seine Drechselbank. Der Kampf beginnt: Mit einer sogenannten Röhre, einer Art Meißel mit hohler Klinge, setzt er in einem bestimmten Winkel an und folgt der erdachten Form, ähnlich einem Töpfer, ohne einen Moment innezuhalten. Innerhalb weniger Sekunden verfangen sich in seinem Bart dicke Holzlocken, und nur Augenblicke später steht Keilhofer in einem Berg aus Spänen. Er darf jetzt nur noch durch die Nase atmen. Die austretende Feuchtigkeit des drehenden Holzes spritzt ihm entgegen. Sie hat bereits Spuren im vorderen Teil der Werkstatt hinterlassen, die Keilhofer mehrmals im Jahr überstreichen muss. An einer Stelle sieht es aus, als wäre ein Cross-Motorrad kurz aus dem Wald rein zu ihm an die Drechselbank, die Wand hoch- und ein Stück an der Decke entlanggefahren. „Drechseln ist ein Knochenjob. Doch erst wenn ich schwitze und das Holz zu singen beginnt, bin ich richtig bei mir. Es mag paradox klingen, aber ich brauche sogar den Gehörschutz, um genau hinhören zu können.“


Sinnbild von Bewahrung und Sicherheit.

Als er später die fertig gedrechselte Schale entnimmt, legt er sie zum Trocknen ab und blickt zufrieden durch seine beschlagene Schutzbrille. Manchmal bemalt Keilhofer seine Schalen noch mit bunter Kalkfarbe. Er drechselt auch Füllfederhalter oder Flaschenverschlüsse. Doch sein Herz legt er am liebsten in große Holzschalen. „Opferschalen, Feuerkelche, Wasserbecken: Das Prinzip Schale als Behältnis findet sich in Kultstätten, Tempeln und Gotteshäusern fast aller Religionen. Sie ist Sinnbild von Bewahrung und Sicherheit, Vorrat und Ruhe“, sagt Keilhofer. Er öffnet eine Schatulle und holt einen besonderen Schatz heraus: einen Hobel aus Fernost. „Die Hobel aus Japan sind irre scharf, und im Gegensatz zum deutschen Hobel ziehe ich ihn zu mir. Er ist viel sanfter zum Holz“, erklärt der Drechsler. Immer zum Herzen hin. Keilhofer liebt das Handwerkerdasein, jedes Werkzeug hat seinen festen Platz in der Werkstatt.


Franz Josef Keilhofer beim Zersägen eines Baumstückes.

Das Label „Ginger Wood“.

Dabei war der Weg dorthin nicht unbedingt immer geordnet. In der Schule hatte er zwar gute Noten, aber wenig Freunde, lernte Formbautechnik, studierte nach dem nachgeholten Abitur Ingenieurwesen, das er jedoch bald wieder aufgab, um sich nur noch dem Drechseln zu widmen. Keilhofer wollte sein Ding machen, frei sein und selbstbestimmt durchs Leben gehen. Von seinem letzten Geld kaufte er sich eine Drechselbank.


„Ginger Wood“ heißt sein eigenes Label, was auf Keilhofers rote Haare und seinen Lieblingswerkstoff zurückzuführen ist. Doch das Drechseln allein reicht zum Überleben nicht. Der Volltätowierte gibt Abiturienten Mathenachhilfe. „Ich muss vielen Schülern und Eltern natürlich erst einmal die Kinnlade schließen, wenn sie mich sehen“, sagt er und lacht. Wenn die wüssten, dass Keilhofer, wenn genügend Zeit da ist, noch als Sänger einer Hardcore-Band ins Mikro brüllt ...


Franz Josef Keilhofer mit dem Mercedes-AMG G 63 auf dem Land.

Die Erfolgsstatistik des Hardcore-Mathematikers.

Doch am Ende zählt die Erfolgsstatistik des drechselnden Hardcore-Mathematikers. Keilhofer lehrt jeden verlorenen Zahlensohn das nötige Verständnis von Stochastik und analytischer Geometrie. „Mathematik bedeutet Schönheit“, schwärmt der bärtige Drechsler. „Die Außenformen vieler meiner Schalen erinnern an den Verlauf einer Parabel im mathematischen Sinn.“ Spricht man Keilhofer auf sein Aussehen an, antwortet er ganz nonchalant: „Seit mehr als zehn Jahren trage ich meine Tattoos und meinen Bart. Ich habe ihn sprießen lassen, als noch kein Mensch wusste, dass Bärte mal die urbane Uniform der Kreativen und IT-Fuzzis werden würden“, sagt der 31-Jährige. Konformität und belanglose Postings auf Instagram und Facebook nerven den Drechsler. „Ob ich ein Künstler bin? Ich frage mich eher, ob ich überhaupt einer sein will.“


Franz Josef Keilhofer ist ein Maker.

Dabei gefällt dem Franz ein Gedanke des heiligen Franz: Wer mit den Händen arbeitet, ist ein Arbeiter. Wer mit den Händen und dem Kopf arbeitet, ist ein Handwerker. Und wer mit den Händen, dem Kopf und dem Herzen arbeitet, der ist ein Künstler. Frei nach Franz von Assisi. „Im Englischen nennt man Leute wie mich auch Maker. Macher. Das gefällt mir.“


Der Mercedes-AMG G 63 im bayrischen Wald.
Der Mercedes-AMG G 63 in der Detailansicht im bayrischen Wald.

Zahlreiche Features.

Zwei, die ihren Weg gehen und fast jedes Hindernis überwinden: Franz Josef Keilhofer und der neue Mercedes-AMG G 63. Der eine ist leidenschaftlicher Drechsler und in den Bergen zu Hause. Der andere bringt ihn ans Ziel seiner Träume. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit einem 585 PS starken 4,0-Liter-V8-Biturbomotor, 850 Newtonmeter Drehmoment und serienmäßig schaltbarer AMG Performance-Abgasanlage. Per Tastendruck sorgt die Abgasanlage für ein noch emotionaleres Klangbild des Motorsounds im Innenraum. Für die AMG-typische Driving Performance sind unter anderem auch der heckbetonte Allradantrieb (40:60), das extrem schnell schaltende 9-Gang-Automatikgetriebe sowie die adaptive Verstelldämpfung verantwortlich. Die zahlreichen Features wie die AMG-spezifische Kühlerverkleidung und die 22-Zoll-Räder verleihen dem Kultobjekt sein extrovertiertes Äußeres. Perfekt auf der Straße – und jenseits von Asphalt.