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  • „Mercedes ist ikonisch.“
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    „Mercedes ist ikonisch.“

    Der US-amerikanische Rap-Star A$ap Rocky erzählt in der „Grow up“-Kampagne die Geschichte seiner Kindheit. Wie passen der Musiker und die Marke zusammen?

    Interview: Alard von Kittlitz | Fotos: Alice Moitié

„Wie ein Mikrokosmos.“

Rocky, Sie hatten Ihren Durchbruch 2011 als Rapper – seither sind Sie auch als Designer, Model, Chef eines Musik-Labels und Schauspieler erfolgreich. Aus dem A$AP-Kollektiv, in dem Sie Mitglied sind, ist so etwas wie ein Kreativbüro geworden, das Musik, Mode und Film produziert. Hatten Sie von Anfang an vor, so viele verschiedene Baustellen zu haben?

Ich bin aus Harlem, Alter. Ich glaube, deswegen bin ich von Haus aus eher ausschweifend und neugierig. Ich weiß, dass ich viele Begabungen habe. Wieso soll ich die nicht ausleben?

Und dafür ist die Gegend, in der Sie aufgewachsen sind, so wichtig?

Aber klar! In Amerika hat man meinen Stadtteil in New York lange „Harlem World“ genannt. Wie ein Mikrokosmos. Das Viertel hat eine sehr eigene Energie, die schon Generationen von Musikern, Poeten und Schriftstellern inspiriert hat. Dieses Erbe war mir immer bewusst, meine Herkunft hat immensen Einfluss auf mich gehabt. Aber okay, ich wollte auch nie immer bloß eine einzige Sache machen.


„Es gab erst mal keinen Plan.“

Harlem bringt viele Talente hervor, aber warum haben ausgerechnet Sie diesen Erfolg?

Ich hatte nie das Gefühl, in eine einzige Schublade ganz hineinzupassen. All die Sachen, die ich mache, entwachsen am Ende einfach meiner Natur, meiner Persönlichkeit. So waren auch die Leute, mit denen ich groß geworden bin. Es gab erst mal keinen Plan. Wir haben alle angefangen als dumme Jungs, die in Harlem rumhingen, aber was uns dann am Ende so weit gebracht hat, war, dass wir unsere Geschmacksurteile auf ein abstraktes Niveau heben konnten – wir haben einfach viel darüber nachgedacht, was warum cool ist. Ich hatte das Glück, in A$AP eine Gruppe von Menschen zu finden, die gleich dachten wie ich. Man muss eben auch mit den richtigen Leuten zusammen sein.


„Da geht es ganz stark um das Gefühl.“

Viele Ihrer Projekte sind Kollaborationsarbeiten. Sie haben zum Beispiel als Designer für das Jeans-Label Guess entworfen. Wonach entscheiden Sie, mit wem Sie zusammenarbeiten wollen?

Wie bei allen Sachen, die man mit Leidenschaft betreiben will: Da geht es ganz stark um das Gefühl. So eine Zusammenarbeit muss sich von Anfang an natürlich und organisch anfühlen. Es bringt nichts, in irgendein Projekt reinzugehen und blind zu hoffen, dass am Ende schon alle dasselbe Ziel haben werden und dieselben Ideen.


Suchen Sie sich auch selbst Partner aus?

Ich ziehe es sogar vor, sie selbst anzusprechen. Besonders in der Mode, da habe ich einfach ein sehr ausgeprägtes Urteil. Aber ich werde natürlich auch immer wieder angefragt. Es gibt einfach viele Leute, die mit der Art von Energie assoziiert sein wollen, die A$AP erzeugen können.


„Die G-Klasse ist der Hammer.“

Und jetzt die Kooperation mit Mercedes-Benz. Wie passt das in Ihre Welt, was assoziieren Sie mit der Marke?

Mercedes ist ikonisch. In meiner Hood ist ein Mercedes eine Art Symbol dafür, dass man es geschafft hat. Mit dieser Marke assoziiert zu sein, ist für mich der Wahnsinn.

In dem Film spielt neben Ihnen das CLA Coupé die Hauptrolle. Haben Sie einen Lieblings-Mercedes?

Die zwei Autos, die ich von Mercedes am liebsten mag, sind das 1967er SL Cabriolet – in das Auto bin ich seit Jahren verliebt. Und die G-Klasse mit dem Sechsrad-Antrieb ist der Hammer.

Sind Sie denn mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit zufrieden?

Und wie! Mercedes hat diese verrückte Geschichte aus meiner Kindheit genommen und in einen Film mit unglaublicher Power gepackt. Das Feedback, das ich gekriegt habe, war wahnsinnig positiv – weil das alles auch so neu gewirkt hat und ungewohnt. Die Leute waren erstaunt, dass Mercedes so was Hartes, Reales angepackt hat. Ich bin unglaublich stolz auf das Resultat dieser Zusammenarbeit.


„Manchmal hat man keine andere Wahl.“

Der Film erzählt, wie der gewaltsame Tod Ihres Bruders Sie zu dem Entschluss gebracht hat, dass Sie Musik und das Rappen als Chance, der Straße zu entkommen, ernst nehmen müssen. Aber man kann sich im Leben ja viel vornehmen – wie macht man das, ein Vorhaben wirklich umzusetzen?

Manchmal hat man keine andere Wahl! (lacht). Ich jedenfalls hatte im Grunde kaum eine andere Chance. Ich will nicht sagen, dass Musik jetzt nur eine Kopfentscheidung war, im Gegenteil, das liegt mir, ich liebe das, die ganze Kultur und der Lebensstil, das kommt mir alles entgegen. Aber die Alternativen waren eben auch nicht besonders verlockend: Dealen oder irgendwas anderes Illegales. So wie mein Bruder, den das umgebracht hat. Vielleicht hätte ich das Glück gehabt, einen regulären Jobzu finden – wobei die auch nicht gerade viel Geld einbringen, da, wo ich herkomme.


„Yams hat mein Leben verändert.“

Wie erleben Sie das in Ihrem Umfeld – begegnen Ihnen da nicht ständig Leute, die sich verändern wollen und das dann nie tun?

Meine Erfahrung ist, dass wirkliche Veränderung erst dann geschieht, wenn die Leute dazu tatsächlich grundlegend bereit sind, also beinahe schon unbewusst – und sich dann eine Gelegenheit zu der Veränderung ergibt. Aber natürlich hofft man manchmal auch für jemanden, der einem nahe ist, dass der einen Wandel erlebt. Betet für ihn und tut sein Möglichstes, um eine Veränderung zu ermöglichen. Und dann hilft aber alles nichts. Wie geht noch das Sprichwort: Man kann ein Pferd zur Tränke führen – saufen muss es selbst.

Sie haben mal gesagt, dass Ihr Leben durch die Begegnung mit Yams verändert wurde – dem Gründer des A$AP-Kollektivs, der 2015 an einer Überdosis gestorben ist.

Alter, Yams hat mein Leben verändert – und gerettet.


„Merk dir diesen Moment.“

Diese Begegnung – was glauben Sie: War das Glück, Zufall, Schicksal? Welche Rolle spielen diese Faktoren in einer Karriere wie der Ihren?

Man braucht Glauben, Glück … (überlegt) und Intuition. Eine Menge verschiedener Dinge, in meinem Fall zumindest. Ich bin froh, dass für mich alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Glück war zum Beispiel, dass Yams und ich uns so gut verstanden haben. Der Typ wurde mein bester Freund. Er hat mich geführt, er hat meine Karriere oft wichtiger als seine eigenen Angelegenheiten genommen. Ich schulde dem für immer was.

In der Kampagne von Mercedes-Benz geht es um das Erwachsenwerden. Erwachsen zu werden hat ja durchaus viele Vorteile, den Führerschein zum Beispiel. Aber was vermissen Sie an Ihrer Kindheit?


Das ist einfach! Keine Verantwortung, Alter. Man hatte ja auch irgendwie nicht so richtig Sorgen. Man musste auf die eigenen Spielsachen achtgeben und vielleicht das ABC lernen. Ich habe diese Freiheit damals nicht verstanden, ich wollte unbedingt erwachsen sein und alles dürfen, was die Erwachsenen dürfen. Heute glaube ich, dass man Kindern das Glück besonderer Momente auch nahebringen sollte. Das Beste, was man seinen Kindern beibringen kann, ist ein Erleben des Moments. Und man muss ihnen sagen: Merk dir diesen Moment. Erinnere dich dran. Das haben meine Eltern und meine Familie zum Glück gemacht. Diese Momente aus meiner Kindheit sind wie eingebrannt.