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  • Sebastian Steudtner
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    Zwei gegen die Naturgewalten: Sebastian Steudtner und die X-Klasse.

    Sebastian Steudtner ist einer der besten Big-Wave-Surfer der Welt. Doch ein Ziel hat der Deutsch-Österreicher noch: den Weltrekord.

    Text: Marcel Schlegel

X-Klasse kommt auf nahezu jedem Terrain zurecht.

Wer die Monsterwellen von Nazaré reiten will, muss sich erst einmal durch die schwer zugänglichen Sanddünen des Praia do Norte kämpfen. Weiter südlich, wo der Strand flacher und der Sand feiner wird, sonnen sich im Sommer Hunderte von Touristen an Portugals Atlantikküste. Doch im Norden des beschaulichen Fischerdorfs ist die Küste steinig und der Strand von Wildpflanzen, Palmen und Felsen durchdrungen. Die X-Klasse von Mercedes-Benz nimmt den sandig rauen Untergrund mühelos, vorbei an einer Handvoll einheimischer Fischer und deren Netzen. Am Steuer des Midsize-Pickups: Sebastian Steudtner. Sein Ziel: der weltbekannte Surfspot von Nazaré.


Sebastian Steudtner sitzt auf der Ladefläche seiner X-Klasse
Sebastian Steudtner stützt die Hand auf seine Mercedes-Benz X-Klasse

Steudtner studiert die Wellen und den Windbericht.

In einer schmalen Düne parkt der 32-jährige Deutsch-Österreicher nun die X-Klasse. Steudtner hievt seine Ausrüstung von der Ladefläche des Premium-Pickups und wirft den Neoprenanzug in den Sand. Nun steigt er selbst hoch auf die Ladefläche und starrt aufs offene Meer. Er liest die Wellen wie die Wetter- und Windberichte. Die studiert er an manchen Tagen stündlich. Gefühlt tausendmal hat der Ausnahme-Wellenreiter dieses Ritual schon vollzogen. Wegen ihnen ist er schließlich hier, wegen ihnen ist er nach Nazaré gekommen: wegen der Riesenwellen. Gut 20 Meter hoch, 500 Tonnen schwer und über 70 km/h schnell sind sie. Das Getöse kündigt die riesigen Brecher schon von fern her an. Für Steudtner klingt das wie Musik.


Über Hawaii in die Weltspitze.

Sebastian Steudtner ist ein sogenannter Big-Wave-Surfer. Der Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin wuchs in Nürnberg auf. Mit 16 geht er nach Hawaii, um sich dem Surfen zu widmen. Er wird besser, lässt sich von den Wellen in immer höhere Dimensionen ziehen. Er lotet seine Grenzen aus, scheitert, geht erneut allein hinaus aufs offene Meer. Er lernt das Risiko einzuschätzen – verschiebt seine Grenzen. Wenn das Geld knapp wird, arbeitet er auf dem Bau. Mit 19 setzt er schließlich alles auf eine Karte:


Er entscheidet sich, den Riesenwellen auf der ganzen Welt hinterherzujagen – durchaus mit Erfolg: 2004 surft Steudtner an der Nordküste von Maui eine 20 Meter hohe Welle, die bis dahin größte der Welt. Ein Jahr später lässt er in Teahupoo, Tahiti, den bis dato gefährlichsten Ritt folgen. Mit jeder Welle surft der Franke mehr in die Weltspitze hinein. 2009 kommt er dort an, holt sich im Januar 2010 erstmals den „XXL Biggest Wave Award“.


Nazaré – rauer Wind und salzige See.

Erst aber in Nazaré wird er schließlich Geschichte schreiben: Die letzten Meter zu jenem eindrücklichen Felsvorsprung in der Nähe der Festung Sao Miguel Acanjo geht Sebastian Steudtner zu Fuß, das Surfbrett unter den Arm geklemmt. An manchen Tagen tummeln sich Horden von Schaulustigen, dick eingepackt in Regenkleidung, neben dem roten Leuchtturm an der Küste, vor dem die Riesenwellen Minute für Minute brechen. Sie wollen diesen Riesen des Surfsports bestaunen. Die Profi-Surfer wirken von hier oben wie kleine Punkte am Horizont.


Steudtner lauscht nun den Wellen, die an der offenen Atlantikküste Portugals so mächtig und stark sind wie kaum woanders. Der Wind ist hier draußen rauer als üblich, der Salzgeruch des Atlantiks stärker. Steudtner mag beides. Seit er sich als Neunjähriger das erste Mal auf ein Surfbrett gestellt hat, braucht er das.


Sebastian Steudtner lädt sein Surfboard auf seine Mercedes-Benz X-Klasse

Steudtner jagt den Weltrekord von McNamara.

Für Big-Wave-Surfer wie Steudtner ist Nazaré das Mekka der Wellen. Und für den 32-Jährigen bedeutet das kleine Fischdorf immer auch eine Rückkehr. Hier, 120 Kilometer von Lissabon entfernt, feierte der Deutsche seinen bisher größten Erfolg, hier surfte er sich endgültig in die Weltelite: 2014 hatte es Steudtner in Nazaré mit einer über 21 Meter hohen Welle aufgenommen – und besiegte sie. Zum zweiten Mal holte sich der Europäer damit den „XXL Biggest Wave Award“. Ein Jahr später wird er diesen Höllenritt wiederholen – und zum dritten Mal triumphieren. Doch an der felsigen Küste von Nazaré verbirgt sich für den Nürnberger auch noch etwas anderes: eine Vision. Sebastian Steudtner jagt den Weltrekord, den der Routinier und Guru der Szene, Garrett McNamara, 2011 aufgestellte – ebenfalls in Nazaré. 24 Meter hoch war die Welle, die der US-Amerikaner damals ritt – noch nie brauste ein Surfer höher über dem Meeresspiegel. Auch McNamara, mittlerweile 50 und immer noch aktiv, streunte erst lange über den Globus, immer auf der Suche nach dem ultimativen Brecher. Dann ließ er sich in der Nähe von Nazaré nieder. Alle Wege führen nach Portugal, zumindest, wenn man Big-Wave- Surfer ist.


Nazaré Canyon sorgt für Riesenwellen.

Vor der Bucht Nazarés verhüllt das Meer einen riesigen Tiefseegraben, fünf Kilometer tief und rund 230 Kilometer breit ist der unterseeische Canyon. Er ist der Grund für die Naturgewalten. Angeblich soll hier schon einmal eine über 40 Meter hohe Welle gesichtet worden sein. Auf eine solche hofft Sebastian Steudtner an diesem Tag, als er sich von einem Jetski ins Zentrum der Welle bringen lässt. Jede Welle kann die höchste sein. Steudtner ist bereit. Er jagt vor dem gefährlichen Weißwasser her, ein paar Mal scheint er zu straucheln, am Ende aber kommt er sicher am Strand an. Diesmal war der Ritt vergebens. Die Wellen war zu klein, um McNamaras Rekord zu knacken. Trotzdem strahlt Steudtner, als er mit seinem Brett in Richtung X-Klasse läuft und es auf der Ladefläche des Pickups festzurrt. Die Nacht bricht schon langsam herein, als sich Steudtner auf den Heimweg macht. Sicher bringt ihn der Pickup über den holprigen Untergrund. Auf seine X-Klasse kann sich Sebastian Steudtner verlassen. Auf die Brandung im Atlantik nicht. Zumindest nicht an diesem Tag. Doch Steudtner wird zurückkommen. Irgendwann wird er die perfekte Welle erwischen. Dann will er bereit sein. Und deshalb fährt Steudtner immer und immer wieder – an den Praia do Norte in Nazaré.


Sebastian Steudtner lädt sein Surfboard auf seine Mercedes-Benz X-Klasse