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  • Paar versteckt sich hinter aufgeblasenen Luftballons.
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    Liebe langsam – Entschleunigung in der Partnerschaft.

    Wie sich Paare durch mehr Achtsamkeit vor Stress schützen und dadurch länger harmonisch leben.

    Text: Claudio Rimmele

Stichwort Kommunikation.

Einer der ältesten Liebesbriefwechsel der Welt stammt aus dem alten Ägypten: Ein Pharao ließ seine Worte in Steinplatten meißeln und sie wochenlang über den Nil fahren, nur, um mit seiner Angebeteten in Kontakt zu bleiben. Dies ist nicht nur ein historisches Beispiel für die Sprache der Liebe, sondern auch dafür, wie viel Zeit und Mühe Paare früher in ihre Kommunikation investierten.


Junger Mann schreibt am Schreibtisch.
Junger Mann verbindet Luftballons.

Digitaler Wandel.

Seit knapp zwanzig Jahren bringt der digitale Wandel auch neue Kommunikationsmöglichkeiten für unsere Liebesbeziehungen mit sich. E-Mails, Chat-Messenger und Dating-Apps erleichtern die Kommunikation, beschleunigen sie jedoch auch in einem nie dagewesenen Tempo. Binnen weniger Sekunden können Menschen in Kontakt treten und sich verabreden. Genauso schnell kann man aber auch Treffen wieder absagen, den Kontakt abblocken oder einen richtigen Streit vom Zaun brechen. Und das, ohne sich auch nur eine Sekunde lang in die Augen geschaut zu haben.


Achtsamkeit lernen.

Diese beschleunigte Kommunikation führt nicht nur zu Missverständnissen, sondern auch dazu, dass ein gewisses Maß an Achtsamkeit und Empathie verloren geht. Schließlich sind in einen handgeschriebenen Liebesbrief mehr Arbeit und Gedanken geflossen als in eine schnelle SMS. Das macht den Brief nicht unbedingt gehaltvoller, aber die Handlung des Schreibens doch zumindest bedachter. Und auch wenn man einen Brief genauso missverstehen kann wie eine SMS, so ist doch die Frequenz digitaler Nachrichten so hoch, dass Missverständnisse so gut wie sicher sind. Die neue Art der Kommunikation erfordert daher ein neues Maß an Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme, die jedoch für viele Paare eine Herausforderung darstellt.


Mann steht mit Luftballons auf Balkon und schaut in die Ferne.
Mann überreicht Frau nahe eines Flusses Luftballons.

Streitthema Nummer 1: Gemeinsame Zeit.

Wie viel gemeinsame Zeit man miteinander verbringt, ist laut Umfragen eines der häufigsten Streitthemen in Paarbeziehungen. Doch nicht nur die Zeit ist ein Streitfaktor. Oft monieren Paare, dass Qualität und Intensität der gemeinsam verbrachten Zeit im Laufe der Beziehung einbrechen, und das mit schwerwiegenden Folgen. Denn fehlende gemeinsame Zeit ist auch einer der häufigsten Scheidungsgründe. Wie können Paare also trotz beruflichem und familiärem Stress mehr schöne Zeit genießen und was sollten sie dabei beachten?


  • Mann mit Luftballons in Hand nimmt Frau in Arm.
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Güte – essenziell in einer Beziehung.

Der Psychologe John Gottman und seine Ehefrau Julie Gottman wollten herausfinden, was eine glückliche Langzeitbeziehung ausmacht. In ihren Tests befragten sie Paare im Abstand von mehreren Jahren nach ihrer Lebenssituation und Zufriedenheit in der Partnerschaft und protokollierten dabei verschiedene physiologische Parameter. Wie sich herausstellte, verhielten sich die Körperwerte von Paaren, die ein unglückliches Liebesleben führten oder sich im Laufe des Experiments trennten, wie in einer starken Stresssituation; Blutdruck, Puls und Schweißproduktion waren jeweils erhöht.


Gottmans schlussfolgerten daraus, dass Paare, die ihre Beziehung wie in ständiger Kampf- oder Fluchtbereitschaft erleben, unterbewusst körperlich leiden. In einer Partnerschaft, in der ein Grundton an Vertrauen und Intimität herrscht, können beide Partner psychisch entspannt bleiben. Den Schlüsselfaktor dafür beschreibt Gottman mit dem Begriff Güte. Darunter versteht er den Grad an gegenseitiger Aufmerksamkeit und Zuwendung in einer Partnerschaft. Authentische Zuwendung entstehe nur dann, wenn man auf die echten Bedürfnisse des Partners achte. Keine einfache Aufgabe, vor allem bei Paaren, die sowohl beruflich als auch privat überlastet sind.


Die Entdeckung der Paarsamkeit.

Der zufriedenstellende Alltag mit dem Partner ist eine Quelle psychischer Stabilität und Gesundheit. Doch in einer reizüberfluteten Welt, in der man ständig abgelenkt wird, kann es schwierig sein, dem Partner die nötige Aufmerksamkeit und Fürsorge zu schenken. Daher lohnt es sich, die eigene Beziehungsgestaltung regelmäßig zu hinterfragen: Wie verbringe ich die gemeinsame Zeit mit meinem Partner? In Ruhe oder zwischen lauter Terminen und To-dos? Gebe ich der Beziehung den richtigen Stellenwert im Alltag? Kommuniziere ich aufmerksam mit meinem Partner oder schaue ich dabei ständig auf mein Smartphone? Und in welchem Verhältnis steht meine Karriere- zu meiner Familienplanung? Diese Fragen fußen im gedanklichen Konzept der Entschleunigung und können helfen, einen neuen Blickwinkel auf die eigene Beziehung zu werfen. Wird eine gesunde Partnerschaft mit Achtsamkeit gelebt, ist sie eine Oase der inneren Ruhe. Das bedeutet nicht gleich, dass man auf alles verzichten muss und nur noch gemeinsam meditiert. Offene Kommunikation, ausreichend gemeinsame Zeit und regelmäßige Zuneigung helfen dabei, eine stabile Beziehung aufzubauen. Ganz gleich, ob diese langsam genossen oder im Raketentempo von Wolke 7 zu Wolke 8 düst.


Frau und Mann schauen lachend in Kamera.