New York Kitchensurfing: Shared Life Quality.

Wer fremde Köche nach Hause einlädt, isst im Zweifel nicht nur entspannter, sondern auch besser – und ist User von Kitchensurfing, einer neuen Startup-Idee aus New York, die wir für euch ausprobiert haben.
Fotos & Text: Felix Zeltner
  • New York Kitchensurfing: Shared Life Quality.

  • Ein Loft in Tribeca.

    “Komm, nimm erst mal ein Bier.” Borahm Cho hält mir eine Flasche Samuel Adams hin. Ich nicke atemlos, nachdem ich mich gerade fünf steile, knarzende Holztreppen ins höchste Stockwerk eines alten Wohnhauses im New Yorker Szeneviertel Tribeca hinaufgearbeitet habe. Nun stehen wir in einem großzügigen Loft, die Wände weiß gestrichen, vor den Fenstern die New Yorker Nacht. Das Loft wurde spontan über Airbnb gemietet, eine der bekanntesten Websites der “Sharing Economy”, in der Leute ihr Hab und Gut – meist für Geld – mit anderen teilen.

    Borahm hat mich hierher gelotst, damit ich sein Startup Kitchensurfing in Aktion erleben kann. Der Koch des Abends, Frederick, arbeitet normalerweise als Sous-Chef in der Kantine einer Großbank, in seiner Freizeit vermietet er seine Fähigkeiten per Kitchensurfing an Privatleute. Er erzählt vom Spaß den er hat, von den vielen tollen Küchen die er benutzen kann, und den spannenden Gesprächen mit Fremden die er bekocht. In einer halben Stunde fabriziert er für 25 Dollar pro Person ein köstliches, vegetarisches Menü aus pochierten Eiern, Pita und Hummus. Borahm Cho, der Gründer von kitchensurfing, hat es ein paar Stunden zuvor über seine eigene Website geordert.

    Sharing Economy.

    Borahm, du bist mit Kitchensurfing Teil der sogenannten “Sharing Economy”. Kannst du mir erklären, was das genau bedeutet? Meine Definition von Sharing Economy ist, dass es ein bestimmtes Gut gibt, wie ein Gebäude, ein Auto oder eine Fähigkeit, über die du verfügst und diese mit anderen Leuten teilst. Sprich: meins ist auch deins. Und Sharing Economy hat auch einen finanziellen Aspekt für mich, es wird nicht einfach nur geteilt, es wird Leuten auch ermöglicht, mit ihren Fähigkeiten oder Gütern Geld zu machen, die vorher nicht möglich war. Kitchensurfing ermöglicht im Grunde, die Fähigkeit des Kochens zu monetarisieren – und als Koch eine eigene Marke zu werden.

    Die ersten Schritte.

    Wie bist du darauf gekommen? Ich hatte eine grobe Vorstellung von einem Service für Social Dining mit Reisen und wollte 2011 die Domain kitchensurfing.com kaufen. Diese war vergeben, aber der Besitzer stellte sich als supercooler Typ heraus. Er verkaufte mir die Domain nicht nur für Bitcoins und überzeugte mich in diese virtuelle Währung, die 2011 noch niemand kannte, zu investieren, sondern riet mir auch, mit meiner Idee des Kitchensurfings nach New York zu gehen. Er stellte mich per E-Mail seinem dortigen Netzwerk vor. Zwei Wochen lang traf ich nur Leute, und einer davon war Chris (Muscarella, Mitgründer von Kitchensurfing). Wir haben uns sofort gut verstanden. Chris hatte ein Restaurant eröffnet und gelernt, dass Köche sehr schlecht bezahlt werden und dass Trinkgeld stets bei den Kellnern bleibt – und nicht mit der Küche geteilt wird. Er sagte, dass man Köchen mit Kitchensurfing eine neue Möglichkeit geben könnte, Geld zu verdienen.

    Wie war der Start? Unter den Köchen der Stadt sprach es sich schnell herum. Wir haben Events gemacht, Netzwerke aktiviert und nach nur ein paar Wochen unsere erste Finanzierung bekommen. Und dann kam Sandy… …der schwerste Sturm, den New York je erlebt hat. Wir haben sofort unsere Community aktiviert. Unsere Köche kochten etwa tausend Mahlzeiten und brachten sie in die Rockaways, eine besonders schwer zerstörte und von der Außenwelt fast abgeschnittene Region im Süden der Stadt. Wir waren schneller und kosteneffektiver als das Rote Kreuz. Sandy und das, was die Katastrophe unter den Menschen ausgelöst.

    Die Kunden.

    Wer sind deine Kunden? Young professionals, die besser verdienen als der Durchschnitt. Aber auch reiche Leute. Und die New York Crowd. Sarah Jessica Parker (”Sex and the City”) ist eine unserer besten Kundinnen. Es gibt einfach auch viele Leute, die sich das leisten wollen. Insgesamt haben im vergangenen Jahr über 100.000 Gäste kitchensurfing genutzt. Thanksgiving, Weihnachten und Valentinstag sind Großkampftage.

    'So minimal wie möglich'

    Genießen und teilen, aber nicht besitzen. Wie glaubst du, wird sich die Sicht auf Statussymbole, wie zum Beispiel der Besitz eines Autos entwickeln? Es gibt viele Statistiken darüber, dass immer weniger Menschen Häuser, Wohnungen oder Autos besitzen. Trotzdem werden wir in der nächsten Generation Mercedes fahren – zum Beispiel mit Car2Go, wo Mercedes-Benz ja Großinvestor ist. Car2Go hat immer noch die Fixkosten, besitzt die Autos und ermöglicht es Menschen, flexibler in ihrem Lifestyle zu sein. Ich lebe nach dem Prinzip: So wenige Fixkosten wie möglich. Ich hab einen Laptop, ich habe Internet, ich habe mein Telefon, und das reicht mir. Ich habe auch nur ganz wenige Klamotten. Ich versuche, so minimal wie möglich zu leben. Ich nutze fast jeden Tag Car2Go und bin damit glücklich.

    Was ist dein Zukunftswunsch für Kitchensurfing? Unser Ziel ist es, dass mehr Leute miteinander essen.

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