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  • Vier Geheimnisse für Gründer.
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    Vier Geheimnisse für Gründer.

    Tech-Guru Guy Kawasaki arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten im Silicon Valley – eine inspirierende Zeit. Hier verrät er, was er gelernt hat.

    Fotos: Yannick Fauth

Freue dich über dein Nichtwissen.

Wenn man sich die Unternehmer anschaut, die den Lauf der Dinge verändert haben, wird einem eines klar: Die meisten von ihnen waren jung, als sie ihren Durchbruch erzielt haben.

Und das hat einen ganz einfachen Grund: Wenn man jung ist, weiß man noch nicht, was man nicht weiß. Und das verleiht einem besondere Kraft. Denn wenn man weiß, wie schwierig der Weg ist, der vor einem liegt, geht man ihn vielleicht erst gar nicht.


Ein völlig neues Betriebssystem.

In jungen Jahren habe ich für Apple gear­beitet. Ich war für die Vermarktung von Macintosh zuständig, damals ein völlig neues Betriebssystem. Ich hatte keine Ahnung, was für eine schwierige Aufgabe da auf mich wartete.

Wenn heute nochmal ein Unternehmen auf mich zukommen und sagen würde: Guy, wir haben hier wieder ein neues Betriebssystem – würde ich es nochmal tun? Wahrscheinlich nicht. Denn heute weiß ich, wie schwierig das ist. Doch jemand, der erst zwanzig oder dreißig ist, weiß das nicht und wird es womöglich versuchen. Und: vielleicht riesigen Erfolg damit haben!


Überlege nicht, lege los.

Viele Leute verbringen zu viel Zeit damit, zu planen, und zu wenig Zeit damit, etwas zu tun. Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Man braucht keinen fünfzig Seiten langen Businessplan, mit all den schrecklichen Details zur eingesetzten Technologie, zur Einführungsstrategie, einer Mitarbeiter­analyse und einer fi­nanziellen Prognose für die nächsten fünf Jahre, damit man auch ja weiß, wie viel man im vierten Monat des fünften Jahres für eine Tonerkartusche ausgeben wird.


Das beste Verkaufsargument, mit dem ein Unternehmer starten kann, ist folgendes: „Lassen Sie mich Ihnen das Produkt zeigen.“

Darin besteht der erste Schritt, die Welt zu verändern: loslegen. Das Produkt auf den Markt bringen. Und dann sehen, wie es läuft. Denn das Wichtigste ist nicht, wo man steht, wenn man etwas beginnt, sondern wie schnell man sich weiterentwickelt.


Finde Menschen, die von dem begeistert sind, was du tust.

Für die meisten Menschen sind vor allem zwei Kriterien entscheidend, wenn sie nach potenziellen Mitarbeitern suchen: die Ausbildung und die Arbeitserfahrung. Ich habe gelernt, dass man sich noch eine weitere wichtige Frage stellen sollte, wenn man auf der Suche nach Leuten ist, die gemeinsam mit einem die Welt verändern wollen: Lieben sie das, was Sie tun? Sind sie davon begeistert, dass man Autos herstellt, Surfboards baut oder Websites kreiert?


Leidenschaft als höchstes Gut.

Mag jemand auch noch so eine vorbildliche Ausbildung haben und über noch so viel Arbeitserfahrung verfügen: Wenn er keine Leidenschaft für das hegt, was Sie tun, wenn sich sein Puls nicht allein schon beim Gedanken daran beschleunigt, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, dann ist er auch nicht der Richtige für Sie!

Ob jemand Begeisterung für Ihr Produkt hat, ist das, worauf Sie als Allererstes achten sollten. Erst danach kommen Arbeitserfahrung und Ausbildung. Wenn Sie die Wahl zwischen zwei Personen haben, entscheiden Sie sich auf jeden Fall für die, die echte Begeisterung für das zeigt, was Sie tun. Alles andere findet sich dann schon.


Springe zur nächsten Stufe.

Ein sehr gutes mentales Modell für Inno­vation lässt sich wie folgt formulieren: Springe zur nächsten Entwicklungsstufe. Also nicht stehen bleiben und probieren, etwas zehn Prozent besser zu machen, sondern versuchen weiterzukommen und sich dabei sprunghaft zu entwickeln.

Ein Beispiel aus der Geschichte: Das Geschäft mit Eis begann in den USA bereits in den 1900er-Jahren. Damals gingen die Arbeiter auf einen zugefrorenen See, schnitten dort einen Block Eis he­raus und luden diesen auf einen Pferdeschlitten, der das Eis jeweils dorthin brachte, wo es benötigt wurde.


Seine per­sönliche Eisfabrik.

Dreißig Jahre später gab es die ersten Eisfabriken. Dort wurde das Wasser zentral gefroren, als Eis von den Arbeitern in einen Lastwagen verladen und zu den Kunden gebracht.

Inzwischen hat jeder von uns seine per­sönliche Eisfabrik, den Kühlschrank mit Gefrierfach. Dabei war es nicht etwa so, dass diejenigen, die damals die Eisblöcke aus dem See schnitten, oder die, die danach die Eisfabriken gründeten, zu Anbietern von Kühlschränken wurden.


Und genau hier liegt das Problem.

Die meisten Unternehmen bewegen sich nicht weit genug von dem weg, was sie bereits tun. Die Technologien, die die Welt verändert haben, gibt es jedoch nur, weil jemand zur nächsten Stufe gesprungen ist. Und nicht etwa auf der gleichen Stufe geblieben ist und versucht hat, sich dort ein bisschen zu verbessern.