Auf der Suche (nach Design) – Fortsetzung.

Auf der Suche (nach Design) - Fortsetzung.

Gastbeitrag des Sleek Magazines, Teil II: Auf der Suche nach neuen Designtalenten führt uns ein weiterer Roadtrip mit Sleek nach Amsterdam, Antwerpen und London.
Text: Grashina Gabelmann
Fotos: Maxime Ballesteros
  • Auf der Suche (nach Design) – Fortsetzung.

  • Wim Bruynooghe: Aufarbeitung der Künstler-Musen-Dynamik.

    Zwischen Amsterdam, Antwerpen und London trifft Sleek sechs der spannendsten jungen Designabsolventen, die unser Modeverständnis radikal neu definieren. Während unseres Roadtrips erleben wir Amsterdamer Anarchie, düsteres Design aus Belgiens Kunstmetropole und unbeschreibliche Kopfbedeckungen, die im Londoner East End Gestalt annehmen – dank einer neuen Kreativgeneration, die kommende Trends souverän vorwegnimmt. Teil I des Design-Specials verpasst? Die erste Hälfte unseres Road-Trips lässt sich hier nachlesen. Wer Wim Bruynooghe in seinem Antwerpener Domizil besucht, könnte fälschlicherweise auf die Idee kommen, dass er sich die Wohnung mit seiner Großmutter teilt. Und das ist durchaus positiv gemeint – alles hier wirkt antik, wohldurchdacht und überaus reizend.

    Zuhause bei Wim Bruynooghe. © Maxime Ballesteros

    Über den alten Möbelstücken prunken kunstvoll goldgerahmte Schwarzweißporträts, dazwischen das eine oder andere platzierte Kleinod wie eine perlenbesetzte Handtasche aus den 1920er Jahren.

    Musen sind das Thema. © Maxime Ballesteros

    Suche nach der Muse.

    Mit seiner Master-Kollektion erforscht der 25-jährige Designer aus Brügge aktuell die komplexe Wechselbeziehung zwischen Künstler und Muse. „Man muss schon etwas genauer hinsehen, um diese Dynamik zu entschlüsseln. Denn auch Musen besitzen sehr viel Macht. Sie beeinflussen den Künstler und dienen ihm als wichtige Kreativquelle, was das Machtgefüge verschwimmen lässt. Ich wollte einerseits das klare Streben des Künstlers nach Unsterblichkeit einfangen, andererseits aber auch der Muse Emanzipationsspielraum schenken“, so Wim. Ein Kompromiss, der in der klaren Zweistufigkeit seiner Kollektion Ausdruck findet: Während die unteren Schichten – feste, hautfarbene, hautenge Kleider – die ursprüngliche, natürliche Silhouette der Muse spiegeln, sind die darüber liegenden Schichten eine Art „kulturelles Fossil“.

    Jaimee McKenna: Bestrickende Visionen in dunkel- und kobaltblau.

    Unsere Reise im Mercedes-Benz GLK 250 führt uns weiter über den Ärmelkanal und bis nach London, in die Stadt der Energie und Exzentrik. Beim Betreten von Jaimee McKennas Nordlondoner Zimmer ist nicht zu übersehen, dass die Designerin leidenschaftlich strickt. Unzählige Garnspulen, Fachbücher und gleich drei Strickmaschinen füllen den Raum. „Die vierte – ein echtes Profimodell – steht bei meinen Eltern, und ich habe gerade eine neue bei eBay gekauft. Ich bin wohl etwas strickmaschinensüchtig“, erklärt McKenna mit gespielter Überraschung. Eine Sucht, die der Modewelt zugutekommt, denn für ihre Master-Kollektion setzte die Central Saint Martins-Absolventin allein auf Maschenware, die auf diesen geliebten Maschinen entstand – und nebenbei ganz neue Falten- und Plisseekonzepte auf den Laufsteg brachte.

    Jaimee McKennas Leidenschaft ist das Stricken. © Maxime Ballesteros

    Yves Klein als wallende Kleider.

    Denn McKennas gestrickte Kleider, Tops und Röcke sind nicht nur tragbar, sondern überaus künstlerisch drapiert. Ihre langen, mehrschichtigen Roben erinnern strukturell fast an Schachteln, doch dank Jaimees eingeschränkter Farbpalette – nichts als Kobalt- und Dunkelblau – fügen sie sich ruhig und entspannt in den Fluss der Entwürfe ein. „Als ich in der Tate Gallery ein Werk von Yves Klein sah, war es einfach um mich geschehen – was für eine satte, direkte Farbe! Das wollte ich in meiner Kollektion transportieren“, erinnert sie sich, ihr Kaninchen Dougie auf dem Schoß. Aktuell möchte Jaimee ihre Strickkünste auf freiberuflicher Basis anbieten und gleichzeitig eine eigene Kapselkollektion lancieren. Selbstverständlich wieder aus Strick. Aber warum gerade diese Technik?

    Kontrolle über die Projekte. © Maxime Ballesteros

    „Wenn man nicht nur für das Design, sondern gleichzeitig auch für die Materialerzeugung zuständig ist, dann behält man absolute Kontrolle über den gesamten Prozess. Erst dann ist es absolut mein ‚Baby‘ – und eröffnet mir unendliche Möglichkeiten.“

    Im Atelier von Ana Rajcevic © Maxime Ballesteros

    Ana Rajcevic: Radikal-skulpturales Design mit architektonischem Hintergrund.

    Wir parken irgendwo im tiefsten Ostlondon, um die letzte Station unserer Suche nach den besten neuen Designern anzusteuern. Ana Rajcevic fällt es schwer, ihre Arbeit sprachlich auf den Punkt zu bringen: „Ich finde das Undefinierte viel faszinierender. Was ich hier mache, hat etwas mit Skulptur zu tun, aber auch mit Mode und vielleicht sogar mit Gegenwartsschmuck – dann irgendwie auch wieder nicht, aber es wäre möglich“. Vor nicht allzu langer Zeit hat die 29-jährige Serbin ihren Master an der Londoner Universität der Künste mit einer preisgekrönten Kollektion abgeschlossen: „ANIMAL: The Other Side of Evolution“ präsentiert ihre Interpretation tierischer Anatomie in acht einzigartigen Konstrukten aus Fiberglas und Polyesterharz.

    Anatomie der Mode.

    Ihre ausdrucksstarke, kompromisslose Hutkollektion brachte der Designerin den „Best Design Award 2012“ sowie die „Accessories Collection of the Year“-Auszeichnung des London College of Fashion ein. Aktuell befindet sich die Hälfte ihrer Kollektion bei Lady Gaga, die Anas ausgefallene Kreationen in ihrem nächsten Musikvideo verwenden möchte. Anas kommende Hutkollektion greift das charakteristische Anatomie-Thema wieder auf, verdeckt allerdings die Augen des Trägers. „Wenn man einem Menschen die Sicht nimmt, verbirgt man gleichzeitig sein Gesicht vor der Außenwelt – dadurch stellt sich automatisch die Frage, wer hier Macht über wen besitzt. Mit dieser Idee möchte ich spielen.”

    Lesen Sie auf mb! by Mercedes-Benz den vollständigen Beitrag.

    Ana Rajcevic neueste Hutkreation. © Maxime Ballesteros

    Verwandte Themen.