Im zweiten Teil unseres Road-Trips „The Search” von Berlin nach Kopenhagen trafen wir drei weitere Kreative auf den Spuren der Essenz neuer Kooperationsmodelle.

Kreativität und Teamwork: Ein Road-Trip, Teil 2.

Gastbeitrag des Sleek Magazines: Im zweiten Teil unseres Road-Trips „The Search“ von Berlin nach Kopenhagen trafen wir drei weitere Kreative auf den Spuren der Essenz neuer Kooperationsmodelle.
Text: Grashina Gabelmann
Fotos: Maxime Ballesteros
  • Kreativität und Teamwork: Ein Road-Trip, Teil 2.

  • Seit Gründung hat Wood Wood stets auf smarte Synergien zwischen Street und Chic gesetzt.

    Hej Kopenhagen! Ein Heimspiel für Wood Wood.

    Stoßt direkt in Kopenhagen zu uns – oder entdeckt hier den ersten Teil unserer Reise.

    Nach Zwischenstopps in Berlin und Hamburg führt unsere Suche schließlich nach Kopenhagen zum Modelabel Wood Wood, das über Kollaborationen bewusst Neuland erschließt und dabei seinen eigenen raffinierten, humorvollen und charakteristisch dänischen Designanspruch u.a. auf Produkte geistesverwandter Marken wie Adidas, Nike, Barbour oder Happy Socks überträgt, aber auch das eigene Label im wunderschönen Kopenhagen in einen vollen Erfolg verwandelt hat.

    Gegen 18 Uhr wartet einer der drei Labelgründer, Karl-Oskar Olsen, im Nørrebro-Hauptquartier der Marke auf uns. Seit der Gründung 2002 durch Karl, Brian SS Jensen und den mittlerweile wieder abgesprungenen Magnus Carstensen hat Wood Wood stets auf smarte Synergien zwischen Street und Chic gesetzt. „Damals haben die Leute einen ziemlichen Hype um uns veranstaltet, da wir als einzige in Kopenhagen diese Mischung aus Street und Designer angeboten haben“, so Olsen. Doch ihre wahre Stärke liegt in der harmonischen Kooperation: Jensen, Olsen und dessen Freundin Lotte arbeiten tagtäglich intensiv miteinander.

    Wood Wood erschließt über Kollaborationen bewusst Neuland und behält dabei seinen eigenen raffinierten, humorvollen und charakteristisch dänischen Designanspruch bei.

    „Mittlerweile arbeiten wir seit 20 Jahren zusammen und setzen dabei vor allem auf gegenseitiges Verständnis – wir müssen nicht alles ausdiskutieren, da wir sowieso wissen, wie die anderen ticken.“ Sie veranstalten regelmäßige „Inspirationsausflüge“: „Wir haben eigentlich nie genug Zeit für die kreativen Aspekte, deshalb ist die Zeit nach unserer Rückkehr immer sehr intensiv, bis die Kollektion schließlich steht“, ergänzt Olsen. „Aber während dieser Kurztrips nehmen unsere Ideen gemeinsam Form an. Sie ergeben plötzlich einen Sinn, sobald wir den Alltagskram aus unseren Köpfen verbannen können. Auch geschäftlich haben strategische Kollaborationen viele Vorteile.

    Wood Woods Stärke liegt in der harmonischen Kooperation.

    Unsere erste Kooperation mit Adidas hat uns viele Türen geöffnet, so dass wir unsere eigene Kollektion an den Start bringen konnten. Wenn wir eine Marke sympathisch finden und das Gefühl haben, dass wir in diesem Kontext Dinge verwirklichen können, die innerhalb unseres eigenen Labels nicht möglich wären, dann sagen wir ja.“

    Mit ihrer ausdrucksstarken und absolut einzigartigen Modesprache verbindet Stine Goya eigene Drucke, skulpturelle Silhouetten und klare, leuchtende Farben in jeder Kollektion neu.

    Heimelige Welt: Der Showroom von Stine Goya.

    Auch glasklar individualistische Modepioniere hat Kopenhagen so einige zu bieten, die hier abseits der Fashion-Zentren Mailand, Paris und London eine eigene Ästhetik zurechtschmieden: Am folgenden Morgen besuchen wir Stine Goyas Studio, die mit ihrer ausdrucksstarken und absolut einzigartigen Modesprache eigene Drucke, skulpturale Silhouetten und klare, leuchtende Farben in jeder Kollektion neu verbindet. Dabei setzt Goya auf die richtige Mischung aus Geschäftssinn und die für Dänemark typische Lässigkeit. Mit ihren langen, rotblonden Haaren, Sommersprossen und fröhlicher Wärme passt sie perfekt in ihren märchenhaften Showroom; einen goldenen, glitzernden Fundus zirkusinspirierter Kleidung, die von wunderschönen, übergroßen Glühbirnen ins rechte Rampenlicht gerückt wird.

    In den anschließenden Räumen skizzieren, drapieren und schneiden Praktikanten währenddessen die Entwürfe der Designerin, doch die Atmosphäre des Studios bleibt entspannt-fokussiert. „Ich arbeite wahnsinnig gern mit anderen Leuten zusammen“, verrät Goya mit Blick auf ihr Team, „besonders mit Menschen aus anderen Ländern – das erweitert den Horizont und beschert dir neue Ideen.“ Goya gründete ihr Label 2006 nach einem Studium am renommierten Londoner Central Saint Martins College. Und obwohl sie Kopf und Herz der Marke ist, glaubt sie nicht, dass das Konzept des einsamen Genies auf ihr Label anwendbar wäre. „Es steckt in der Natur des Menschen, die Nähe anderer zu suchen, erst dann lassen sich große Ideen verwirklichen.

    Goya gründete ihr Label 2006 nach einem Studium am renommierten Londoner Central Saint Martins College.

    Man braucht den Rückhalt eines kompetenten Teams, und ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich mich hier auf engagierte Menschen verlassen kann, die ihre Zeit und ihr Können voll und ganz dieser Marke widmen – ganz so, als wäre es ihre eigene.“

    Neben ihrem eigenen Label verantwortet sie zwei Kollektionen pro Jahr für die Marke Weekday, arbeitet mit den dänischen Accessoire-Spezialisten von Adax zusammen und sucht sich für jede ihrer eigenen Kollektionen einen passenden Künstler zwecks Kollaboration.

    Doch Stine Goyas kreativer Ansatz geht sogar noch darüber hinaus: Neben ihrem eigenen Label verantwortet sie zwei Kollektionen pro Jahr für die Marke Weekday, arbeitet mit den dänischen Accessoire-Spezialisten von Adax zusammen und sucht sich für jede ihrer eigenen Kollektionen einen passenden Künstler zwecks Kollaboration. „Kooperationen zwingen mich dazu, meine eigene, heimelige Welt zu verlassen; sie bringen mich dazu, andere Arbeitstechniken und -ansätze auszuprobieren, um neue Ergebnisse zu erzielen.“

    Letzter Halt: Anne Sofie Madsens königliches Studio.

    Während Designer wie Stine Goya, Henrik Vibskov oder Barbara í Gongini die eine Seite des aktuellen, progressiven Kopenhagener Modedesigns verkörpern, repräsentiert Anne Sofie Madsen die andere. Als momentaner Liebling der „schwarzen Krähen“ in der ersten Reihe lässt sie diverse extreme Avantgardemodelle über den Laufsteg gleiten, inspiriert von Horrorfilmen, Robotern oder Science Fiction. Ihr Markenzeichen sind dabei hautenge Kleider, die gleichzeitig feminin und glatt, aber auch hart und animalisch wirken. Können derartige Kreationen tatsächlich einem einzigen Kopf entspringen?

    Als momentaner Liebling der „schwarzen Krähen“ in der ersten Reihe lässt Anne Sofie Madsen diverse extreme Avantgardemodelle über den Laufsteg gleiten, inspiriert von Horrorfilmen, Robotern oder Science Fiction.

    „Früher hat hier der König gewohnt, wenn er gerade auf Schwanenjagd war“, erklärt Madsen bei der Begrüßung im gepflasterten Hof ihres neuen Studios in Kastrup. Sämtliche Wände sind dicht mit Ausdrucken von Robotern, Augen, Skulpturen, Schmuck, Insekten, medizinischen Illustrationen oder Nahaufnahmen von Stuck bedeckt – das Ergebnis wirkt fast wie ein analoger Tumblr. „Ich sammle Dinge, die meine Gedanken abbilden“, so Madsen. „Wenn ich eine Kollektion vorbereite, dann schweben mir erst einmal ein Gefühl, ein Gedanke, ein paar Worte vor, und dann sammle ich einen großen Berg Bilder zum Thema. Man muss wirklich aufmachen, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Denn daraus kann sich dann ein ganz neues Universum auftun und entwickeln.“ Madsens erstes Universum – ihr Urknall, sozusagen – war die Präsentation ihrer ersten Kollektion auf der London Fashion Week 2010, direkt im Anschluss an ihre Arbeit bei Alexander McQueen.

    „Dort wurde mir schnell klar, dass ich mein eigenes Ding machen musste. Ich glaube, dass unsere kreative Energie ein knappes und begrenztes Gut ist, und ich wollte meine nicht für etwas verbrauchen, bei dem mein eigener Namen nicht auf dem Etikett steht.“

    Mittlerweile erfindet Madsen ihr eigenes Universum also jede Saison neu. „Wir beginnen z.B. mit den dekonstruierten Formen eines Roboters und fügen sie dann einfach anders zusammen, bis sie irgendwann eine Jacke oder ein Kleid ergeben. So etwas (wie ein Label) kann man nicht alleine machen – bei jeder Kollaboration arbeite ich mit Freunden zusammen, die sich mit Drucken, Accessoires oder Strickwaren beschäftigen.“ Es gibt in Madsens Welt also mindestens ebenso viele Universen wie Freunde. Anders als gängige Klischees vielleicht suggerieren, arbeitet also kein Künstler völlig autark, und der Erfolg hat oft viele Mütter (bzw. Väter, Brüder und Schwestern).

    Madsens erstes Universum – ihr Urknall, sozusagen – war die Präsentation ihrer ersten Kollektion auf der London Fashion Week 2010, direkt im Anschluss an ihre Arbeit bei Alexander McQueen.

    Auf dem Rückweg zur Fähre nach Deutschland im CLS 500, bei einem kurzen Eiskauf am Hafen vor den Toren der Stadt, schießt uns plötzlich ein Satz von Stine Goya durch den Kopf: Kollaboration ist die Verbindung unterschiedlicher Stärken und Fähigkeiten mithilfe von Vertrauen, Respekt und Zuhören.

    Im Rahmen unserer Reise durch drei Städte und sechs Studios wurde deutlich, dass Kooperationen sehr viele unterschiedliche Gesichter tragen kann.

    Im Rahmen unserer Reise durch drei Städte und sechs Studios wurde deutlich, dass Kooperation sehr viele unterschiedliche Gesichter tragen kann.

    Ist „gemeinsam sind wir stark“ also das neue Motto für diese endlos kreative Zeit? Es sieht ganz danach aus. „Man braucht eine Sippe, eine Gang“, erklärte uns Dirk Bonn in Berlin. „Je mehr Leute mitmachen, desto leichter wird es, eine neue Sprache zu entwickeln, in der die Projektideen Ausdruck finden können.“

    Ganz im Sinne der beschriebenen Reise entstand auch dieser Beitrag im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem SLEEK Magazine.

    Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9.0 l/100 km;

    CO₂-Emissionen kombiniert: 209 g/km.*

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