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  • Mann praktiziert Yoga auf Matte auf Sportplatz.
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    Yoga für Männer.

    Ein Plädoyer für weniger Vorurteile und Geschlechterklischees beim Yoga.

    Text: Claudio Rimmele

Yoga für Männer geht viral.

Nic und Pancho sind beste Freunde und lieben Yoga. Auf ihrem YouTube-Channel halten sie ihre gemeinsamen Yoga-Stunden fest. Der Clou: Nic ist ein erwachsener Mann und Pancho ein kleiner Chihuahua. Eine virale Sensation, die auf der ganzen Welt die Gemüter der Zuschauer erheitert.

Die Yoga-Posen der beiden sind für sie das Natürlichste der Welt. Doch während sich Hunde strecken und recken dürfen, wie sie wollen, wird bei Männern und Yoga oft mit dem Kopf geschüttelt und das Totschlagargument ausgepackt: Yoga ist unmännlich.


Mann schiebt Fahrrad.
Mann macht auf Sportplatz Liegestütze.

Wer sagt, dass Yoga nichts für Männer ist?

Etwa vier von fünf Yoga-Schülern sind laut Statistik Frauen. Zumindest in Europa und Amerika. Denn in Indien, wo Yoga ursprünglich herkommt, ist es immer noch eine Männerdomäne. Warum im Westen so viele Frauen Yoga ausüben, wird kontrovers diskutiert. Einige Stimmen geben den Medien die Schuld: Die Yoga-praktizierende gertenschlanke Frau als Werbemodel auf den Billboards der 80er und 90er, um mehr Mode, Kosmetik und andere Lifestyle-Produkte zu verkaufen. Andere Experten vermuten den Grund eher in der Yoga-Geschichte. In den 70ern wurde Yoga in den Vereinigten Staaten als Teil einer gesellschaftlichen Gegenbewegung zur selbstoptimierenden Leistungsgesellschaft populär. Unter anderem suchten vor allem Frauen in Yoga-Studios nach einer neuen Form von Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die statt Aerobic und Bauch-weg-Training lieber Achtsamkeit praktizierte. Auch wenn mittlerweile immer mehr Männer Yoga für sich ausprobieren und sogar berühmte Schauspieler wie Daniel Craig sich mit Yoga auf ihre Herausforderungen beim Dreh vorbereiten, bleibt bei vielen Männern eine dezente Skepsis gegenüber Yoga. Eine Skepsis, die sie von den positiven Aspekten von Yoga leider fernhält.

Yoga und Fußball – eine sportliche Liebe.

Seit 2006 praktiziert die deutsche Fußballnationalmannschaft mit Patrick Broome, einem der bekanntesten deutschen Yoga-Lehrer, regelmäßig Yoga. Ausschlaggebend für die Anwendung von Yoga im Fußball-Training ist neben dem besseren Fokus, der erhöhten Konzentration und Koordination sowie geringerer Verspannungen folgende Tatsache: Durch die stabilisierenden Yoga-Übungen wird das Verletzungsrisiko auf dem Spielfeld extrem reduziert. Kein Wunder also, dass Yoga nicht nur bei Profi-Fußballern zum Einsatz kommt. Von der Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands bis hin zu vielen amerikanischen Top-Basketballmannschaften: Alle praktizieren Yoga. Denn wer durch Yoga seinen Körper beherrscht, kann Zusammenstöße mit anderen Spielern oder einen Aufprall auf dem Boden deutlich besser abfedern.


Mann balanciert Ball an Fußspitze.
Mann stretched sich auf Sportplatz.

Wieso Yoga so gut tut.

Mann muss kein Profi-Fußballer sein, um mit Yoga seine Gesundheit zu verbessern. Mehrere Studien haben ergeben, dass Yoga für Menschen, die im Berufsleben viel sitzen müssen, ein wichtiger Ausgleich für den Rücken ist. Außerdem hilft es bei hohem Blutdruck und minimiert das Risiko eines Herzinfarkts. Beides eher Gesundheitsprobleme von Männern. Allgemein resultiert aus den Studien, dass Männer wie Frauen durch eine regelmäßige Yoga-Praxis unter weniger Stress und Depressionen im Alltag leiden. Stattdessen berichten sie von mehr Wohlbefinden und besserem Schlaf.


  • Mann praktiziert Yoga auf Fußballplatz.
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Yoga-Einsteigertipps für Männer.

Trotz aller guten Argumente ist es verständlich, dass die erste Yogaklasse für einige Männer eine Art Mutprobe darstellt. Diese Anregungen können helfen, die erste Scheu zu überwinden:

1. Den richtigen Stil für sich entdecken: Es gibt unzählige Arten von Yoga. Einige bestehen fast nur aus Dehnungen, andere unterstützen aktiv beim Muskelaufbau. Daher lieber ein wenig recherchieren, bevor man entscheidet, mit welcher Art von Yoga man beginnen möchte.


2. Den richtigen Lehrer für sich entdecken: Ein guter Yoga-Lehrer hat ein Auge dafür, ob man sich wohlfühlt und hilft gerade Anfängern reinzukommen. Dabei ist es ratsam, auf die Empfehlungen von Bekannten und Freunden zu hören.

3. Die richtige Gemeinschaft für sich entdecken: Yoga ist eine wunderbare Gemeinschafts-Sportart. Jedes Yoga-Studio hat eine andere Zielgruppe und auch eine eigene Community. Fakt ist: Man fühlt sich dann wohl, wenn die Gruppe zu einem passt. Egal wie dabei das Geschlechterverhältnis ist.


Yoga ist für alle.

Es gibt Männer, für die ist Yoga einfach nichts. Sie können dabei nicht entspannen, langweilen sich zu Tode oder haben einfach keinen Spaß. Genauso gibt es aber auch Frauen, die lieber Fußball oder Basketball spielen, statt zum Yoga zu gehen. Es ist also an der Zeit, damit aufzuhören, Sportarten nach Geschlechtern einzuteilen. Yoga ist mehr als nur ein Sport. Es ist eine ganzheitliche Gesundheitspraxis, die Körper und Geist ins Gleichgewicht bringen kann. Alle können davon profitieren, Frauen wie Männer. Und Chihuahuas sowieso!


Mann macht an Fußballtor Klimmzüge.