Das mobile MaketechXlab © Stephan Röhl

Die Zukunftsmacher.

Am Rande der ersten MaketechX Konferenz in Berlin treffen wir die Zukunftsforscher Yuri van Geest von der Singularity University und Alexander Mankowsky von Mercedes-Benz zum gemeinsamen Schlagabtausch über Technologie, den Menschen und die Zukunft der Mobilität.
Text: Benjamin Cantu
Fotos: Stephan Röhl
  • Die Zukunftsmacher.

  • Yuri van Geest bei seinem Talk über Singularität © Stephan Röhl

    Zehn Gutenberg-Momente zur selben Zeit.

    Der Gutenberg-Moment beschreibt einen Meilenstein technologischen Fortschritts.
 Vor über 500 Jahren dezentralisierte die Druckmaschine das Wissen der Menschheit. Heute erleben wir zehn Gutenberg-Momente zur selben Zeit. Das zumindest sagt Yuri van Geest, niederländischer Botschafter und Doppel-Alumnus der Singularity University im Silicon Valley und Mitbegründer von Quantified Self. Er verweist auf die durchschlagenden Technologien, die unser Leben schon heute revolutionieren, wie zum Beispiel Neurotechnologie, DNA Printing, künstliche Intelligenz von Drohnen und Robotern, sowie Open Source Hardware und Mobilität.

    Die Grenze zwischen Mensch und Maschine.

    Yuri passt damit ideal in die hochkarätige Auswahl an Rednern, Makern, Hackern und Industrievertretern, die während der zweitägigen, ersten MaketechX Konferenz in die Platoon Kunsthalle nach Berlin eingeladen wurden. Sie alle stehen für Communities, die das Potenzial neuer Technologien erkannt haben und durch ihren kreativen Einsatz das Leben lebenswerter machen wollen.
 Unter ihnen auch Alexander Mankowsky, der als Zukunftsforscher für Mercedes-Benz die Welt bereist, um gesellschaftliche und technologische Trends zu erfassen und in die Entwicklung neuer Konzeptfahrzeuge einfließen zu lassen.
 Mit ihrem zukunftsweisenden Wissen inspirieren beide Forscher die kreativen Designer und Ingenieure ihres jeweiligen Umfelds.

    Yuri van Geest und Alexander Mankowsky © Stephan Röhl

    Dabei spielt für beide die Annäherung der Grenzen zwischen Mensch und Maschine eine wichtige Rolle. Grund genug, die zwei Visionäre untereinander vorzustellen und zum gemeinsamen Gespräch einzuladen.

    Inspiration Technologie.

    Bei Zukunft denkt man automatisch an technologischen Fortschritt. Was inspiriert euch an dem Thema Technologie?


    Yuri: Was mich an Technologie inspiriert, ist, wie schnell sich Dinge verändern, und was das für Auswirkungen hat. Technologie wird immer exakter. Natürlich muss man sich Risiken und ethische Fragen immer genau ansehen, aber in der Regel profitieren wir als Individuen und als Gesellschaft von technologischem Fortschritt.

    Alexander: 
Mich inspiriert es, wenn ich sehe, dass technische und soziale Innovation zusammenpassen. Ein Idealmoment ist, wenn Menschen anfangen, soziale Innovation und technische Neuheiten von sich aus zu verknüpfen. Das iPhone zum Beispiel. Jeder liebt es, aber ohne die Menschen, die sich auf die Entwicklung kreativer Apps spezialisieren, wäre das Gerät langweilig.

    Hochsensible Technik © Stephan Röhl

    Im nächsten großen Schritt wird es darum gehen, das Digitale in die physische Welt wandern zu lassen. In Form von Robotik zum Beispiel. Wir bei Mercedes-Benz arbeiten auch an dieser nächsten technischen Welle.

    Öffentliche Diskussion auf der maketechX Konferenz © Stephan Röhl

    Vom User zum Maker.

    Auf der MaketechX Konferenz steht genau dieser Wandel von uns als Usern hin zu Makern im Vordergrund. Wie seht ihr diese Bewegung?


    Yuri: Es geht darum, sich wieder mit seiner Kindheit zu verbinden. Ich habe immer mit Lego gespielt. Heute kann man sehr viel komplexere Dinge herstellen. Die digitale Welt ist sehr fließend und unendlich oft kopierbar, also ist sie vergänglich. Wohingegen man bei dem physischen Herstellen von Objekten, mit Hilfe eines 3D oder 4D Druckers oder eines offenen Schaltkreises, ein Gefühl von Bodenständigkeit und Erfüllung erfahren kann. Etwas, das man im digitalen Sinne nicht erreichen kann. Es ist einzigartiger, authentischer und menschlicher.

    MaketechX Workshops in der Platoon Kunsthalle Berlin © Stephan Röhl

    Globalisierungs-Tsunami.

    Alexander:
 Und viele junge Leute, insbesondere die Avantgarde unter ihnen, geben sich nicht mehr mit reinem Konsum zufrieden. Warum soll die Gestaltungsfreiheit nur auf den digitalen Bereich beschränkt sein? Was also gerade passiert, ist, dass sich immer mehr Menschen selbst dazu befähigen, die Dinge auch selbst zu machen.

    Innovation stammt aus der Verknüpfung von Menschen aus verschiedenen Bereichen, die noch nichts voneinander wissen. Ich denke, im heutigen Globalisierungs-Tsunami brauchen wir etwas, woran wir uns festhalten können und was wir als Gemeinschaft erkunden können.

    Living in Transit.

    Alexander, dein Fokus liegt auf dem Thema Mobilität. Welche Entwicklung findest du in diesem Bereich besonders aufregend?


    Alexander: Ohne Zweifel das autonome Fahren, eingebettet in die Robotik-Entwicklung. Das ist eine revolutionierende Technologie, weil sie nicht nur das Auto als Transportmittel betrifft, sondern gleichzeitig auf das Thema Urbanisierung stößt. Urbanisation ist deshalb ein Thema, weil städtischer Raum immer knapper wird und Mobilität im Wettbewerb um Raum steht. Wir bei Mercedes-Benz denken über Konzepte nach, die wir unter dem Begriff Living in Transit zusammenfassen.

    Alexander Mankowsky © Stephan Röhl

    Dabei geht es um das Auto als Ort des Rückzugs in Bewegung, aber auch darum, wie das Auto Ressourcen an die Stadt zurückgeben kann. Das wird die Welt, wie wir sie kennen, verändern.

    Das Auto als Software-Unternehmen.

    Yuri:
 Das sehe ich auch so. Eine bahnbrechende Entwicklung! Ich möchte noch einen anderen Zukunftstrend der Mobilität anführen: Eine Automobilmarke ist nicht mehr nur ein Hardware-Hersteller, sondern zunehmend auch ein Software-Unternehmen. Das Auto der Zukunft hat ein Betriebssystem und Apps, die nicht nur vom Hersteller selbst entwickelt werden, sondern auch von Hackern, Programmierern und Start Ups. Wie bei Facebook oder Twitter wird es Tausende von Entwicklern geben, die das Auto zur Plattform machen werden. Das wird neue Maßstäbe setzen.

    Alexander: 
Ich bin skeptisch, was das Open-Source-Auto als Plattform angeht. Das Auto ist das technologisch weitest entwickelte Objekt welches wir besitzen können. Totale Offenheit ist dabei schwer zu erreichen, weil es sehr viele Prozesse im Inneren des Autos gibt.

    Open Circuit Workshop mit Fritzing © Stephan Röhl

    Außerdem soll es ja auch als ästhetische Einheit überzeugen. Ich denke, dass Design und Ästhetik eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden, weil technischer Fortschritt die Möglichkeiten des Designs immer weiter voran treibt.

    Alexander Mankowsky © Stephan Röhl

    Die Qual der Wahl.

    Die Frage, die nun noch bleibt: Wie stellt ihr euch die Zukunft aus eurer Perspektive vor?

    Alexander:
 Es gibt Institute im Bereich der Zukunftsforschung, die sich Mobilität als eine zentral gesteuerte Angelegenheit vorstellen. Menschen sollen so effizient und grün wie möglich von A nach B transportiert werden. Grün ist ja gut, aber ich möchte die Wahl haben. Als Zukunftsforscher bei Mercedes-Benz möchte ich auch, dass man die Wahl behält, wie man sich fortbewegen kann und dabei nicht auf Individualität, Ästhetik und Luxus verzichten muss.

    Im inneren Einklang.

    Yuri:
 Ich denke, die Gesellschaft der Zukunft wird sich um Selbstwissen und Identität drehen. Wenn wir uns besser kennen und verstehen, was uns motiviert, was unsere ursprünglichen Fähigkeiten sind, können wir unseren Aufgaben im Leben viel besser und glücklicher nachgehen. Am besten funktioniert das durch das Erforschen von Vielfalt und immer wieder Fragen stellen. Wir brauchen dieses Wissen auch, um mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von Veränderungen mithalten zu können. Wenn wir mit uns nicht im Einklang sind, verlieren wir in dieser neuen Welt. Aber wir haben die Mittel und Technologien, um all das zu erreichen.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Yuir van Geest und Alexander Mankowsky © Stephan Röhl

    Das MaketechXlab unterstützt in Zusammenarbeit mit Fab Lab Berlin Pionierprojekte für Smart Technology und Prototyping. Alle Technikinteressierten mit einer innovativen Idee können sich für den Verleih des mobilen MaketechXlabs bewerben, inklusive Mercedes-Benz Viano und <100Mbit/s Hotspot der Telekom.

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