Amy Macdonald Inspiration

Amy Macdonald über Inspiration.

Der Moment der Erleuchtung ist unbeschreiblich, sagt die schottische Sängerin. Vor allem, weil man Kreativität nicht erzwingen kann.

Wie fühlt sich Inspiration an?

Für mich ist es so, als würde jemand einen Schalter umlegen. Plötzlich leuchtet eine kleine Glühbirne über meinem Kopf auf und ich verspüre das überwältigende Bedürfnis, zur Gitarre zu greifen. Als ich vor Kurzem ein Konzert in Frankreich, in Colmar, spielte, ging es mir so. Die Show war nahezu perfekt, die Stimmung im Publikum unglaublich gut. In diesem Moment empfand ich pures Glück und war zutiefst inspiriert von allem um mich herum. Die alten Griechen glaubten ja, Inspiration gehe von Musen oder den Göttern aus, im Christentum gilt sie als Geschenk des Heiligen Geistes. Ich denke, sie kommt aus meinem Unterbewusstsein. Natürlich bin ich als Musikerin ständig auf der Suche nach Inspiration und beobachte meine Umgebung sehr aufmerksam. Unsere Welt ist so schnelllebig geworden, dass viele Menschen durch ihr Leben hetzen, ohne groß darüber nachzudenken. Dabei gibt es so viele tolle Geschichten – man muss nur genau hinsehen.

Amy Macdonald Inspiration
Amy Macdonald Inspiration

Oft sind es ganz alltägliche Dinge.

Oft sind es ganz alltägliche Dinge, die mich inspirieren: Sachen, die ich in den Nachrichten sehe, oder Erlebnisse von Freunden und meiner Familie. Ich habe schon Songs über meine Oma geschrieben, über Fußball und das Grubenunglück von San José. Auch mein neues Album behandelt ganz unterschiedliche Themen. Zum Beispiel das Gefühl, einen geliebten Menschen zu verlieren. Einen anderen Song schrieb ich für meine beste Freundin, die letztes Jahr nach New York gezogen ist und wahnsinnig Heimweh hatte. Ich habe sie ein paar Mal dort besucht. Im eiskalten Winter ist New York eine völlig andere Stadt als im brütend heißen Sommer. Ich habe es genossen, aus Glasgow rauszukommen und all diese neuen Eindrücke aufzusaugen.

Gute Ideen brauchen Zeit.

Ich gehöre aber nicht zu den Menschen, die reisen müssen, um inspiriert zu sein. Die besten Ideen kommen mir, wenn ich meinen Hund Gassi führe, mit dem Sportwagen durch die Gegend düse oder zu Fußballspielen der Glasgow Rangers gehe. Ich kann viel präziser sein, wenn ich von Dingen singe, die jeder kennt. Nichts auf der Welt ist zu klein oder zu unbedeutend, um zum Thema eines Songs zu werden. Der Moment, in dem die Inspiration mich durchfließt, ist unbeschreiblich. Auf einmal verselbstständigt sich alles, und der Kopf begibt sich auf eine Reise. Leider weiß man nie, wann es so weit ist. Plötzlich passiert etwas, das ein Gefühl in mir auslöst – positiv oder negativ.

Amy Macdonald Inspiration

Das kann viermal pro Woche oder einmal im Monat sein. Und manchmal bleibt die Inspiration auch ganz aus. Viele Kollegen haben davor Angst, aber ich versuche, mich davon frei zu machen. Gute Ideen brauchen Zeit, man kann Inspiration nicht erzwingen.

Amy Macdonald Inspiration

Meine Kreativität ist mir unerklärlich.

Ansonsten ist das Ergebnis bedeutungslos – niemand nimmt dir etwas ab, an das du selbst nicht glaubst. Woher meine kreative Ader kommt, ist mir übrigens unerklärlich. Niemand sonst in meiner Familie ist künstlerisch begabt. Vielleicht habe ich deshalb erst im Alter von 14 Jahren angefangen, Songs zu schreiben. Musik bedeutet mir viel, aber manchmal frage ich mich doch, ob das wirklich ein sinnvoller Beruf ist. Meine Schwester ist Ärztin. Sie arbeitet verdammt hart, doch niemand dankt ihr dafür. Es wird einfach erwartet, dass sie den Menschen hilft und ihre Leben rettet. Es ist schon verrückt, dass Prominente so sehr verehrt werden und Menschen wie meine Schwester, die wirklich Großartiges leisten, dabei vergessen werden. Ihr Job ist viel wichtiger als meiner. Leider bin ich nicht clever genug, um Ärztin zu werden.

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