In seinem Mercedes-Benz G550 zeigt Jonathan Brown Freunde von Freunden seine Lieblingsorte in L.A.

Jonathan Brown: Kunst trifft Neurowissenschaft.

Der Kunsthändler und Neuropsychologe mit Freunde von Freunden unterwegs im Mercedes-Benz G 550 in L.A.
Fotos: Daniel Trese
Text: Andi Teran
  • Jonathan Brown: Kunst trifft Neurowissenschaft.

  • Am Nerv der Zeit.

    Jonathan Brown schätzt das Rare, Feine, Vergriffene. Nach mehreren Jahren in New York, einer Zusammenarbeit mit dem berühmten Neurologen Oliver Sacks sowie Gastspielen in Harvard und an der Columbia Universität zog es den

    Renaissancemenschen in die „Stadt der Engel“, wo er mit LEADAPRON mittlerweile eine wahre Wunderkammer ausgewählter Bucheditionen, esoterischer Fund- und künstlerischer Einzelstücke führt.

    Vom Neurologen zum Kunsthändler – Jonathan Brown in seinem Laden LEADAPRON.

    Sammelsurium der schönen Künste.

    Jonathan, wie bist du ursprünglich zum Kunst- und Buchhandel gekommen?

    Als Jugendlicher in New York hatte ich eigentlich immer irgendeinen Deal am Laufen; ich habe den Leuten gern etwas angedreht. Meine Mutter war Antiquitätenhändlerin und hat mich oft zu Messen und Märkten mitgenommen. Als dann irgendwann absehbar war, dass ich die Neurowissenschaften an den Nagel hängen würde, hatte ich in meiner Freizeit viel mit Buchhändlern zu tun und fand das sehr romantisch.

    Die Liebe zur Kunst ist im Laden des ehemaligen Neurologen nicht zu übersehen.

    Schließlich sind dies Menschen, die sich für Ideen und deren Verbreitung und Erhalt interessieren und diese nach Ladenschluss bei einem schönen Essen auch weiterdiskutieren. Es gibt dem Leben eine Bedeutung und einem selbst das Gefühl, dass man die Kultur mit am Leben erhält.

    Jonathan Brown kombiniert in seinem Laden Kunstwerke mit Büchern – auch wissenschaftliche Literatur findet sich in den Regalen.

    Die Poesie des Gehirns.

    Wie schafft man den Sprung von der Neuropsychologie in dieses Metier? 

    Zu den Neurowissenschaften, die mich 15 Jahre lang beschäftigt haben, brachte mich ursprünglich mein Interesse für Theater – die Gesten und Sprache des Theaters… Also habe ich mir einen Job in einem psychiatrischen Krankenhaus in New York besorgt und dort unter anderem mit Oliver Sacks zusammengearbeitet. Mich hat die Poesie des Gehirns fasziniert und die Erkenntnisse über das menschliche Befinden, die sie liefert. Sie ist die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Wenn man dann noch meine Theatervergangenheit und ausgeprägte Liebe für Ästhetik und alles Schöne dazu nimmt, dann hat dies meinen Weg zum Kunst- und Buchhändler praktisch vorgezeichnet. Es war quasi das beste Praxistraining für meine aktuelle Aufgabe.

    Freigeister in der „Stadt der Engel“.

    Warum bist du eigentlich von New York nach Los Angeles gezogen? 

    New York hatte für mich irgendwie seine Energie, sein lebendiges Funkeln verloren. Das, was alle immer so hoch halten – wie spannend, aufregend und vielfältig diese Stadt doch ist – kam mir nur noch klischeehaft vor. Ich war auch früher schon oft in Los Angeles und war verliebt in die lauwarmen Abende und den Duft des nachtblühenden Jasmins. In New York lässt einem die Stadt keinen Raum, um selbst in Ruhe herauszufinden, was man mit seinem Leben eigentlich anfangen möchte. Man hat keine Zeit, sich darüber auch nur Gedanken zu machen oder seine Möglichkeiten zu eruieren. Wenn man sich nicht sofort entscheidet, dann trifft New York die Entscheidung sehr schnell für einen.

    In seinem Mercedes-Benz G550 zeigt Jonathan Braun Freunde von Freunden seine Lieblingsplätze der Stadt.

    Basquiats Brieftasche.

    Wieso trägt dein Laden den Namen LEADAPRON (Bleischürze)? 

    Schürzen werden von Menschen getragen, die echte, handfeste Arbeit leisten – ob Handwerker, Kellner, Bildhauer oder Schuhmacher – also von den Leuten, die Dinge herstellen, die unserer Kultur ihr Gesicht verleihen und so den gesamten Zivilisationsprozess vorantreiben. Als Bleischürze kommt sie vor allem bei Röntgenaufnahmen als Schutzschild zum Einsatz. Das fand ich interessant. Die Schürze als Synonym für den vorderen Bühnenrand: Ein Ort der Ankunft und Dramen; ein Ort, der mein ganzes Spektakel umreißt.

    Jonathan Brown weiß, wie er Sammler zufrieden stellen kann.

    Gab es ein bestimmtes Buch oder Objekt, das dich zu deinem Karriereumbruch inspiriert hat?

    Ich besaß damals den ganzen persönlichen Nachlass von Basquiat, da ich eine Weile mit seiner letzten Freundin zusammen war. Seine Brieftasche, seinen Mantel, einen von ihm gefertigten Toaster. Das waren sehr ungewöhnliche Dinge, die bald Sammler und Kunden anzogen. Mittlerweile stelle ich ganze Bibliotheken und Sammlungen zusammen.

    Der G 550 – Ein fahrbares Kunstwerk.

    Wir erkunden die Stadt gerade in deinem Mercedes-Benz. Was schätzt du an diesem Wagen besonders? 

    Ich liebe das braune Leder für seine klassisch zeitlose Robustheit, strenge Kraft und Eleganz. Der Wagen bietet viel Platz und sein Motorengeräusch weckt die Sinne. Schon mein allererstes Auto war ein Mercedes; ein blaues 280 C Coupé. Die ganze G-Serie hat eine schöne Geschichte und ein exquisites Design. Der Wagen ist sehr maskulin und lässt mich die Straße spüren. Nebenbei ist er perfekt für meinen Job, da ich damit sehr gut Bücher, Bilder oder Möbel transportieren kann. Ein fantastisches Nutzfahrzeug mit erstklassiger Sicht; ein echtes, gut designtes Kunstwerk. Und sehr sicher für meine Kinder.

    Zu den Fahrzeugen von Mercedes-Benz besitzt Jonathan Brown seit jeher eine emotionale Beziehung.

    Kunst im modernen Wilden Westen.

    Los Angeles zieht mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich. Wie hat sich die Stadt seit deiner Ankunft verändert? 

    Als ich New York verließ, fragten meine Freunde noch: „Wieso gerade L.A.? Das ist doch eine öde Wüste mit oberflächlichen Menschen…?“ Und meine Antwort lautete: „Ihr werdet schon sehen: In zehn Jahren fragt ihr mich höchstwahrscheinlich nach Wohnungstipps.“ In den vergangenen ein, zwei Jahren hat sich die Stadt dramatisch verändert. Die Wirtschaft hat stark angezogen und L.A. gilt als neue Hauptstadt der Kunst. Hier herrscht immer noch der Wilde Westen – alles ist möglich – und jeder kann sein eigenes Leben gestalten. Ein Leben, das vielleicht nur einer einzigen Idee entspringt.

    Kunst und Kultur treffen im Laden von Jonathan aufeinander – manches skurrile Werk befindet sich darunter.

    Das heutige Los Angeles erinnert mich an die Akropolis vor 2.000 Jahren. Wir leben hier ganz nah am Ruder der Kultur. L.A. ist nicht umsonst die Traumfabrik der Welt. Einige der intelligentesten Menschen, die ich je getroffen habe, leben mittlerweile hier in Los Angeles.

    Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Jonathan, und die Tour durch die Stadt!

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