Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Frühjahr/Sommer 2015.

Mit seinen Collagen stellt Kalen Hollomon Wirklichkeiten in Frage und präsentiert die MBFW Berlin aus seiner Perspektive.
Text: Aldona Kwiatkowski
Fotos: Marlen Mueller/Kalen Hollomon
  • Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Frühjahr/Sommer 2015.

  • Ob besondere Momente oder gewohnte Aktivitäten, Instagram ist die perfekte Bühne, um sein kuratiertes Ich mit der Welt zu teilen.

    Das kuratierte Ich.

    Es ist Sonntag, wir liegen am Pool von Freunden, lassen im Wasser unsere Beine hängen und quatschen leidenschaftlich über Ideen und Projekte. Für einen kurzen Augenblick verlassen wir die Idylle dieser Situation, zücken unsere Smartphones, um mal eben zu checken, ob die anderen auch so eine gute Zeit haben. Dabei stellen wir fest, dass diese gerade surfen in Byron Bay oder noch besser das Farbschauspiel am Lake Retba festhalten – und da ist er wieder, der Instagram-Neid.

    Ob besondere Momente oder gewohnte Aktivitäten, Instagram ist die perfekte Bühne, um sein kuratiertes Ich mit der Welt zu teilen, natürlich nicht, ohne dem Alltäglichen auch mal visuell auf die Sprünge zu helfen – oder haben wir unseren Kaffee für zwischendurch schon immer in einem Arrangement von Blumen, veganem Bananenbrot und einer symmetrischen Anordnung von Glas und Löffel zu uns genommen?

    Cut-outs und vintage Mode-Magazine.

    Instagram bietet eine Möglichkeit zur Selbstinszenierung und hat auf diese Weise die Kunstwelt verändert. Wo zuvor Kunsthändler, Galerien und Fachmagazine entschieden haben über wen gerade gesprochen wird, bestimmt heute das Publikum selbst. Einer der Künstler, der es in kürzester Zeit zu 60.000 Followern geschafft hat, ist der New Yorker Fotograf Kalen Hollomon. Mit seinen Cut-Outs aus oftmals Vintage Mode-Magazinen hantiert Hollomon in dem Spannungsfeld von High Fashion und Street Culture und hinterfragt dabei scheinbare Realitäten. Zur Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Frühjahr/Sommer 2015 spielt Hollomon dieses Mal mit dem Terminplan und der Celebrity-Liste der internationalen Fashion Weeks und bringt kurzerhand die weltweit bekanntesten Blogger nach Berlin. Wir treffen den Fotografen im Neni Berlin zum Interview.

    Mit seinen Cut-Outs aus oftmals Vintage Mode-Magazinen hantiert Kalen Hollomon in dem Spannungsfeld von High Fashion und Street Culture.
    Eine Mischung aus Collage und Fotografie.

    Collage und Fotografie.

    Wie würdest du deine Instagram-Kunst beschreiben?

    Wahrscheinlich als eine Mischung aus Collage und Fotografie. Ich lasse gern Gegensätze aufeinanderprallen und mische z.B. etwas sehr Maskulines mit etwas Femininem. Oder verpasse einem normalen Typen mit Jeans und T-Shirt einfach ein paar High Heels. Ich möchte sichtbar machen, was in dieser Person unter der Oberfläche stecken könnte. Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, „Ah, ich weiß, wie dieser Mensch tickt.“ Und dann wandert der Blick zu diesen großartigen Schuhen und man hinterfragt seine eigene Wahrnehmung.

    Aufgewachsen bist Du in Boulder, Colorado und dann nach ein paar Jahren in Los Angeles schließlich in New York gelandet. Wie hattest du dir dein Leben in NYC vorgestellt?

    Ich dachte eigentlich, dass meine Freundin und ich in New York ein ziemlich erfolgreiches Fototeam werden würden – aber dann haben wir überhaupt keine Fotos geschossen!

    Wie bist du stattdessen zur Kunst gekommen?

    Ich habe schon immer Kunst gemacht. In LA waren es größere Bilder und Skulpturen, aber nach meinem Umzug hatte ich plötzlich weniger Platz, also habe ich auf Fotos und Collagen umgestellt. Ich hatte dann bestimmte Bilder und Collagen im Kopf, aber einige davon waren aus Kosten- oder Materialgründen schlicht nicht machbar. Dadurch bin ich dann zur Fotocollage gekommen. Außerdem ist es so viel spontaner: Man nimmt eine echte Situation und verändert sie durch das, was man hinzufügt – das Ergebnis ist eine einmalige Collage, die so nur in diesem Bild existiert.

    Kalen Hollomons Kreativprozess.

    Wie können wir uns deinen Kreativprozess konkret vorstellen? Hast du immer ein paar Cut-Outs dabei?

    Wenn ich Magazine durchblättere, dann wird mein Blick unweigerlich von bestimmten Motiven angezogen.

    Diese schneide ich dann aus und habe sie für alle Fälle auch immer dabei. So kann ich auch unterwegs spontan kreativ werden. Und der Prozess verändert den Blick auf die Dinge, denn ich denke dadurch immer in möglichen Collagen.

    Nach den ersten Skizzen und comicartigen Zeichnungen folgte die erste Collage.

    Wie bist du auf Instagram als Plattform für deine Kunst gekommen?

    Das hat sich mehr oder weniger von selbst ergeben. Ich hatte dort schon länger einen Account, auf dem ich anfangs ein paar Zeichnungen und kleine Cartoons veröffentlicht habe, es dann aber wieder hab sein lassen. Als ein Freund dann nicht mehr aufhörte von Instagram zu schwärmen, habe ich wieder angefangen, meine Arbeiten zu posten – und das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt. Immer mehr Leute haben meine Bilder entdeckt und positiv kommentiert. Nach den ersten Skizzen und comicartigen Zeichnungen folgte die erste Collage – eine Mischung aus einer Zeichnung und einem Mann, der Katzenfutter trägt.

    Welches Thema nervt dich auf Instagram am meisten?

    Wahrscheinlich Mode-Collagen (lacht). Ich mag es gar nicht, wenn ich anderen folge und dann Bilder von deren Familie oder Freunden sehe, die ich selbst nicht kenne. Aber dann darf ich denen wahrscheinlich einfach nicht folgen.

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