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  • Gongscheibe.
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    Mit dem Gong zur Tiefenentspannung.

    Sanfte Frequenzen, die unseren Gedanken das Loslassen ermöglichen.

    Text: Claudio Rimmele

Gong-Bad – Eintauchen in Frequenzen.

Ein Yoga-Studio in einem Hinterhaus in Berlin-Neukölln. Das Licht ist leicht gedimmt. Flüsternd und auf Zehenspitzen bewegen sich die Besucher auf ihre Plätze. Menschen aller Altersgruppen sitzen dicht gedrängt auf dem Boden. In der Mitte hängt ein riesiger Gong, dessen bronzefarbene Oberfläche das Licht einer Kerze spiegelt. Plötzlich wird es still. Der Gong-Meister betritt den Raum. Er erklärt, wie man die Gong-Meditation erleben kann: Man darf sitzen, liegen oder gerne auch versuchen, die Körperpositionen während der Meditation zu wechseln. Nach einer kurzen Atemübung beginnt auch schon das Gong-Bad, so wird das Eintauchen in die Frequenzen genannt. Anfangs fällt es schwer, die Augen zu schließen und sich auf die wabernden Klänge einzulassen. Nach kurzer Zeit kann das eigene Gehör nicht mehr ausmachen, wann und wie stark der Meister auf den Gong schlägt. Die Vibrationen der Klangfrequenzen erzeugen leichte Gänsehaut, der Sound ist überall. Fast hat man das Gefühl, der eigene Körper vibriert mit.


Gongscheibe vor Gebäude.
Gongscheibe.

Die Erfolgsgeschichte des Gongs.

Beim Gong denken viele sofort an den asiatischen Kulturraum; in Indien, China, Indonesien und Japan ist der Gong fester Bestandteil folkloristischer Feste und Traditionen. Höchstwahrscheinlich liegt der Ursprung des Gongs aber in Europa, genauer im alten Griechenland. Dort taucht er in einer bekannten Sage auf, in der es heißt, Chronos, der Gott der Zeit, hätte all seine Kinder verspeist. Um das Leben des neugeborenen Gottes Zeus zu schützen, ließ Chronos’ Frau zwei Männer so laut auf Bronzeschilder trommeln, dass sie die Schreie des Neugeborenen übertönten. Diesen Bronzeschildern zur Ehre soll auch nach jedem Blitz von Zeus ein Gong ertönen. So erklärten sich zumindest die alten Griechen den Donner.


Heilende Effekte des Gongs.

Nach Asien kam der Gong vermutlich mit Alexander dem Großen. Zunächst war der Gong ein reines Kriegsinstrument und diente der Kommunikation zwischen den Heeren oder zur Einschüchterung der Feinde. Während der Gong in Europa mit der griechischen Antike verschwand, breitete er sich in Asien weiter aus und fand dort auch seinen Einsatz bei Meditationen und therapeutischen Praktiken. Der heilende Effekt des Gongs wurde in der westlichen Welt erst in den 1960ern wiederentdeckt. Mit dem Yoga wurde auch der Gong aus Indien in die USA importiert und vor allem in Kalifornien bei Meditationen genutzt. Der amerikanische Trend hatte sich Jahre später auch in den europäischen Yoga-Studios etabliert. Mittlerweile werden in allen größeren Städten Gong-Meditationen angeboten.


Gongscheibe.
  • Gongscheibe vor chinesischem Gebäude.
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Wirkung auf Körper und Geist.

Trotz der neu gewonnenen Beliebtheit gibt es leider kaum wissenschaftliche Studien über die direkte Wirkung der Gong-Frequenzen auf den menschlichen Körper. Bisher wurde lediglich nachgewiesen, dass die speziellen Töne eine stressreduzierende Wirkung haben. Ein Effekt, den Musiktherapeuten bereits gezielt anwenden. Vor allem für Menschen, die Schwierigkeiten haben, in einer stillen Meditation den Zustand der Gedankenfreiheit zu erreichen, kann eine Gong-Meditation für die richtige Tiefenentspannung sorgen.


Außerdem ist das Erlebnis eines Klangbads eine wunderbare Achtsamkeitsübung für den gesamten Körper. Das Empfinden der sinnlichen Klänge auf der Haut hilft, in sich hineinzuspüren und den eigenen Körper wahrzunehmen. Sound-Meditationen sind mittlerweile in der Therapie von Stresserkrankungen enorm beliebt und werden immer öfter zur Unterstützung herkömmlicher Therapieverfahren eingesetzt.


Frau steht auf Brücke und hält Gong in die Höhe.

Ein Bad in Gong-Klängen.

Im Yoga-Studio in Neukölln schwingt der Gong leise aus. Der Gong-Meister erklärt mit ruhiger Stimme, man solle sich auf die Seite rollen und langsam wieder ins Sitzen kommen. Man fühlt sich leicht benommen, fast wie nach einem Traum. Aber man merkt, dass sich die eigene Wahrnehmung verändert hat: Schon auf dem Weg nach Hause scheinen der Lärm und die grellen Lichter der Stadt viel freundlicher. Eine Gong-Meditation ist eine ungewöhnliche Erfahrung, die mit keinem anderen Klang-Erlebnis vergleichbar ist. Klar, man kann die Klänge des Gongs auch über eine Musik-App hören. Aber nichts kann die Schwingungen und Effekte so wiedergeben wie das echte Instrument. Ausprobieren lohnt sich.


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