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  • Mann und Frau praktizieren Yoga.
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    Trend Cross-Yoga: Fitness trifft auf Tiefenentspannung.

    Immer mehr Yoga-Studios bieten Cross-Yoga an. Die neue Verbindung aus anspruchsvollen Workouts und sanftem Yoga ist vielversprechend.

    Text: Rebecca Randak

Fitness und Philosophie.

„Yoga und Fitness-Training? Wie passt das bitte zusammen?“, ist der erste Gedanke, der vielen eingefleischten Yogis zunächst in den Kopf kommt, wenn sie vom neuen Klassenformat von Dr. Patrick Broome hören, dem Yoga-Lehrer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Die Rede ist von Cross-Yoga, das ruhige Elemente des Yoga mit alltagstauglichen Fitness-Übungen, dem sogenannten funktionalen Training, kombiniert. Man kann es den Yogis nicht verübeln. In den letzten Jahren hat sich die Fitness-Industrie die Körperübungen aus dem Yoga einverleibt, die Philosophie weggekürzt und mit Marketing-Slogans in absurde Stilrichtungen verwandelt, die mit Yoga nicht mehr viel zu tun haben. Doch mit Cross-Yoga ist das anders.


Mann und Frau praktizieren Cross Yoga.
Mann und Frau praktizieren Cross Yoga.

Die richtige Balance.

Die erste Hälfte des 45-minütigen Kurses besteht aus Übungen des funktionalen Trainings. In kurzen Intervallen und mit hoher Intensität üben die Teilnehmer*innen Kniebeugen, rennen im Kreis oder machen Push-ups. Dr. Broome trainiert stets mit. „Ich will die Leute motivieren, alles zu geben. In diesem Teil der Praxis sollen sie sich voll auspowern und ihre Körper spüren“, erklärt er begeistert. Danach folgen für 20 Minuten einfache Yoga-Übungen, in denen es darum geht, den Körper sanft zu dehnen; simples Stretching statt komplizierter Verrenkungen. Für die letzte Phase, die yogische Tiefenentspannung, legen sich alle auf den Rücken, decken sich zu, damit der Körper nicht auskühlt, und schließen die Augen. Mit sanfter Stimme fordert Dr. Broome die Gruppe auf, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Körperteile zu richten und diese bewusst zu entspannen. Nach ein paar Minuten hört man die ersten Schnarcher, ein Zeichen dafür, dass die Entspannung bestens funktioniert.


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Achtsamkeit wird großgeschrieben.

Im Gegensatz zu Cross-Training oder Street-Workouts, bei denen der Leistungs- und Wettbewerbsgedanke im Vordergrund steht, geht es im funktionalen Training darum, den Körper auf achtsame Weise zu kräftigen und gesund zu halten. Darüber hinaus machen die intensiven Übungen den Körper bereit für die spirituelle Dimension des Yoga: „Beim Yoga steht nicht der Körper im Vordergrund, sondern der aus den Fugen geratene Geist.


Und der lässt sich viel leichter beruhigen, wenn wir vorher den Körper auf Hochtouren bringen“, betont Dr. Broome. Und tatsächlich: Am Ende des Kurses sehen alle aus wie frisch aus dem Ei gepellt. In der vergangenen Dreiviertelstunde ist Ruhe im Studio eingekehrt; Stress, Trägheit und Anspannung wurden aus Körper und Geist vertrieben.


Trainieren wie die Weltmeister.

Die Idee zu Cross-Yoga kam Dr. Broome im Trainingslager mit der deutschen Nationalelf, wo er Teil des Trainerteams von Jogis Jungs war. Er und sein Kollege Mark Verstegen, der Guru des funktionalen Trainings, fanden heraus, dass es für Wohlbefinden und Fitness der Spieler ideal war, die Trainingseinheiten mit funktionalem Training zu starten und dann mit einfachen Yogaübungen und Entspannung zu beenden. Dr. Broome selbst übt inzwischen genauso: „Ich bin viel unterwegs. Wenn ich zu Hause bin, kümmere ich mich um meine Kinder oder die Studios. Da bleibt nicht viel Zeit für eine ausgedehnte Yoga-Praxis. Die 30 bis 45 Minuten täglich nehme ich mir aber, um fit zu bleiben, vor allem aber, um innerlich ruhig zu werden.“


Mann und Frau praktizieren Cross Yoga.
Mann und Frau praktizieren Cross Yoga.

Mini-Cross-Yoga-Praxis für zu Hause.

Das Beste am Cross-Yoga ist, dass man nicht zwingend eine*n Lehrer*in braucht. So können auch Menschen, die nicht gerade Profi-Fußballer sind oder in München wohnen, zu Hause üben.


  • Laden Sie sich die App „7 Min Workout“ von Fitness Guide herunter. Die Übungen sind dort gut angeleitet. Probieren Sie ruhig andere Programme aus, falls Ihnen die Stimme oder die Erklärungen nicht gefallen. Üben Sie den Zyklus am besten zweimal. Wenn Sie in Eile sind, geht es natürlich auch kürzer.
  • Strecken Sie sich genüsslich in alle Richtungen. Sollten Sie ein paar einfache Yoga-Übungen oder andere Formen des Stretchings kennen, üben sie diese ruhig. Alles, was dem Körper guttut, ist erlaubt.
  • Legen Sie sich auf den Rücken, vielleicht auf eine Yogamatte oder einen weichen Teppich, und machen Sie es sich für die Entspannung gemütlich. Vielleicht haben Sie eine Anleitung für Yoga Nidra, eine Yoga-Technik, mit der man in tiefere Bewusstseinsschichten vordringen kann, oder für autogenes Training. Falls Sie diesen Teil der Übung gemeinsam mit Dr. Broome absolvieren möchten, können Sie begleitend eines seiner YouTube-Videos abspielen – die Tiefenentspannung ist Ihnen sicher.

Das Cross-Yoga kommt in Dr. Broomes Studios übrigens so gut an, dass selbst einige Vollblut-Yogis überzeugt werden konnten. Am Ende spielt es keine Rolle, welche Technik Körper und Geist in Balance bringt. Wichtig ist nur, dass es funktioniert.