Back
Back
  • Frau hört sich Muschelgeräusche an.
    1

    Meer loslassen – Was wir vom Ozean lernen können.

    Mit jedem Atemzug ein Stück tiefer in den Rausch des Meeres eintauchen und mit dem Wellengang zur Ruhe kommen.

    Text: Claudio Rimmele

Das Meer als Lebensraum.

Ob sanftes Plätschern am Karibikstrand oder das Toben an einer Felsenküste in Irland – der Klang des Meeres ist eine berührende Sinneserfahrung. Für Buddhisten gilt das Meeresrauschen als Ur-Mantra, als älteste Beschwörungsformel der Welt. Ein sich ewig wiederholender Ton und Symbol für den Beginn des Lebens.

Doch das Meer ist mehr als nur ein Symbol. Mit 70 Prozent Erdoberfläche sind die Weltmeere der größte Lebensraum unseres Planeten. Ein Viertel aller bekannten Tierarten lebt in der Tiefe der See und mehr als die Hälfte unseres Sauerstoffs wird von unsichtbaren Algen im Meer (Phytoplankton) erzeugt. Auch für die Menschen ist das Meer ein wichtiger Lebensraum. Vor jeglicher Zeitrechnung schenkte das Meer uns Menschen wertvolle Nahrung, Entspannung und Erholung. Für viele stellt das Meer sogar einen Weg in ein gesünderes Leben dar.


Frau hält Muschel in die Höhe.
Frau in weißem Badeanzug sitzt am Strand und schaut aufs Meer.

Das Meer als größte Spa-Anlage der Welt.

Schon in der antiken Medizin galt das Meer als Heilsbringer. Vom griechischen Arzt Hippokrates bis zu den Ärzten des chinesischen Kaisers: Sie alle verwendeten Meerwasser als Kur für körperliche Leiden. Erst dank des Mediziners Richard Russell, der allen Moralvorstellungen zum Trotz das Baden im Meer verschrieb, erlebten die Meereskuren im Europa des 18. Jahrhunderts eine Renaissance. In Russells Meerestherapie sollte sich der Patient der Kraft des Ozeans aussetzen. Dafür musste das Meer folgende Voraussetzungen erfüllen: Es musste kalt, sehr salzhaltig und wild sein. Die prachtvoll angelegten Seebäder Englands wurden zu Kurorten und waren bei feinen Gesellschaften sehr beliebt. Daraus entwickelte sich Mitte des letzten Jahrhunderts das Meer letztendlich zum Urlaubs- und Entspannungsort für jedermann.


Ungestüme Wellen, klarer Geist.

Doch worauf ist die stressreduzierende und entspannende Wirkung des Meeres zurückzuführen? Zunächst können diese Effekte über die menschlichen Wahrnehmungsmuster erklärt werden. Schauen wir auf das Meer, so wird unsere Sicht von nichts gestört; der Horizont ist frei und kann mit einem Blick erfasst werden. Dies nimmt uns die unterbewusste Angst vor unbekannten Gefahren, was eine evolutionsbedingte Begleiterscheinung der menschlichen Psyche ist. Das Farbspektrum aus blau-grün-türkisen Farbtönen verstärkt die entspannende und stressmindernde Wirkung zusätzlich. Nach einiger Zeit passt sich unser Atem dem Meeresrauschen an, er wird langsamer und regelmäßiger.


Frau in weißem Badeanzug schwimmt im Meer.
Frau in weißem Badeanzug sitzt auf Steinen im Meer.

Das unendliche Blau.

Von Hans Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ bis hin zu Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ – für viele Schriftsteller und Kreative ist das Meer eine Inspirationsquelle für die menschliche Fantasie. Am Meer erwacht eine ganz eigene körperliche Sinnlichkeit. Das unendliche Blau stimuliert unsere Vorstellungskraft und lenkt unsere Gedanken in neue Bahnen: Wir werden uns unserer „Größe“ und unserer Rolle im Kreislauf des Lebens bewusst. Außerdem bilden die Weltmeere eine der vielseitigsten Landschaften, die man sich vorstellen kann. Von der kristallklaren Arktis bis zum stürmischen Pazifik, das Meer hat viele Gesichter. Dadurch entsteht ein Bewusstsein für die Komplexität und Vielfalt der Erde, an der wir mit all unseren Sinnen teilhaben dürfen.


  • Frau in weißem Badeanzug relaxt am Strand.
    1

Ein Tag am Meer reinigt den Körper.

Die ersten Tage am Meer sind anstrengend. Sonne, Strand, Schwimmen und frische Luft führen zur typischen Ermüdung durch die Stimulation des Meeres. Doch dies weicht nach nur wenigen Tagen einem einzigartigen Frischegefühl. Denn das Meer reinigt uns von innen und außen. Meeresluft und Meereswasser sind voller bioaktiver Bestandteile, die für unsere Gesundheit eine echte Auszeit bedeuten. Die winzigen Meerestropfen, die durch die Luft in unsere Lungen gelangen, enthalten Spurenelemente wie Jod und Magnesium, die entzündungshemmend wirken.


Zudem enthalten sie Selen, das die Widerstandsfähigkeit der Haut erhöht. Vor allem unsere Haut und unsere Lunge profitieren vom direkten Kontakt mit dem Meerwasser. Doch Meer kann mehr: Die jodhaltige Meeresluft ist auch ein echter Boost für unser Immunsystem. Einige Studien schreiben Jod sogar krebsvorbeugende Wirkungen zu. Außerdem ist statistisch erwiesen: Menschen, die in Meeresnähe wohnen, führen eher einen gesünderen Lebensstil mit mehr Sport und Bewegung als Menschen, die weitab der Küste leben.


Seestern in Hand.

Meer in kleinen Dosen?

Leider kann man die gesunden Effekte des Meerwassers nicht einfach so in der eigenen Badewanne reproduzieren. Ein Salzbad daheim mit einer App, die Meeresgeräusche nachspielt, kann entspannend wirken. Doch für die einzigartige Wirkung des Meeres gibt es keine Alternative. Es bleibt nur, die Tasche zu packen und hinzufahren, zum Ursprung des Lebens; ans Meer.