Dark Horse – Über Shared Power und neue Arbeitswelten.

Querdenker, Kinder und Genies haben vieles gemeinsam – sie handeln anders. Bei Dark Horse gibt es 30 Chefs und keine Angestellten.
Text: Ji-Hun Kim
Fotos: Lukasz Wolejko-Wolejszo
  • Dark Horse – Über Shared Power und neue Arbeitswelten.

  • Querdenken auf allen Ebenen.

    Im Fall der Berliner Agentur Dark Horse wird klassische Unternehmenskultur grundlegend auf den Kopf gestellt. Das fängt mit den 30 gleichberechtigten Gründern und Chefs der Firma bereits an. Das kann doch nicht gut gehen, denken viele. Geht aber doch, wie Dark Horse seit einigen Jahren erfolgreich beweist. Ein Blick hinter die Kulissen. Wir treffen uns in einem geräumigen Büro im dritten Stock eines belebten Gewerbehofs in Berlin-Kreuzberg: Geisteswissenschaftler, Soziologen, Betriebswirtschaftler, Designer, Ingenieure, Philosophen, Journalisten, Ernährungswissenschaftler und IT-Fachleute arbeiten hier zwischen italienischer Kaffeemaschine, Bürohund, bequemer Sitzecke und einem Hochbett, auf dem nach der Mittagspause entspannt werden kann.

    Das, was auf dem ersten Blick wie ein Coworking-Office wirkt, in dem jeder seiner individuellen Freelance-Tätigkeit nachgeht, ist allerdings eine Firma. Dark Horse nennt sich die Agentur und hier ist vieles anders. Einer der wichtigsten Punkte: Dark Horse besteht aus 30 gleichberechtigten Gründern und Unternehmern, – keine Hierarchien, keine Chefs, keine Manager. Entscheidungen, die alle betreffen, werden gemeinsam getroffen. Stichwort: Shared Power. Wahnsinn sagen die einen, die Revolution der Arbeitswelt die anderen.

    Unkompliziert und direkt.

    Jasper Grote ist einer der Mitbetreiber der Innovationsagentur. Um uns herum essen Kollegen dünne mit Süßkartoffeln belegte Pizza. Hin und wieder bellt der Hund, wenn jemand zur Tür reinkommt. Eine entspannte Atmosphäre, man geht respekt- und liebevoll miteinander um. Von einem stressigen und gestressten Agentur-Gewusel meint man nicht viel zu spüren. Und wüsste man nicht, dass Jasper Grote Marketing-Experte ist, ihm würde man auch gerne bei einem Street-Food-Stand einen Bio-Burrito abkaufen. „Was wir machen, ist vielleicht gar nicht so speziell, als vielmehr wie wir es machen“, erklärt Grote, der auch als Dozent in Potsdam lehrt, „Zunächst sind wir eine Agentur für Innovationsentwicklung. Wir entwickeln innovative Services, Konzepte, Produkte und Strategien für Firmen, oder wir helfen Unternehmen selbst innovativer zu werden. Wir zeigen zudem Methoden und Ansätze wie Firmenkultur verbessert werden kann.“

    Shared Power.

    Wie steht es aber um das Wie, das so anders sein soll? „Wenn es um Unternehmensgründung und Start-ups geht, wird in der klassischen Literatur vor allem gesagt: Gründe niemals mit Freunden, eine Firma sollte nie mehr als drei Gründer haben und investier all deine Zeit und Energie in diese Firma. Bei uns ist häufig das Gegenteil der Fall.

    Thank God It’s Monday.

    Wir sind 30 Gründer, sind seit Jahren gute Freunde und jeder kann selbst bestimmen, wann und wie oft er hier arbeiten will.“ Mittlerweile haben Dark Horse mit „Thank God It’s Monday“ ihr eigenes Buch zum Thema Arbeitskultur und Innovation geschrieben und veröffentlicht.

    Eine These hier: Lösungen können genial sein, Fehler aber noch genialer. „Viele Geschäftsleute und Verantwortliche, die wir kennenlernen, haben während ihres Studiums und Berufsleben vor allem gelernt, Fehler zu vermeiden. Wir denken hier gegenteilig. Aus Fehlern lernt man nicht nur. Durch Fehler können komplett neue Sachverhalte und kreative Potentiale entstehen“, so Grote. Vielleicht, man könnte es sich vorstellen, ist „Thank God It’s Monday“ in Zukunft selbst ein Standardbuch für Unternehmenskultur und junge Firmengründer.

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