Autoblicke.

Der Konzeptkünstler Vladimir Nikolic verbrachte zwei Nächte im Mercedes-Benz Museum, um der Mimik markanter Modelle humorvoll auf die Spur zu kommen.
Text: Benjamin Cantu
Fotos: Stefan Reeh

Humorvolle Autoporträts.

Die Idee, den Ausdruck eines Autos zu mimen, hatte der serbische Künstler Vladimir Nikolic schon als Kind. Sehnsüchtig blickte er damals auf seinem Schulweg im Bus auf die vorbeiziehenden Autos und imitierte heimlich ihre Gesichter. Aus dem Spiel entstand 2001 die Serie Autoportäts, in der Nikolic 16 Autogesichter auf den Straßen Belgrads interpretierte und dabei seine Kreativität humorvoll unter Beweis stellte. Doch ging es ihm damals um mehr als um den skurrilen Effekt: „Auf Serbisch bedeutet Autoporträt Selbstporträt. Ich spiele im Titel also mit der doppelten Bedeutung des Wortes, um auf das Auto als Teil der menschlichen Identität hinzuweisen. Obwohl ein Auto nur aus Metall, Plastik und Gummi besteht, entwickeln wir eine starke emotionale Bindung zu ihm. Wir entscheiden uns für ein Auto, das uns charakterisiert.“ Wir treffen Nikolic im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart, wo er eine Neuauflage der Autoporträts produziert.

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0-4,4 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert: 280-117 (g/km).
Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0-4,4 l/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert: 280-117 (g/km).

In zwei Nächten fotografiert er sich im dramatischen Licht neben ausgewählten Mercedes-Benz Modellen. Wie bei einer Charakterstudie betrachtet Nikolic dabei die Autos von allen Seiten, um die Perspektive mit dem prägnantesten Ausdruck zu finden. Welche Emotionen er mit den sechs ausgewählten Modellen verbindet, verriet er uns nach der Produktion.

Mercedes-Benz 300 SL.

„Ein sehr schönes Auto. Ich mag, dass es wie ein kraftvoller Sportwagen auftritt, der einen jedoch nicht einschüchtert. Als ob er uns sagen möchte: „Ich kann dich jederzeit besiegen, aber ich muss es nicht.“

Die Ähnlichkeit mit einer Seemöwe hat in meinen Augen außerdem etwas sehr sympathisches.“

Mercedes-Benz 220S.

„Die metallenen Konturen um die Scheinwerfer sehen aus wie Augenbrauen eines traurigen Gesichts.

Eine ähnliche Assoziation habe ich auch bei der Stoßstange, sie suggeriert einen leicht enttäuschten Mund.“

Mercedes-Benz W 25.

„Als Rennauto hat der W25 keine Scheinwerfer, darum habe ich die Augen geschlossen. Die gesamte Front läuft auf einen Punkt zu, als ob das Auto versucht, jemanden zu küssen.

Mein Gesicht ist auf meine zugespitzten Lippen konzentriert, um dieses dynamische und sehr erotische Auto zu treffen.“

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,2 l/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert: 308 (g/km).

Mercedes-Benz SLS AMG.

„Ein fantastisches Auto ohne offensichtliche Aggressivität. Es war nicht einfach, den einen Ausdruck darin zu entdecken,

aber ich denke, die Scheinwerfer strahlen eine gewisse Lässigkeit aus.“

Mercedes-Benz W154.

„Eine echte Herausforderung. Der Kühlergrill erinnert mich an gefletschte Zähne, aber gleichzeitig werden sie von einem seltsamen Lächeln umspielt. 'He he he, jetzt zeig ich’s dir!' sagt es einem.

Ich habe meinen Mund geöffnet und dabei ganz leicht gelächelt, als ob ich das Lächeln verbergen möchte. So hat es funktioniert.“

Mercedes-Benz C-Klasse Coupé.

„Die Form der Scheinwerfer erinnert mich an einen aggressiven Blick mit hochgezogenen Augenbrauen, während die Stoßstange einem sagen will: „Geh mir aus dem Weg!“

In dieser Komposition steckt auch eine gewisse Antizipation; als ob das Auto gleich losfahren würde.“

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