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  • Frau tanzt und schreit.
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    Der letzte Schrei: New York ist verrückt nach diesem Workout.

    Laute Musik, motivierende Ansagen und körperliches Auspowern: The Class by Taryn Toomey prophezeit eine Katharsis für Körper und Geist. Kann das Workout halten, was es verspricht?

Forderndes Training.

Der Bass wummert durch Taryn Toomeys helles Studio im dritten Stock eines Bürogebäudes im New Yorker Finanz-Distrikt. Alles vibriert. Im Boden sind Edelsteine eingearbeitet, heißt es. Gut 60 junge Frauen in bauchfreien Tops und engen Leggings springen auf ihren nahe nebeneinander liegenden Lululemon-Matten hoch in die Luft, um gleich wieder tief in die Knie zu gehen und dabei in die Hände zu klatschen. Die Übung ist anstrengend. Bereits nach zwei Minuten sind die Spiegel komplett beschlagen und die Wimperntusche der Frauen verabschiedet sich endgültig in Richtung Wangen.


Frau schließt Vorhänge.
Frau hüpft in die Höhe.

Schrei es heraus!

„Hier geht es nicht darum, hübsch auszusehen. Hier geht es ums Fühlen. Lass deine Wut raus!“ Fast kann man die Worte nicht hören, die Taryn mit ihrer rauchigen Stimme durch Florence and the Machines „What kind of man“ in die Menge ruft. Eine Frau röhrt „Woaaaarrr!“ und macht klar, was gemeint ist: nicht einfach runterschlucken. Lieber den eigenen Ärger ins Universum hinaus brüllen und weitermachen. „Du bist mehr als deine Gedanken“, legt Taryn nach, „du kannst das schaffen!“ Weiter geht’s …


Tauch ein in deine Gefühlswelt!

Die Musik stoppt. Taryn fordert die Teilnehmerinnen auf, die Hände auf ihre Herzen zu legen und innezuhalten: „Wie fühlst du dich? Zieh deine Aufmerksamkeit weiter nach innen.“ Die Ruhe ist von kurzer Dauer. Nach wenigen Sekunden startet der nächste Song und eine neue Übungsfolge beginnt.


Frau turnt.
Frau macht Handstand.

The Class – nur für Frauen mit Geld?

Irgendwo zwischen Selbsthilfe, Schamanismus, Yoga und High Intensity Workout kann man Taryn Toomeys 75-minütiges Workout The Class verorten. Stars wie Jennifer Aniston und Christie Turlington schwören auf die neue Methode, die nicht nur den Körper in Form hält, sondern auch den Geist beruhigt. Was auf den ersten Blick wirken mag wie eine trendige Fitness-Methode für reiche New Yorkerinnen – eine Klasse kostet 35 Dollar –, hat durchaus Substanz: Die Sequenzen sind perfekt aufeinander abgestimmt, sprechen auf sinnvolle Weise verschiedene Muskelgruppen an und sorgen für eine körperlich anspruchsvolle, aber gleichzeitig stärkende Erfahrung. Die laute Musik und die motivierenden Zurufe wirken auf einer weiteren Ebene: „Mir geht es darum, gebundene Energie freizusetzen“, erklärt Taryn. Um besser loslassen zu können und klarzukommen mit den Stressoren, die die eigene Geschichte, der Alltag oder das Familienleben mit sich bringen.


Von der Yogamatte auf den Kristall-Boden.

Während ihrer früheren Karriere in der Mode-Industrie suchte Taryn selbst den Ausgleich vor allem auf der Yogamatte. Erst als Schülerin, dann auch als Lehrerin. Nach der Geburt ihrer Töchter reichte ihr die dynamische Vinyasa-Yoga-Praxis nicht mehr. Inspiriert durch die Zeit mit ihrer Mentorin und spirituellen Lehrerin Mama Kia in Peru, begann sie, ihrer Yoga-Praxis mehr Feuer einzuhauchen. Die neue Praxis verlangte nach starken Songs und tiefen Bässen, die passenden Selbsthilfe-Mantras kamen wie von alleine dazu. Schon bald begann Taryn, ihre neue Passion zu teilen, mietete Räume an und unterrichtete zunächst auf Spendenbasis. Doch die Begeisterung für The Class breitete sich aus wie ein Waldbrand im Hochsommer. Wer heute eine Klasse bei der Gründerin persönlich im New Yorker Studio erleben möchte, sollte sich eine Woche vorher anmelden – die Plätze sind trotz des hohen Preises heiß begehrt. Völlig zu Recht.


Frau stretched sich auf Boden.
Frau überkreuzt die Hände vor dem Herzen.

Taryn Toomeys Methode funktioniert.

Das Workout ist fordernd, aber gerade im richtigen Maße intensiv, um den Kopf auszuschalten und tiefere Gefühle wahrzunehmen. Mit einem inbrünstigen Schrei loszulassen, was einem auf der Seele liegt, mutet zunächst befremdlich an, tut aber gut. Nach etwa 20 Minuten setzt ein Glücksgefühl ein, das sich mit einem „runner’s high“, dem Rauschzustand beim Laufen, vergleichen lässt. Spätestens in der beruhigenden Sequenz am Ende der Klasse scheinen sich Sorgen und Stress in Luft aufzulösen und man verlässt das Studio in einem sanften Schwebezustand und dem wunderbaren Gefühl, dass mit einem selbst und dem Rest der Welt alles in Ordnung ist.