Art Basel Miami, Mercedes-Benz, Rubell Collection

Die Sammler von Miami.

Gastbeitrag des Sleek Magazins: Die wichtigsten Kunstmäzenen Miamis und was sie sammeln. Drei Privatkollektionen im Zentrum der Stadt offenbaren ihre Schätze.
  • Die Sammler von Miami.

  • Verflechtungen zwischen Kunst und Kommerz.

    Die Kunstmesse Art Basel Miami Beach (ABMB), die seit mittlerweile elf Jahren in Floridas subtropischem Klima abgehalten wird, hat die Stadt völlig verwandelt: Vor Einzug der ABMB standen viele der glorreichen Art-Déco-Hotels am Küstenstreifen von Miami Beach leer und verwahrlosten langsam bis zu ihrem geplanten Abriss.

    Miamis Downtown, und insbesondere die Einkaufsmeile des Design Districts, galt als gefährliche No-go-Zone und Geisterstadt – selbst die dortigen Bewohner ließen sich nur selten auf der Straße sehen und erledigten ihre Besorgungen lieber in temperierten Einkaufszentren.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, De La Cruz Collection
    De La Cruz Collection Installationsansicht. Foto: Ben Coppelman.
    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, The Margulies Collection
    The Margulies Collection Installation. Foto: Ben Coppelman.

    Zwei Jahrzehnte später sind fast alle der Strandhotels frisch renoviert und voll ausgebucht, während sich in Miamis Design District und dem nahe gelegenen Wynwood-Bezirk Galerien, Bars, Shops und spektakuläre Street-Art auf engstem Raum drängen.

    An diesem Phönix-artigen Aufstieg ist die ABMB sicher nicht ganz unschuldig, aber auch viele prominente Persönlichkeiten wie der Bauunternehmer Craig Robins haben der Stadt mit ihren Visionen neues Leben eingehaucht.

    Nicht zu vergessen die wichtigen Kunstsammler der Stadt, die Miami dank tatkräftiger Unterstützung junger Künstler und der städtischen Museen als ernstzunehmendes internationales Kunstzentrum etablieren konnten. Und da die Verflechtungen zwischen Kunst und Kommerz in Miami stärker ausgeprägt sind als anderswo, ging dieser philanthropische Ansatz selbstredend mit großen Investitionen einher. Sleek machte sich ein Bild dieser bildgewaltigen Kollektionen und besuchte die drei wichtigsten Privatsammlungen der Stadt in Miamis Downtown.

    An diesem Phönix-artigen Aufstieg ist die ABMB sicher nicht ganz unschuldig, aber auch viele prominente Persönlichkeiten wie der Bauunternehmer Craig Robins haben der Stadt mit ihren Visionen neues Leben eingehaucht.

    Nicht zu vergessen die wichtigen Kunstsammler der Stadt, die Miami dank tatkräftiger Unterstützung junger Künstler und der städtischen Museen als ernstzunehmendes internationales Kunstzentrum etablieren konnten. Und da die Verflechtungen zwischen Kunst und Kommerz in Miami stärker ausgeprägt sind als anderswo, ging dieser philanthropische Ansatz selbstredend mit großen Investitionen einher. Sleek machte sich ein Bild dieser bildgewaltigen Kollektionen und besuchte die drei wichtigsten Privatsammlungen der Stadt in Miamis Downtown.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, The Margulies Collection
    The Margulies Collection Installation. Foto: Ben Coppelman.

    Zwei Jahrzehnte später sind fast alle der Strandhotels frisch renoviert und voll ausgebucht, während sich in Miamis Design District und dem nahe gelegenen Wynwood-Bezirk Galerien, Bars, Shops und spektakuläre Street-Art auf engstem Raum drängen.

    Die De La Cruz-Kollektion für moderne Kunst.

    Die kubanische Familie de la Cruz verdankt ihr Vermögen der Flaschenabfüllung. Bis 2009 war die umfangreiche Sammlung von Rosa und Carlos de la Cruz noch im eigenen Haus untergebracht – danach zogen die gesammelten Werke in ein eigens dafür entworfenes Gebäude am Rande des Design Districts um. Besucher werden gleich am Eingang von Sterling Rubys übergroßem Emaille-„Stalaktiten“ empfangen; im Anschluss ist jedes Stockwerk dieses großzügigen, dreistöckigen White-Cube-Gebäudes einem bestimmten Schwerpunktthema gewidmet. Aktuell dreht sich im Erdgeschoss alles um Muster und freigelegte Prozesse. Hier finden Werke von u. a. Wade Guyton, Thomas Houseago, Rudolf Stingel und Rashid Johnson ausreichend Raum und natürliches Licht für ihre perfekte Präsentation. Ein Stockwerk höher versammeln sich die „Shooting Stars“ bzw. aktuell besonders heiß gehandelten Künstler mit Fokus auf skulpturale Arbeiten.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, De La Cruz Collection
    De La Cruz Collection Installationsansicht. Foto: Ben Coppelman.

    Mit dabei: Tauba Auerbach, Seth Price, Aaron Curry und Alex Israel direkt neben Tom Burr, Rob Pruitt oder auch Isa Genzken. „Dieses Jahr haben wir uns sehr viele Gedanken über eine radikale Umnutzung und Neuerfindung unserer Räumlichkeiten gemacht“, so Rosa de la Cruz in einem Text zur Sammlung.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, De La Cruz Collection
    De La Cruz Collection Installationsansicht. Foto: Ben Coppelman.

    „Wir haben dieses Geschoss deshalb in einen überdachten Skulpturengarten verwandelt, der an einen öffentlichen Park erinnert.“ Ganz oben warten jedoch die besten Arbeiten und herausragenden Highlights auf interessierte Besucher, denn hier finden sich viele Werke von Künstlern, die die de la Cruz-Familie seit Jahren sammelt und unterstützt und die demnach viel mehr über die persönlichen Vorlieben der Sammler preisgeben.

    Hier liegt der Schwerpunkt auf lateinamerikanischen Künstlern wie Félix González-Torres und Gabriel Orozco; der auf Kuba geborenen Ana Mendieta widmet das Stockwerk gleich einen ganzen Bereich. Mit ihrer eindrucksvollen Sammlung möchten die de la Cruz‘ vor allem grundsätzliches Interesse an visueller Kunst wecken – und die Kunstvermittlung fördern. In diesem Sinne ist das gesamte Gebäude, einschließlich besonderer Programmpunkte, Vorträge oder der hauseigenen Bibliothek, kostenfrei und öffentlich zugänglich.

    Die Margulies-Kollektion im Warehouse.

    In Sachen Kunst macht der Bauunternehmer und Multimillionär Martin Z. Margulies keine Geschäfte: Er versteht seine gesammelten Werke nicht als Investitionen, sondern empfindet einen tiefen Bezug zu den ausgewählten Stücken.

    Seine eindrucksvolle Kollektion ist in einer umgebauten Lagerhalle im Künstlerbezirk Wynwood untergebracht und wird seit 1982 von der Kuratorin Katherine Hinds gepflegt, der wir ein wirklich einzigartiges Erlebnis dieser Sammlung verdanken.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, The Marguiles Collection
    The Margulies Collection Installationsansicht. Foto: Ben Coppelman.

    Als unangefochtenes Kronjuwel des Bezirks versammelt die Kollektion moderne und Vintage-Fotografien, Videokunst, Skulpturen und Installationen diverser Genres einschließlich Pop-Art, Minimalismus und Expressionismus an diesem Ort.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, The Margulies Collection
    Eingang zur The Margulies Collection im Warehouse. Foto: Ben Coppelman.

    Während das Eingangsfoyer von einer riesigen Anselm-Kiefer-Skulptur dominiert wird, überrascht das folgende Raumlabyrinth mit fantastischen Arbeiten etablierter Künstler und weniger bekannter Namen. Doch ganz gleich, ob die ausgestellten Urheber etabliert sind oder nicht – Qualität ist und bleibt das einzige Kriterium, an dem sich die Arbeiten dieser Kollektion messen lassen müssen.

    Neben Künstlern wie Olafur Eliasson, Donald Judd, Richard Serra, Sol LeWitt, Franz West oder Willem de Kooning in der ständigen Ausstellung finden sich demnach auch viele eher obskure, doch nicht weniger interessante Highlights. Der Eintrittspreis von zehn Dollar wird vollständig an das Lotus-Haus-Obdachlosenasyl für Frauen und Kinder weitergereicht.

    Die Rubell-Familiensammlung.

    Das prominente Glanzstück unter Miamis Kunstsammlungen, die Rubell-Familiensammlung (RFC), wird seit 1964 – kurz nach der Hochzeit von Donald und Mera Rubell – ständig erweitert. Damals betrug ihr monatliches Kunstbudget noch ganze 25 Dollar, doch nach fast einem halben Jahrhundert ist die international anerkannte Sammlung der Rubells auf etwa 5.000 Werke angewachsen und umfasst mittlerweile Arbeiten von Kehinde Wiley, Ai Weiwei, Marilyn Minter, Elizabeth Peyton und vielen weiteren Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Nebenbei haben die Rubells entscheidend zur Etablierung der Art Basel in Miami Beach beigetragen und im Rahmen ihrer Contemporary Arts Foundation machen sie ausgewählte Arbeiten ihrer Sammlung ganzjährig öffentlich. Von allen der drei vorgestellten Kollektionen ist dies die vielleicht vielseitigste und ungewöhnlichste, aber die Rubells würden nie auch nur eines ihrer gesammelten Werke weiterverkaufen.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, Rubell Family Collection

    Eingang zur Rubell Family Collection. Foto: Ben Coppelman.

    Die aktuelle Ausstellung im ersten Stock beschäftigt sich mit dem Paradox des Künstlers, der oft isoliert im eigenen Studio arbeitet, aber dennoch an einem größeren Ganzen gemessen und definiert wird.

    Mercedes-Benz, Art Basel Miami, The Rubell Family Collection
    The Rubell Family Collection Installationsansicht. Foto: Ben Coppelman.

    Das Erdgeschoss ist aktuell dem kolumbianischen Künstler Oscar Murillo gewidmet, der hier seine erste Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten präsentiert und dabei Gemälde vorstellt, die im Sommer 2012 während eines fünfwöchigen Stipendiats an der RFC entstanden sind. Er verbrachte seinen ganzen Aufenthalt im Stiftungsgebäude und nutzte dabei die 40-Quadratmeter große Galerie und den angeschlossenen Skulpturengarten als Studio.

    Haben die Rubells vielleicht einen Ratschlag für angehende Sammler parat? „Genau hinschauen, nachlesen und festlegen.“ Soll heißen: Wer es wirklich ernst meint, sollte sich so viel Kunst anschauen wie möglich und auch die Hintergründe studieren. „Doch dann gibt es immer diesen gewissen Moment der Wahrheit, wenn man sich für sein allererstes Kunstwerk entscheidet und darauf festlegt. Erst, wenn man vor seinem ersten Stück steht oder, besser noch, sitzt, kann man wirklich herausfinden, wie sehr – oder sogar ob – man es mag und was es für einen bedeutet.“

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