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  • Zwei Frauen sitzen eng beieinander.
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    Die Symphonie der Glückshormone: Der Zauber der Umarmung.

    Warum Umarmungen so wichtig für unser Wohlbefinden sind.

Bedürfnisse und Anforderungen.

„Dieser Tag kann Spuren von Müssen enthalten“ steht auf einem kleinen Graffiti an einer Berliner Hauswand. Ein Passant läuft vorbei, Klick, Foto geschossen, noch mal Klick, per WhatsApp einem Freund geschickt. Schon 10 Klicks später haben sich diese sieben Worte über Blogs, Pinterest und Instagram in alle Ecken des Internets verbreitet. Heute werden sogar T-Shirts damit bedruckt und Kühlschrankmagneten hergestellt. Ein erfolgreicher kleiner Satz. Ein Wortspiel, das viel über unsere Art zu leben erzählt. Wo wir ständig müssen und immer weniger dürfen. Überall lautet der Beipackzettel ein bisschen Zwang und ein bisschen Disziplin. Umso schwerer ist es, etwas zu empfehlen, was kein Zwang sein sollte. Auch nicht, wenn es der Arzt verschreibt oder ein Ratgeber-Buch diktiert. Die Rede ist von der Umarmung.


Zwei Frauen umarmen sich in romantischem Garten.
Zwei Frauen umarmen sich.

Wieso wir Menschen uns umarmen und es lieben.

Möglicherweise ist die Umarmung eine der ältesten Zuneigungsgesten der Menschheit. Umarmungen sind nicht nur in allen Kulturen geläufig, sondern auch bei den uns verwandten Primaten vorzufinden. Dies ist ein wichtiger Hinweis dafür, dass wir Menschen uns umarmt haben, sogar bevor wir uns zum Homo sapiens entwickelt haben. Einige Forscher sind der Meinung, dass die Umarmung in unseren Genen als lebenswichtiges Handlungsmuster festgehalten ist. Und tatsächlich verbirgt sich in der eigentlich recht simplen Handlung etwas wahnsinnig Intimes. Man presst alle lebenswichtigen Organe aneinander, spürt den Herzschlag des Gegenübers und bietet sich gegenseitig Schutz. Zumindest wenn die Umarmung aufrichtig gemeint ist. Kein Wunder also, dass die Umarmung in den drei wichtigsten sozialen Interaktionen eine Rolle spielt: der Begrüßung, dem Abschied und der Versöhnung.


  • Zwei Hände.
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Können wir uns gesund drücken?

„Jeder sucht doch heute nach dem Wundermittel, das sein Leben verlängert und gesund macht. Umarmen ist so simpel – und kostet keinen Cent!“, sagt Kevin Zaborney, Erfinder des Weltknuddeltags (oder auch Tag der Umarmung) in einem Interview mit dem Spiegel. Diese Aussage wird nicht nur von dem guten Gefühl gestützt, die Umarmungen bei uns auslösen, sondern von mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen. In klinischen Studien wurden sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene wohltuende Effekte von Nähe und regelmäßigen Umarmungen gemessen. Als Beweis dafür hilft ein kleiner Blick auf unseren Hormonspiegel:


Bei einer Umarmung, die länger als 20 Sekunden dauert, wird das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet, welches sich positiv auf unser Herz und unseren Blutdruck auswirkt. Gleichzeitig wird das Level des Stresshormons Cortisol gesenkt. In weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass Umarmungen unser Immunsystem stärken, die Wundheilung verbessern und Schmerzen lindern. Auf psychischer Ebene spielt das Hormon Serotonin, welches durch eine Umarmung ausgeschüttet wird, eine wichtige Rolle. Serotonin sorgt dafür, dass wir zufriedener mit uns selbst sind und unser Selbstwertgefühl steigt.


Frau nimmt andere Frau in den Arm.

Sich nicht zum Umarmen verpflichten.

Allen gesundheitlichen Vorteilen zum Trotz hilft es nicht, sich zum Umarmen zu zwingen. Denn in allen Studien spielte die Qualität einer Umarmung eine wesentliche Rolle. Gerade eine solch intime Geste der Geborgenheit sollte nicht zum Zweck der Gesundheitsvorsorge praktiziert werden. Gleichzeitig kann man vielleicht die oben genannten Ergebnisse der Forschung als kleinen Denkanstoß für sich nutzen, um sich zu fragen, ob man seine Freunde und Liebsten auch wirklich regelmäßig umarmt. Nichts kann einen besser erden und entspannen als eine herzliche Umarmung. Einige brauchen dazu eine feste Regel, die ihnen sagt, wie oft man sich pro Tag umarmen sollte. Andere genießen es vielleicht, so viele Freunde, Kollegen, Fremde, Haustiere und sogar Bäume drücken zu dürfen, wie sie wollen. Aber niemals zu müssen.