Das Rollenspiel. Nico Rosberg und Martin Kaymer tauschten ihre Jobs.

In fünf Disziplinen an Lenkrad und Eisen traten der Rennfahrer und der Golfer gegeneinander an und zeigten dabei selbst auf jeweils fremdem Terrain großen Sportsgeist.

Das Sieger-Gen.

Der eine verdient sein Geld im Grünen, trägt bei der Arbeit gebügelte Hosen und muss jede Bewegung kontrollieren können. Der andere sitzt nur Zentimeter von einer 1.000-PS-Maschine entfernt im feuerfesten Overall und muss seinen Reflexen vertrauen können. Man sollte meinen, dass Golfprofi Martin Kaymer und Formel-1-Pilot Nico Rosberg nicht viel verbindet. Doch als Spitzensportler haben sie eins gemeinsam: das Sieger-Gen, das sie ungern verlieren lässt, egal in welchem Wettbewerb. Und so treten Rosberg und Kaymer, beide 30, motiviert zur ersten Challenge der Stars von Mercedes-Benz an. Es wird ein Duell an Lenkrad und Ball, bei dem der Rennfahrer und der Golfer auch in der fremden Sportart gefordert sind. Für beide geht es um die Frage: Wer wird 2015 der Mercedes-Star? „Das könnte eng werden“, murmelt Rosberg vor der ersten Fahrt auf der Handling-Strecke der Mercedes-Benz World in Weybridge, südlich von London. „Ich bin wirklich gespannt, wer besser ist. Er im Auto oder ich beim Golf.“

Es geht um Millimeter.

1. Duell: Vollgas auf der Jagd nach Hundertstel

Um das Rennen mit dem 375 kW starken Mercedes-AMG GT offenzuhalten, darf Kaymer fliegend starten, Rosberg muss aus dem Stand in die Gänge kommen. Er sei ein guter Autofahrer, erklärt der ehemalige Weltranglisten-Erste der Golfprofis: „Zumindest habe ich noch nie einen Unfall gebaut.“ Kaymer sieht wirklich schnell aus auf seiner Proberunde, und als er die Startlinie überquert, beginnt die Uhr zu ticken. Grobe Fahrfehler macht er nicht, nach 43:34 Sekunden ist er im Ziel. „Ich hab’ mich nicht getraut, in den Kurven zu beschleunigen“, kommentiert Kaymer selbstkritisch. Dann jagt Rosberg den Motor hoch. Mit dem Kickstarter schießt der Zweite der aktuellen Formel-1-Fahrerwertung in die Kurve, die Reifen quietschen und man merkt, dass er den Startnachteil aufholen will. Am Ende die erste Überraschung: Rosberg fehlen exakt 23 Hundertstelsekunden. „Das ruiniert mir jetzt den ganzen Tag“, spottet Rosberg und grinst dazu. Er brennt auf Revanche, ausgerechnet auf dem Golfplatz.

2. Duell: Annähern an die Fahne

Nur wenige Autominuten entfernt auf einem der schönsten Golfplätze Englands: St George’s Hill. Rosberg bekommt zehn Bälle, um einen davon aus 55 Metern Entfernung so nah wie möglich ans zweite Loch zu spielen. Diesmal hat es Kaymer schwerer: nur drei Versuche – und 150 Meter Entfernung vom Abschlag bis zum Ziel. Rosberg beginnt. Er hat einen eleganten Schwung, der Ball fliegt im hohen Bogen aufs Grün. Dass er Handicap 34 hat, mag man kaum glauben. Er sagt, er spiele schon sehr, sehr lange – „aber nur einmal alle drei Jahre“. Der vierte Ball ist sein Bester. Er blickt ihm gespannt hinterher und fragt: „War das ein Hole-in-one?“ Nicht ganz. Der Ball stoppt einen knappen Meter neben dem Loch. „Big shot!“, ruft Kaymer und macht sich auf zum Abschlag.

„Ich bin sehr gespannt auf seinen Swing“, sagt Rosberg. Kaymer nimmt das Eisen 9, kurze Konzentrationsphase, blitzschnelles Ausholen, saftiges „Wusch“, Gras wirbelt durch die Luft. „Er kommt, er kommt“, fiebert der Golf-Profi mit, „do it!“ Nach zwei weiteren guten Bällen muss er aber zugeben: „Reicht nicht! Ich kann von hier aus sehen, dass Nico näher dran ist.“ Die beiden klatschen sich ab, es steht 1:1.

3. Duell: Schnellste Runde im Simulator

Kaymer gewinnt auf der Rennstrecke, Rosberg auf dem Grün – vielleicht liegen Golf und Motorsport doch näher beieinander als gedacht? In jedem Fall ähneln sich die Profis. Beide sind zurückhaltende Charaktere. Kaymer sieht außerdem diese Parallele: „Wenn du den Ball am Loch vorbeischiebst oder in der Kurve das Lenkrad überdrehst – es geht um Millimeter. Wir brauchen ein Händchen.“ Das gilt auch für das dritte Duell, im Formel-1-Simulator der Mercedes-Benz World. Kaymer nimmt in einem nachgebauten Boliden Platz, vor ihm drei Monitore, die ihm den Circuit von Silverstone zeigen. Die Aufgabe: Eine Runde fahren, so schnell es geht. „Hier wird es viel schwieriger, mich zu schlagen, als auf der Straße“, glaubt Rosberg, „wann sitzt Martin schon mal im Simulator?“ Gleich nach dem Start dreht sich Kaymer. Zwei Kurven weiter rutscht er über den Rasen und kann nur mit Mühe einen Crash vermeiden. Rosberg gibt lautstark Tipps: „Martin, niemals früher als 150 Meter vor der Kurve bremsen!“ Am Ende steht Kaymers Rundenzeit: 2:40 Minuten. Rosberg akzeptiert, mit 30 Sekunden auf der Uhr zu starten. Die Ampeln gehen auf Grün, und auch Rosberg rutscht bei ausgeschalteter Traktionskontrolle in der ersten Kurve von der Bahn. Die restliche Runde fährt er perfekt. Mit 1:59 Minuten bleibt der Profipilot trotz Extrasekunden am Start weit unter Kaymers Zeit. Der Geschlagene stöhnt: „Das ist nicht fair!“ Rosberg führt: 2:1.

4. Duell: Putten mit verbundenen Augen

Zurück am zweiten Grün von St George’s Hill, wo Dutzende Golfer ihr Spiel unterbrochen haben, um zuzusehen: Der Ball liegt acht Meter vom Ziel entfernt, Rosberg bekommt zehn Versuche, um mit verbundenen Augen einzulochen, drei Bälle kommen sehr nah. Martin Kaymer, zweifacher Major-Sieger, hat dafür nur drei Versuche. Die Menge raunt. Kaymer spürt den Druck, bleibt aber gelassen. „Blind zu putten ist für mich eine gute Übung, ich mache das oft im Training.“ Was folgt, ist ein magischer Moment der Star-Challenge. Kaymer beugt sich über seinen Schläger, es ist sein zweiter Ball. Er trifft, der Ball rollt, langsam, macht einen Bogen und verschwindet nach acht Metern vom Grün. Klack! Als hätte er gerade ein Major-Turnier gewonnen, reißt Kaymer die Arme hoch: „Yeah!“ Rosberg schließt die Augen und murmelt: „Unfassbar cool!“ 2:2 – ein Stechen muss die Entscheidung bringen.

Finale: Wettfahrt mit ferngesteuertem Auto.

Auf einem Teil des Fairways stecken Hütchen einen Slalomparcours ab. An der Start-Ziellinie stehen zwei Modelle des G 63 AMG 6×6 im Maßstab 1:18. Rosberg und Kaymer sollen die Geländewagen per Fernsteuerung lenken. „Mal schauen, wie gut dein Händchen wirklich ist“, raunt Rosberg seinem Kontrahenten zu. Der Golfprofi streckt beide Hände aus – nicht die Spur eines Zitterns. Später an diesem Abend wird Rosberg den Tag so  zusammenfassen: „Zwei große Wettkampftiere, die sich bis zuletzt nichts geschenkt haben.“ Wer am Ende Mercedes-Benz Star 2015 wurde? Die Videos der Challenge und die dramatische Entscheidung, die im fünften Duell fiel, werden in Kürze auf den Mercedes-Benz Golf Facebook-Seiten gezeigt.

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