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Ganz weit vorn.

Lewis Hamilton zeigt nicht nur auf der Rennstrecke Gespür für verwegene Entscheidungen. Auch in Stilfragen ist er meist auf der Überholspur. Hier erzählt der Formel-1-Weltmeister, was ihn an der Modebranche und ihren Kreativen fasziniert und weshalb er gern auffällt.

Interview: Danijela Pilic

Verrückt nach Mode und Stil.

Es ist der Donnerstag vor dem Großen Preis von Österreich in Spielberg. Das Qualifying beginnt erst am nächsten Tag, noch ist Zeit für Ablenkungen. Lewis Hamilton empfängt im Motorhome von Mercedes-Benz, er trägt eine Baseballmütze, ein Jerseyshirt, Diamantohrringe, schwere, funkelnde Ketten, eine zerrissene Jeans und weiße Sneakers. Er ist sehr höflich und charmant – und ein aufmerksamer Zuhörer. Anders als die meisten seiner Kollegen ist er verrückt nach Mode und Stil, wird häufig bei den Schauen gesehen, war letztes Jahr der Ambassador der London Fashion Week und modelt jetzt für den Teamsponsor Hugo Boss unter anderem für die „Boss for Mercedes-Benz Kollektion“. Hamilton freut sich sichtlich, über Mode und Stil reden zu dürfen.

Die Mode schläft nie.

Herr Hamilton, was war das erste Kleidungsstück, das Sie sich mit eigenem Geld gekauft haben?

Das war ein Basketballshirt von Michael Jordan. Ich habe früher selbst Basketball gern gespielt. Mit ungefähr 13 war ich ein riesiger Jordan-Fan. Um mir das Shirt leisten zu können, habe ich das Auto von unserem Nachbarn gewaschen.

Seitdem hat sich stilmäßig viel getan.

Klar. Auch mein Verständnis von Stil hat sich verändert und weiterentwickelt. Das ist ein Prozess. Ich würde sagen, ich habe meinen Stil gefunden. Seit ich zu den Schauen gehe, verstehe ich auch die Modebranche viel besser. Es ist wie bei den Rennen: Die Mode schläft nie. Wenn ich etwa mit Stella McCartney rede, hat sie immer gerade eine Schau hinter sich und ist gedanklich schon in der nächsten Kollektion.

Sie sind häufig bei Schauen verschiedener Designer zu sehen. Was fasziniert sie daran?

Mich beeindruckt das Kreative in all seiner Vielfalt. Das Licht, die Atmosphäre, die unterschiedlichen Leute, die sehr unterschiedlichen Stilrichtungen. Extremes neben Konservativem, und alles hat seine Berechtigung. Ich fotografiere auch sehr gern bei den Schauen, dabei lerne ich viel über Stil. Am meisten aber fasziniert mich, wie das Gehirn eines Künstlers arbeitet. Ich wünschte, ich könnte verstehen, wie sie Dinge erschaffen.

Es fasziniert mich, wie Designer in die Zukunft blicken.

Wie nehmen Sie Trends wahr?

Ich finde es interessant, wie neues Design zunächst merkwürdig und befremdlich erscheinen kann, doch allmählich zur Norm wird. Mit Autos ist es ähnlich. Wenn ich einen neuen Mercedes sehe, denke ich, ich mag den alten, aber mit der Zeit sieht der alte eben alt aus. Es fasziniert mich, wie Designer in die Zukunft blicken, als wären sie ihrer Zeit voraus.

Fänden Sie es reizvoll, das Modehandwerk zu lernen?

Absolut. Wer weiß, vielleicht tue ich mich irgendwann mit einem Designer zusammen und kreiere selbst etwas. Selbstverständlich müsste ich das Handwerk erlernen. So wie ich Abertausende Stunden damit verbracht habe, in meiner Disziplin gut zu werden. Ich bin ja nicht einfach ins Auto gesprungen und losgefahren. Und genau so respektiere ich das Modehandwerk. Ich weiß, wie steil dieser Berg ist.

Sie sind viel unterwegs. In welchen Städten sind Männer am besten angezogen?

Ich checke Typen nicht so aus (lacht). Na gut, in Italien sind sie sehr modeinteressiert, doch mir ist das alles zu körperbetont. Die Stadt, in der ich an jeder Ecke Mode sehe, ist natürlich Paris. Dort fotografiere ich auch sehr viel, auch Details, manchmal nur ein paar Schuhe oder eine tolle Hose.

Ich müsste dringend mal ausmisten.

Wie sieht Ihr Kleiderschrank zu Hause aus? Groß, klein, aufgeräumt?

Absolutes Chaos! Aber ich kann nichts dafür. Es liegt daran, dass ich ständig packen muss. Oft weiß ich nicht, ob ich nur ein paar Tage oder ein paar Wochen unterwegs sein werde. Mein Terminplan ändert sich ständig. Wenn ich nach Hause komme und auspacke, verstaut meine Haushälterin alle Sachen. Und ich finde nichts mehr.

Aber Sie haben genug Platz?

Ich habe ein Zimmer für Schuhe und Jacken und ein Zimmer für Klamotten. Aber ich verbringe Stunden damit, Shirts, Hosen oder Sneaker zu suchen. Ich müsste dringend mal ausmisten.

Packen Sie eher zu viel oder zu wenig ein?

Eher zu viel. Aber ich bin gut im Packen, ich habe ziemlich viel Übung darin.

Wie viel nehmen Sie zu einem Rennwochenende wie diesem mit?

Zwei Koffer. Einer mit Kleidung, einer mit Schuhen, acht Paar. Damit komme ich ein paar Tage bis einige Wochen klar.

Smart und eher lässig.

Im Zweifel eher overdressed oder underdressed?

Sagen wir so: Ich falle lieber auf, als dass ich unter den Radar bleibe.

Wie gehen Sie mit Dresscodes um?

Ich sehe mir meine Agenda an und plane entsprechend. Manchmal sehe ich nach, was früher zu einem Event getragen wurde. Und dann mache ich mein eigenes Ding.

Wann tragen Sie Anzüge?

Wenn es der Anlass erfordert. Ich liebe gut geschnittene Anzüge, deshalb mag ich auch Boss. Aber ich versuche immer, meinem eigenen Stil zu folgen – also smart und eher lässig. Ich trage nie Krawatten, dafür gerne Buttondown mit Details am Kragen.

Ein schwarzer Anzug geht doch immer?

Geht schon, aber nicht für mich. Wenn der Schnitt klassisch ist, trage ich gern Farbe: am liebsten Navyblue, Rot oder Dunkelrot, etwas Ausgefalleneres eben.

Was ist Ihr Nummer-Sicher-Look?

Das gibt’s bei mir nicht. Letztes Jahr zum Beispiel wurde ich kurzfristig zu einer Schau von Karl Lagerfeld eingeladen und mir wurde ein Outfit zugeschickt. Es war toll, aber viel zu groß und es gab keine Zeit mehr für Änderungen. Also bin ich nicht hingegangen.

Einfach nicht hingegangen?

Nein, ich hatte keinen anderen Look. Aus Respekt vor Karl wollte ich vermeiden, dass er mich ansieht und sich dabei nicht wohlfühlt. Ich habe mich entschuldigt. Das ist besser, als hinzugehen und es zu vermasseln. Es ist nicht so schön, ein Bild von sich zu sehen und darauf nicht richtig angezogen zu sein.

Kritik an meinem Äußeren akzeptiere ich nur von Karl Lagerfeld oder Anna Wintour.

Verspüren Sie Druck, wenn es um Stil geht?

Nun, ich werde die ganze Zeit fotografiert, ob ich essen gehe oder irgendwo am Flughafen lande. Und manchmal steht ein nicht so netter Kommentar unter dem Bild. Kritik an meinem Äußeren akzeptiere ich nur von Karl Lagerfeld oder Anna Wintour.

Zu der Boss for Mercedes-Benz Kollektion: Welches ist Ihr Lieblingsteil?

Die Sweatjacke mit dem ­Stehkragen und den Nylon-Ärmeln. Ich mag auch die Lederjacke, aber die andere ist mein Lieblingsteil.

Zu welchem Anlass würden Sie sie tragen?

Ich würde sie zu einer Schau anziehen.

Und wie kombinieren?

So, wie auf dem Foto. Wenn es um Fotoshootings geht, ziehe ich nie einfach irgendwas an, sondern bin aktiv am Styling beteiligt.

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