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  • Alex Iwans 380 SLC.
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    Innenspiegel: „Die Krankheit meines 380 SLC: Kontaktkorrosion.“

    Herr S. aus D. diagnostizierte die schlimme, ansteckende Krankheit meines 380 SLC: Kontaktkorrosion.

    Text: Alex Iwan | Fotos: Andreas Kühlken

Dieser Schaden brauchte Experten.

Es war ein Unfall fast im Stehen. Einem parkenden, tief schlafenden, friedlich schnarchenden Mercedes-Benz Klassiker direkt vor meiner Haustür die linke Schädelhälfte wegzuparken, ist schlimm. Mein fast schon körperlicher Schmerz wird auch nicht besser durch das therapeutische Schreiben hier. Dass Unfälle, auch wenn sie noch so klein erscheinen, nicht durch Vorsatz passieren, ist klar. Klar sollte allen Beteiligten aber auch sein, dass man ein klassisches Fahrzeug bei einem Unfall nicht verbeult. Sondern verletzt. Ich habe also das zerschredderte Scheinwerferglas und die äußeren Umstände weggeatmet wie eine Presswehe. Das Immunsystem meines 380 SLC hatte jetzt vorne links eine offene Splitterflanke. Da konnte nur eines helfen: sofort Herrn S. von der Niederlassung an der Schlossstraße in D. konsultieren. Der Einzige, der mich versteht und auch fließend 380 SLCisch spricht. Dieser Schaden brauchte Experten, nicht mich.


Alex Iwans 380 SLC.
Alex Iwans 380 SLC.

Er murmelte, ich hörte zu.

Ich hörte aufmerksam zu, während wir beide das Fahrzeug wie Reparatur-Satelliten umkreisten. Er murmelte, ich hörte zu. Er diagnostizierte nicht nur den Schaden, sondern auch die weitaus schlimmere, ansteckende Krankheit meines 380 SLC: Kontaktkorrosion! „Das kaputte Scheinwerferglas zahlen wir gern selber“, hatte die Dame gesagt, die es auf dem Gewissen hat. Nicht wissend, dass man im Dunkeln gar nicht sehen konnte, was sie alles kaputtgefahren hatte. Also kam ein Sachverständiger dazu, um in der Mercedes-Benz Niederlassung den Schaden zu begutachten und einzuschätzen. Schnell war klar: Durch den Unfall war auch der Kotflügel zerkratzt und die Stoßstange lädiert. Der Sachverständige umkreiste zusammen mit Herrn S. von der Niederlassung an der Schlossstraße in D. hoch konzentriert meinen kaffeebraunen Mercedes.


Das war meine Sternstunde.

Im Nachhinein betrachtet: Das war meine Sternstunde. Die beiden Herren unterhielten sich angeregt im Summa-cum-laude-Fachchinesisch über dies und das … (liebe Leser, Sie kennen meine leidenschaftliche Abstinenz von technischen Themen). Doch dann klingelten meine Ohren. Da war es wieder, das fürchterliche Wort: Kontaktkorrosion! „Wissen Sie eigentlich, dass bei Ihrem Auto alles hier außen geschraubt ist? Heute wird bei Neuwagen nur noch geklebt, etwa diese Zierleisten. Da muss man genau hinschauen und auf erste Spuren von Kontaktkorrosion achten.“


Kontaktkorrosion kann auftreten, wenn unterschiedlich edle Metalle in direktem Kontakt stehen. Wenn etwa eine Edelstahlschraube in ein verzinktes Stahlblech geschraubt wird und an dieser Stelle Rostfraß beginnt. Kontaktkorrosion? Habe das nicht auch ich, irgendwie? Ist die Krankheit meines Mercedes schon auf mich übergesprungen? Ich habe auch oft engen Kontakt, den ich gar nicht möchte. Es scheint mir auch öfter, ich werde als Edelstahlschraube an irgendwelche Stahlbleche gepresst. Oder umgekehrt. Und zu was führt das? Rostfraß. Unangenehm. Diese tiefe Lebensweisheit kommt direkt aus einer Mercedes-Benz Garage.


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