App gefahren.

Nachrichten verschicken, Termine abfragen und gleichzeitig in der realen Welt vorankommen – ein grenzüberschreitender Fahrbericht.

A 220 d 4MATIC:

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,9–4,6 l/100 km;

CO₂-Emissionen kombiniert: 127–121 g/km.*

Eine gut informierte Assistentin.

Als Großstadtneurotiker bin ich auf dem Weg ins Büro bislang nie in Erscheinung getreten, doch nun ziehe ich verwunderte, wenn nicht sogar um meinen Geisteszustand besorgte Blicke auf mich. Ich stehe vor einer Bushaltestelle an einer roten Ampel, es ist ein milder Spätsommermorgen und die Seitenscheiben meiner A-Klasse sind heruntergelassen. „Welche Termine habe ich heute?“, frage ich laut und blicke nach rechts. Dort sitzt, wie auch auf der Rückbank: niemand. Aber draußen stehen zwei Damen, die sich ratlos anschauen. Ich wende mich nach vorn und lausche Siris Stimme, die aus den Lautsprechern kommt: „Heute hast du drei Termine: um 11 Uhr, um 13 Uhr und um 17 Uhr.“ Noch bevor sie aufzählt, was genau anliegt, schaltet die Ampel auf Grün.

Dass ich in Begleitung einer gut informierten Assistentin im neuen A 220 d 4Matic sitze, können Außenstehende nicht sehen. Meine Helferin ist im Smartphone versteckt und hat sich vollständig in das System des Wagens A integriert.

Per Knopfdruck am Lenkrad kann ich sie zuschalten und lasse mir nun erklären, dass zuerst ein Meeting mit meinem Chef, dann eine Telefonkonferenz mit Dr. Foster und nachmittags ein Seminartermin im Kalender stehen. Wie beruhigend, jederzeit meine Tagesplanung abrufen zu können. Und weil ich noch Zeit habe, genieße ich es, dieses Auto zu fahren, in dem ich mich auf wunderbare Art befreit fühle.

Der Begriff Multitasking.

Mit dem Facelift der A-Klasse bekommt der Begriff Multitasking, der eigentlich nach hoher Arbeitsbelastung klingt, eine vollkommen entspannte Note. Diese Baureihe ist die erste von Mercedes-Benz, die die Funktionen eines Smartphones – ob von Apple mit Siri-Sprachsteuerung oder von anderen Herstellern mit Android-Betriebssystem – fast vollständig zu einem Teil ihres Bordsystems macht. Die virtuellen Möglichkeiten des Internets und die sehr realen des Autofahrens verschmilzen miteinander. Was auf Außenstehende wie Science-Fiction wirken mag, eröffnet mir eine Welt, in der ich mich nach wenigen Kilometern wie zu Hause fühle.

Beim Aufschließen des Autos begrüßt einen das Tagfahrlicht mit einer Lichtshow in Blau-Weiß. Und sobald das iPhone mit dem USB-Anschluss in der Mittelkonsole verbunden und „CarPlay“ ausgewählt ist, lande ich in meiner persönlichen Kommunikationsumgebung: Ich sehe die gewohnten Apple-Icons auf dem frei stehenden, rahmenlosen Display – besser als auf dem Handy. Auf Wunsch ist der Monitor mit einer Diagonalen von 20,3 Zentimetern noch größer als im Vorgänger.

Wünsche nur aussprechen.

Etwas kleiner hingegen der Umfang an Apps: Damit der Fahrer nicht abgelenkt wird, bleiben Spiele, Videoprogramme und Web-Browser außen vor. Ansonsten wird praktisch alles, was per Sprachsteuerung und Fingerbefehl zu bedienen ist, von meinem Handy aufs Mercedes-Display übertragen beziehungsweise kann per Siri genutzt werden: Kalender, Telefon, Nachricht, Routenplaner, Podcasts sowie meine Apple Music und Spotify. Ein Druck auf den Knopf der Sprachsteuerung in der rechten Lenkradspeiche und ein ausgesprochener Wunsch genügen: Wenn ich Lust auf eine Pizza habe, nennt mir Siri den nächstgelegenen Italiener – samt Kundenbewertung und Preisniveau. Wenn ich meinem Bruder eine SMS schreiben möchte, diktiere ich den Text; seine Antwort liest Siri mir vor.

Wenn ich Coldplay hören will, muss ich weder die CD parat haben noch auf das Radioprogramm hoffen. Ich sage einfach „Bitte spiele Coldplay“ – und aus dem Harman Kardon Surround-Soundsystem tönt „Every Teardrop is a Waterfall“, das ich irgendwann mal über iTunes erworben habe.

Kopf frei fürs Wesentliche.

Nach zehn Minuten wundere ich mich, warum ich mein Smartphone sonst immer per Hand bediene. Es mag daran liegen, dass die Sprachsteuerung erst erwachsen werden musste. Als sie 2011 auf den Markt kam, verstand sie längst nicht jeden Wunsch so korrekt wie heute in der A-Klasse. Und vielleicht ist erst im Auto der perfekte Nutzungsraum entstanden: Auf der Straße und im Büro fühlt es sich mitunter seltsam an, ein Gerät anzusprechen. Im Auto hingegen bin ich oft allein. Ich singe mit, wenn mir danach ist. Und keiner merkt es, wenn ich Siri etwas frage. Es sei denn, ich stehe mit geöffneten Fenstern vor einer Bushaltestelle.

CarPlay für Apple hilft, Organisatorisches abzuarbeiten, sodass ich mich dem Wesentlichen widmen kann: dem Fahrerlebnis. Schon von außen wird der Anspruch der neuen A-Klasse deutlich, den nicht nur die Trendlackierung Elbaitgrün unterstreicht. Der Frontstoßfänger ist pfeilförmiger als bei seinem Vorgänger und erinnert an die Formgebung des Konzeptfahrzeugs Concept A-Class, das 2011 die Autowelt staunen ließ. Auch der Diamantgrill, die neu gestalteten Heckleuchten und die Endrohrblenden im Stoßfänger wirken sportlich.

Sonderausstattung.

Ebenfalls markant sind die neuen, als Sonderausstattung erhältlichen LED High Performance Scheinwerfer. Durch ihre breite Lichtverteilung sieht man damit selbst nachts fast wie am Tag. Spätestens nach der Stadtgrenze macht sich der Charakter der A-Klasse bemerkbar. Der A 220 d 4Matic ist noch einmal um sieben PS stärker geworden, ein permanenter Allradantrieb bringt die Kraft auf die Straße. Das neue Fahrwerk mit adaptiver Verstelldämpfung (Sonderausstattung) kann per Druck auf den Dynamic-Select-Schalter auf Komfort oder Sport eingestellt werden. Während ich in der Komforteinstellung bequem im erstmals tiefenverstellbaren Sitzkissen entspanne, finde ich mich im anderen Modus in einem Sportwagen wieder. Die Lenkung reagiert direkter und die straffere Fahrwerksabstimmung lässt mich die Charakteristik der Straße spüren. „So mag ich mit der A-Klasse über die Alpen fahren!“, denke ich.

Und frage laut: „Wie ist heute das Wetter in Nizza? Welche Hotels an der Côte d’Azur sind empfehlenswert?“ Meine unsichtbare Assistentin antwortet: „In Nizza scheint heute die Sonne bei 25 Grad.“ Das steigert nicht gerade die Vorfreude aufs Büro, aber definitiv die auf die nächste Fahrt.

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