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  • Mann macht Kampfsport.
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    Qigong und Tai-Chi – Sanfte Kampfsportarten mit Power im Test.

    Wie man mithilfe traditioneller chinesischer Kampfkunst bis ins hohe Alter fit bleibt.

    Text: Claudio Rimmele

Bildhafte Reise.

Wer noch nie bei einer Qigong- oder Tai-Chi-Klasse war, darf sich auf eine bildhafte Reise in die Natur freuen: „Stell dir vor, du bist ein Tiger und läufst nachts zu einem See, um etwas zu trinken“, erklärt der Tai-Chi-Lehrer in einem kleinen Studio in Berlin-Mitte die nächste Übung. Alle Anwesenden schließen die Augen und versuchen, sich das vorzustellen. „Im See siehst du den Mond, der sich in der Wasseroberfläche spiegelt. Du versuchst, ihn mit beiden Tatzen zu fassen. Doch während du deine Hände nach oben bewegst, siehst du, wie das Spiegelbild zwischen deinen Fingern zerrinnt.“


Mann macht Kampfsport vor chinesischem Gebäude.
Mann macht Kampfsport.

Ganzheitliche Bewegungslehre.

Am Ende der Bewegung sollen die Schüler zum Himmel schauen und sich bewusst machen, dass sie die ganze Zeit versucht haben, den falschen Mond einzufangen. Diese Übung soll die Flexibilität der Wirbelsäule verbessern und die Beinmuskulatur stärken. Außerdem soll sie zu der Einsicht führen, dass es zum Leben dazugehört, sich auch mal zu irren. Das ist auch wichtig, um Neues zu lernen. Nur eines von vielen Beispielen, wie der ganzheitliche Ansatz der Bewegungslehren Tai-Chi und Qigong funktioniert. Über 85 Millionen Menschen praktizieren in China diese beiden Kampfkünste, die jedoch kaum noch als solche gesehen werden, sondern vielmehr als aktive Stütze eines überforderten Gesundheitssystems.


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Tai-Chi – Schattenboxen und weiches Kämpfen.

Der Legende zufolge ist Tai-Chi-Chuan – oder kurz Tai-Chi – vor mehr als fünfhundert Jahren in China entwickelt worden. In den wunderschönen Wudang-Bergen beobachtete ein Mönch den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange. Während der Kranich immer wieder versuchte, mit Hackattacken die Schlange zu erwischen, wich diese gekonnt aus, indem sie ihr Gewicht minimal verlagerte. Als der Vogel vom Kampf erschöpft war, biss die Schlange zu. Aus dieser Beobachtung heraus entwickelte der legendäre Mönch Zhang Sanfeng die Lehre der sogenannten inneren Kampfkünste.


Dazu gehört auch Tai-Chi, das mittlerweile weltweit verbreitet ist. Die Idee des Tai-Chi geht davon aus, dass der entspannte Körper wesentlich besser im Kampf agieren kann als der angespannte. Beim sogenannten „weichen Kampf“ wird die Angriffsenergie des Gegners auf ihn zurückgeleitet. Die Bewegungen sind weich, schwungvoll und geschmeidig. Weder Gelenke noch Muskulatur werden dabei übermäßig belastet, sodass Tai-Chi für alle Altersgruppen geeignet ist.


Mann macht Kampfsport.

Qigong – im Energiefluss des Lebens.

Wesentlich älter als Tai-Chi ist Qigong, das eine Mischung aus Meditation, Bewegungslehre und Kampfkunst ist. Die Anfänge des Qigong liegen etwa 5.000 Jahre zurück, als sesshaft gewordene chinesische Bauern den Rhythmus der Natur beobachteten und aus diesen Erkenntnissen Qigong entwickelten. Mittlerweile gibt es über tausend verschiedene Qigong-Schulen und viele feste Übungsabläufe.


Qi steht für Lebenskraft.

Zentrales Element von Qigong ist die Beherrschung der Qi-Energie. Qi steht für die Lebenskraft des Körpers und kann auch mit Atem, Dampf oder Dunst übersetzt werden. Die zweite Komponente „Gong“ steht für Arbeit, aber auch für Fähigkeit und Können. Übersetzen könnte man Qigong also als „Training der Lebenskraft“. Wie beim Tai-Chi sind die charakteristischen Bewegungen langsam, fließend und wirken meditativ. Sowohl Tai-Chi als auch Qigong verbinden den Atem mit der Bewegung und versuchen so, die inneren Kräfte zu aktivieren. Zum einen für mehr Energie im Alltag, zum anderen, um sich selbst vor Krankheiten zu schützen.


Mann macht Kampfsport.
Mann macht Kampfsport.

Die sanfte Kraft für mehr Gesundheit.

Die Vorteile von Quigong und Tai-Chi sind in mehreren westlichen Studien nachgewiesen worden. Der wohl signifikanteste Effekt von Tai-Chi ist die Verbesserung der Motorik bei älteren Menschen und Parkinson-Patienten. Diese sollen bei regelmäßiger Praxis seltener stürzen oder sich verletzen, was mehr Autonomie und Lebensqualität bedeutet. Weitere Ergebnisse vieler Studien zu Tai-Chi zeigen positive Auswirkungen auf Blutdruck, Stress, Ängste und Depressionen.


Die Vorteile liegen auf der Hand.

Aber auch für gesunde junge Menschen sind Qigong und Tai-Chi echte Fitmacher. In einer Studie an Berliner Grundschulen besuchten 90 Kinder ein halbes Jahr neben dem normalen Schulunterricht auch Qigong-Kurse, wie es in China üblich ist. Ärzte, Lehrer und Eltern waren von den Ergebnissen des Experiments begeistert. Die getesteten Schüler konnten sich im Durchschnitt mehr im Unterricht konzentrieren, wodurch sich ihre Schulleistungen verbesserten. Auch die Symptome von Migräne, Schlafstörungen und Asthma konnten bei vielen der Kinder gelindert werden. Laut der verantwortlichen Studienärztin sollen bereits ein paar Minuten Qigong täglich, am besten vor dem Schulunterricht, vollkommen ausreichen, um den Schülern zu mehr Konzentration zu verhelfen.


Mann macht Kampfsport.
Mann macht Kampfsport.

Den inneren Tiger bezwingen.

Ähnlich wie der beschriebene Tiger greift man vor allem beim Thema Gesundheit gerne nach der naheliegendsten und schnellsten Lösung. Gerätetraining im Fitnessstudio und Proteinshakes sind keineswegs verkehrte Ansätze für gezielten Muskelaufbau. Wer jedoch auf der Suche nach ganzheitlichem Wohlbefinden ist, findet in Tai-Chi und Qigong Kampfkünste, in denen die einzigen Gegner die eigenen Schwächen, Zweifel und Fehler sind. Und diese dürfen gerne mal eine Tigerkralle abbekommen. Minimale Gewichtsverlagerung erlebt man nicht nur beim Tai-Chi und Qigong. Der innovative Motion Seat der S-Klasse fördert aktive Bewegung beim Fahren. Abwechselnd verändern die Sitzlehne und das Sitzpolster ihre Neigungswinkel und führen zur Entlastung der Rückenmuskulatur. Dadurch wird jede Autofahrt zu einem aktiven Bewegungstraining, welches nicht nur förderlich für die eigene Rückengesundheit ist, sondern fast genauso viel Spaß macht wie eine Tai-Chi-Klasse.